Stadtpfarrkirche zum hl. Petrus Seekirchen

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Ortsansicht v. Seekirchen mit der Stadtpfarrkirche
Stadtpfarrkirche Seekirchen, Innenansicht
Altarbild Stiftskirche Seekirchen
Taufe von Herzog Theodo durch Bischof Rupert, berühmtes Bild am li. Seitenaltar
Kirchturm und Portal v. Seekirchen, westliche Ansicht
Stadtpfarrkirche Seekirchen, Portal mit Wappen

Die Stadtpfarrkirche zum hl. Petrus Seekirchen ist gleichzeitig Stiftskirche des Kollegiatstifts Seekirchen.

Die Stiftskirche, die in ihren Anfängen in die Zeit um 700 zurückreicht, wurde nach mehrmaligen Neu- und Umbauten ab 1669 als dreischiffiger barocker Bau neu errichtet. Sie beherbergt als besonderen Schatz einen monumentalen romanischen Kruzifixus aus Lindenholz aus dem 12. Jahrhundert.

Baugeschichte

Der erste Bau

Kein geringerer als Rupert von Worms selbst ließ am Ufer des Wallersees, das zu dieser Zeit noch bis in den heutigen Stadtkern reichte, die erste Kirche erbauen, die er dem hl. Petrus weihte. Als Ankunftsdatum Ruperts in Seekirchen wird das Jahr 696 angenommen. In jedem Fall kam er zuerst in den Raum Seekirchen, bevor er nach Salzburg weiterzog und St. Peter gründete.

Die Überreste eines Baus, der heute als die Kirche des hl. Ruperts angesehen wird, wurden bei Renovierungsarbeiten in der Stiftskirche im Sommer 1977 gefunden. Auf einer Länge von 14 Metern und einer Breite von vier Metern wurden unter dem Fußboden und Gestühl der aktuellen Kirche Überreste eines großen saalartigen Gebäudes entdeckt. Da keine Kleinfunde vorliegen kann man nur von Indizien ausgehen, dass es sich hier bereits um eine Kirche gehandelt haben mag. Der stichhaltigste Beweis könnte die Tatsache sein, dass die Ausrichtung des Baus in den Folgekirchen nicht mehr geändert wurde und seit dem Erstbau gleich blieb.

Nach 200 Jahren soll die erste Kirche einem Brand zum Opfer gefallen sein, eine Russschicht über dem Estrich des Baus lässt diese Vermutung zu.

Vorromanische Holzkirche

Nach der Zerstörung der ersten Kirche wurde an der selben Stelle eine neue Holzkonstruktion errichtet. Der einschiffige Saalbau war deutlich breiter als sein Vorgänger (7 Meter), aber mit 13,4 Meter etwas kürzer. Die Tragekonstruktion der Wände wurde aus 20cm starken Rundhölzern gebildet, die im Abstand von eineinhalb bis zwei Meter standen. Hinter dem Altar schloss noch ein Rechteckchor von 4x5 Meter an.

Warum an Stelle eines Mauerbaus eine Holzkirche errichtet wurde ist unklar. Üblich war diese Vorgehensweise nicht, meist wurden anfängliche Holzbauten durch Steinkirchen ersetzt. In Seekirchen mag dies mit den zahlreichen Kriegshandlungen der damaligen Zeit, vor allem den häufigen Ungarneinfällen, zusammenhängen.

Die Holzkirche war auf drei Seiten von einem Friedhof umgeben, die Gräber lagen zum Teil dicht an der Kirchenwand. Auch im inneren der Kirche fanden sich Gräber, die wohl Priestern oder Ordensleuten zugewiesen werden können.

Romanische Kirche

Im 12. Jahrhundert wurde der Holzbau durch einen wesentlich größeren, aus Bruchsteinen gemauerten Bau ersetzt. Wieder handelte es sich um eine einschiffige Saalkirche mit anschließendem Rechteckchor, nur diesmal war das Ausmaß des Hauptraumes bereits 18x9 Meter. Von dieser Kirche sind unter dem Fußboden der heutigen Kirche die Fundamente der Langhausmauern erhalten. Die romanische Kirche besaß bereits eine Sakristei, an der Westseite auch einen Glockenturm.

Die geringe Mauerstärke lässt den Schluss zu, dass es sich um eine Kirche mit hölzernem Flachdach gehandelt hat. Für die Kirche wurde das Gelände nach dem Abriss der Holzkirche eingeebnet und eine Lehmschicht von 20cm Stärke als Isolierung aufgebracht. Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche mit einem Ziegelboden versehen und eine Empore aus Holz eingebaut.

Die romanische Kirche fiel dem Neubau im Zeitalter der gotischen Erneuerung (15. Jahrhundert) zum Opfer. Sie wurde komplett abgerissen. Als einziges Zeugnis der Kirche überlebt bis heute das Kruzifix, das vermutlich am Triumphbogen angebracht war.

Gotische Kirche

Der Neubau als gotische Pfarrkirche im 15. Jahrhundert bildet den Grundstock der heutigen Stiftskirche. Nach dem Abriss der romanischen Kirche dauerte es rund ein halbes Jahrhundert, bis die neue Kirche bezugsfertig war. Zuerst wurde am 22. Mai 1443 die neu erbaute Krypta unter dem Altarraum dem hl. Ulrich geweiht. Der gotische Chor folgte ein Jahr später, am 21. Mai 1444. Bis zur Beendigung der Arbeiten am Langhaus vergingen dann allerdings weitere 30 Jahre, der Turm wurde wohl erst um 1480 fertiggestellt.

Das gotische Langhaus maß mit 19,4x11 Meter ein wenig mehr als sein romanischer Vorgänger. Chor und Langhaus waren in der gotischen Kirche durch einen stark einspringenden Triumphbogen getrennt, der 1852 abgebrochen bzw. in seine heutige Form gebracht wurde.

Die Krypta unter dem Chor ist eine typische Erscheinung der gotischen Salzburger Landkirchen. Sie dienten als Totenkammern und Begräbnisstätten und waren meist vom Friedhof aus erreichbar. Die Krypta war ursprünglich dem hl. Ulrich geweiht und wurde erst in neuerer Zeit als "Rupertusgruft" bekannt.

Barocke Veränderungen

Der Dachstuhl der Pfarrkirche wurde am 7. Juni 1669 durch einen Brand vollkommen vernichtet. Zwar wurde die Dachkonstruktion gleich wieder erneuert, dem Mauerwerk gönnte man allerdings nur die notwendigsten Reparaturarbeiten. 1672 schuf der Salzburger Bildhauer Jakob Gerold Figuren für einen neuen Hochaltar. Als eine knappe Dekade später am 28. März 1679 das Kollegiatstift Seekirchen eingerichtet wurde, ließ Fürsterzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg auch den Kirchenbau großzügig erweitern. Für die Umgestaltung zeichnet der in Salzburg ansässige italienische Architekt Giovanni Antonio Daria verantwortlich. An das gotische Langhaus wurden auf beiden Seiten schmale Seitenschiffe angebaut und die Mauern des Langhauses mit breiten Bogenöffnungen versehen. Die neue Dachkonstruktion überspannte alle drei Schiffe.

Am 1. Mai 1771 weiht Fürsterzbischof Schrattenbach vier neue Seitenaltäre ein.

1893 bis 1894 wird die Kirche unter der Regie von Josef Wessicken renoviert. Sein Baumeister ist Jakob Ceconi, der den gotischen Turm mit seitlichen Anbauten versieht und so besser an die Seitenschiffe anpasst.

Kunstdenkmäler der Kirche

Der ursprüngliche Schmuck romanischer und gotischer Kirchen in Salzburg fiel meist der späteren Umgestaltung zum Opfer. Einige Ausnahmen können auch für die Stiftskirche Seekirchen angeführt werden. Neben dem bereits erwähnten Holzkruzifix aus dem 12. Jahrhundert ist dies ein in Fragmenten erhaltener Flügelaltar aus der Zeit nach 1460, der heute im Salzburg Museum aufbewahrt wird. Gezeigt wird unter anderem die Enthauptung Johannes des Täufers. Drei Figuren des hl. Rupert, hl. Chuniald und hl. Gislar aus der Zeit um 1440 sind im Heimatmuseum Seekirchen ausgestellt.

1738 wurde ein neuer Hochaltar in Auftrag gegeben, der von den beiden Salzburgern Johann Georg Hitzl und Simon Thaddäus Baldauff realisiert wurde, heute aber nicht mehr erhalten ist. Hitzl war weiters für die Schnitzarbeiten an der Kanzel, sowie für einige Plastiken - unter ihnen Figuren des hl. Petrus und der hl. Magdalena, die heute den Hochaltar zieren.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche mit Seitenaltären von Wolfgang Hagenauer ausgestattet. Im 19. Jahrhundert wird sie mit Bildern und Malereien von Franz Zebhauser (Krypta) und Sebastian Stief (Kreuzweg, Altarblätter) oder Ludwig Mayer (Chorraum) renoviert.

Die aktuelle Innenausstattung der Stiftskirche stammt weitgehend der Zeit nach der barocken Neugestaltung. Das noch heute vorhandene Hochaltarbild von Clemens Beutler, das die Schlüsselübergabe an Petrus zeigt, stammt aus dem Jahr 1672. Der Hochaltar wurde hingegen bei den Renovierungsarbeiten 1893 durch einen neuromanischen ersetzt. Simeon Frieß wird die Madonna vom Siege (um 1700) zugeschrieben.

Bildergalerie

Quellen