Sommerfrische in Mattsee

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Die Sommerfrische in Mattsee der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist eng mit antisemtischen Strömungen und der Politik der ersten Republik Österreichs verbunden.

Einleitung

Mit dem Bau der Kaiserin-Elisabeth-Bahn erhielt das nicht weit von Mattsee entfernte Seekirchen am Wallersee einen Bahnhof, an dem Schnellzüge von Wien hielten. Ab 1898 hieß der Bahnhof dann "Seekirchen-Mattsee". Die Sommerfrische-Gäste konnten so in rund neun Stunden von Wien an den Mattsee gelangen, wo sie durchschnittlich vier Wochen im Sommer verbrachten.

Unter dem Mattseeer Fremdenverkehrspionier Dr. Heinrich Wallmann begann mit der Gründung der Badegesellschaft und des Saison-Vereins der Fremdenverkehr in Mattsee einen Aufschwung.

Für das Wiener Bürgertum, das weder einen Urlaub am Meer in Abbazia (Opatija) oder in Bad Ischl in Betracht zogen, wurde Mattsee mit seinen drei Seen zum beliebten Sommerfrische-Ziel. Zu den ersten Sommerfrischlern zählte auch Anton Breitner.

Die ersten Sommerfrischler dürften 1857 nach Mattsee gekommen sein. Für den Sommer 1909 waren 1 256 Sommergäste registiert worden. Dazu kam noch das Dienstpersonal mit 75 Personen.

"Mattsee ist Judenrein"

Unter diesem Wiener Bürgertum befanden sich natürlich auch viele jüdische Persönlichkeiten mit ihren Familien. Diese hatte nach der im Dezember 1867 verkündeten Verfassung die uneingeschränkte Gleichberechtigung mit allen anderen Staatsbürgern der Habsburgermonarchie.

Damit setzte auch ein Deutschnationalismus ein, der starke antisemtische Züge aufwies. Auch Mattsee blieb seit seinen Fremdenverkehrsanfängen nicht von derartigen Einflüssen verschont. Bereits 1889 musste der Vorstand des Mattseers Saison-Vereins in einer Stellungnahme in Anlehnung an dieses Staatsgrundgesetz der Gleichstellung darauf hinweisen "jeder Sommergast - ob Jude oder Christ, der anständig lebt, ist gleich zu achten." Mit der Ernennung des jüdischen Schriftstellers Adalbert Goldschneider zum Ehrenmitglied des Saison-Vereins wollte dieser ein deutliches politisches Signal setzen.

Der Erste Weltkrieg unterbrach die Sommerfrische. Nach Ende des Krieges verloren viele Menschen ihr Geld, weil sie in Kriegsanleihen investiert hatten. Diese riesigen Geldverluste schob man auch den Juden die Schuld zu. Um 1920 begannen immer mehr Orte in Österreich mit "wir sind Judenfrei" zu werben, um damit gute Geschäfte zu machen. Größere Fremdenverkehrsorte wie Bad Ischl, Bad Gastein, Zell am See oder Bad Aussee hielten nicht viel davon und waren zumindest während der Sommersaison "judenfreundlich". Nicht so Orte im Salzburger Flachgau.

Seekirchen und Mattsee taten sich hierbei hervor und warben mit ihren judenfreien Orte um (Wiener) Sommerfrischler. Dieser Antisemitismus ging maßgeblich vom Juristen und Reichstagsabgeordneten Dr. Julius Sylvester aus, der sich in Seekirchen niedergelassen hatte. Sein in Zell am Wallersee gegründete Zweigverein des Deutschösterreichischen Schutzvereins Antisemiten-Bund führte im Frühjahr 1925 zur Gründung einer Ortsgruppe in Mattsee. Hier war es der in Wien geborenen und in Mattsee praktiziernde Arzt Dr. Arnold Mannlicher (* 1880; † 1958), der die treibende Kraft dieses Zweigvereins wurde.

Mannlicher wird auch mit einer anonym geschriebenen Postkarte in Verbindung gebracht, die den jüdische Komponisten Arnold Schönberg zur vorzeitigen Abreise seines Sommerurlaubs 1921 veranlassten.

Schon 1920 teilte die Mattseer Gemeinde bei Anfragen nach Sommerfrischequartieren mit, "dass in Mattsee ausschließlich Deutsch-Arier Aufnahme fänden". Das erfreute die Wiener Sommergäste derart, dass einer von ihnen am Stiftsplatz ein Plakat anbringen ließ, in dem "den wackeren Bürgern von Mattsee" dafür dankte, dass sie Juden als Sommergäste abwiesen.

Mattsee war 1920 fast judenfrei.

Mattsee blieb dieser antisemtischen Einstellung bis 1933 treu. Erst die 1000-Mark-Sperre im Sommer 1933 zwang die Mattseer auf den dadurch einsetzenden Niedergang des Fremdenverkehrs zu reagieren und wieder Juden als Gäste zuzulassen.

Mattsee wird beliebt bei der katholisch-nationalen Elite

(wird fortgesetzt)

Quelle