Baderbach-Mühle

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Der Zugang zur Baderbach-Mühle
Baderbachmühle mit Bach
Baderbach-Mühle, westliche Ansicht
Baderbachmühle, Ostansicht
Blick ins Innere der Mühle

Die Baderbach-Mühle ist eine historische Mühle in der Flachgauer Gemeinde in Hof bei Salzburg.

Geschichte

Die ersten Vorläufer der in unseren Gegenden wieder zahlreich restaurierten und als Schaumühlen zeitweise in Betrieb befindlichen Gmachl-Mühlen sind die griechischen und römischen Wassermühlen aus den drei letzten vorchristlichen Jahrhunderten, von denen der griechische Dichter Antipatros von Thessaloniki (104 − 43 v. Chr.), der griechische Geograph Strabo (63 − 20 v. Chr.) und insbesondere der römische Ingenieur, Architekt und Schriftsteller Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio, 55 v. Chr. − 14 n. Chr.) berichteten. Die Verbreitung der Wassermühlen in Mitteleuropa erfolgte erst um ca. 400 n. Chr. Es ist erstaunlich, dass sich im Wesentlichen die von Vitruv beschriebene Konstruktion der römischen Wassermühlen bei den Bauernmühlen bis ins 20. Jahrhundert gehalten hat. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden für die großen Lohnmühlen (Mautmühlen) die Walzenmühlwerke eingeführt, wodurch die hauseigenen Mühlen zunehmend unrentabel wurden. Ein weiterer Grund hiefür ist der Rückgang der Getreideanbauflächen durch das Abgehen von der Selbstversorgung, vor allem im gebirgigen Land. In jüngster Zeit hat Alois Brandstetter mit seinem Roman „Die Mühle“ u.a. den Kampf der Müller mit dem Wasser im Verlauf der Geschichte eindrucksvoll geschildert.

Die Getreide-Mühle am Baderbach in Hof bei Salzburg − in der Nähe des Kreisverkehrs Baderluck über dem Wasserfall gelegen − stammt aus dem Jahre 1823 und befindet sich im Eigentum (je zur Hälfte) von zwei Bauern (Strumegg und Höfner). Zur Zeit der Errichtung der Mühle war sie zusammen mit einem Bauerngut (Strumegg), das über ein Mühlengemächtnis verfügte, im Eigentum des Erzstiftes St. Peter in Salzburg. St. Peter verwaltete als Grundherrschaft das Bauerngut samt Mühle durch sein grundherrschaftliches Amt in Seekirchen.

Bei dieser Mühle handelt es sich um eine so genannte Gmachlmühle, auch Gmachmühle oder Gemachmühle genannt. Die weit verbreitete Meinung, wonach die Bezeichnung „Gmachlmühle“ eine kleine Mühle betrifft, bei der die gesamte Mühleneinrichtung in einem einzigen Raum (Gemach) untergebracht wurde (wie es z. B. noch immer irrtümlich in der Beschreibung der so mustergültig renovierten Mühlen in Pfarrwerfen heißt) ist falsch.

Der Name „Gmachlmühle“ bezeichnet einen Rechtsstatus, weil in den Zeiten der Grundherrschaft (bis 1848) manche der untertänigen Bauern das Recht erhielten (Gemächtnis = Abmachung, Vereinbarung; Gemach = Ordnung, Gesetz), eine Mühle für sich allein oder gemeinsam mit mehreren anderen Bauern zu errichten und zur Deckung des eigenen Bedarfs zu betreiben. Der Gegensatz: Mautmühle, eine von der Grundherrschaft betriebene Mühle, bei der Bauern gegen Abgabe einer Maut (meist ein Teil des Mahlgutes) ihr Getreide mahlen lassen konnten. Es gab u.a. auch Gemachwege und Gemachzäune, die ebenso auf einer Abmachung mit der jeweiligen Grundherrschaft beruhten.

Die Mühle ist „zweigängig“, weil sie mit zwei Mahlgängen (Mahlwerken, auch Gossen genannt) ausgestattet ist. Der Antrieb erfolgt über ein oberschlächtiges Wasserrad, dem über eine Holzrinne ein Teil des Wassers des Baderbaches zugeleitet wird. Zum Betrieb eines Mahlwerkes sind ungefähr 150 Liter Wasser je Sekunde notwendig. Manche Mühlen dieser Bauart wurden auch als „Wolkenbruchmühlen“ bezeichnet, weil nur nach einem starken Regen genügend Wasser zum Antrieb vorhanden war. Die Leistung eines oberschlächtigen Mühlrades ist größer als die eines unterschlächtigen, weil nicht nur die Strömungsenergie, sondern vor allem die Schwerkraftwirkung des auf die Oberseite des Rades zugeführten Wassers auf die Schaufeln ausgenützt wird. Sie beträgt bei der Baderbachmühle etwa zwei bis vier Kilowatt. Die Bezeichnungen „ober-, mittel- oder unterschlächtig“ leiten sich vom Aufschlagen des Wassers auf die Schaufeln des Mühlrades ab. In der Mühle wurde bis in die 1960er-Jahre Getreide verschiedener Art gemahlen (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer). Die Kapazität der Mühle betrug etwa 150 kg Mehl in 24 Stunden.

In der Mühle waren noch im Jahre 2000 folgende Inschriften zu lesen: "Wolfgang Raudaschl hat das geschrieben 1847"; "Wolfgang Raudschl hat hier gemahlen am ...März 1857"; "Matthias N. (Familienname unleserlich) 1872"; "Franz Lohninger hat hier gemalt [sic!], 14 Tag 1871 und 1873"; "Johann Friembichler 1887" (Wegmacher); "Matth. Höfner 1901"; "Roither 1.10.1941"; "Pichler Josef 13.11.1950"; "Höfner Matthias 8.11.1957"; die letzte Eintragung lautet: "Höfner Johann 17.11. 1966".

Die Baderbach-Mühle wurde sehr geschickt im Gelände angelegt, weshalb die beim Baderbach oft als Wildbach vorbeistürzenden Fluten der Mühle nichts anhaben konnten.

Im Buch von Eva Maria Schalk: Die Mühlen im Land Salzburg, Salzburg 1986, sind noch 117 Mühlen beschrieben, darunter auch die Mühle am Baderbach in Hof (im Buch die Mühlen-Nr. 31), wo es auf Seite 84 heißt: „Sie wird von der Gemeinde renoviert und als Schaumühle Verwendung finden“. Bereits 1982 wurde die damals noch funktionsfähige Mühle auf 20 Jahre an die Gemeinde Hof bei Salzburg zwecks eventueller Nutzung für den Fremdenverkehr und lt. Bestandsvertrag mit der Auflage der Erhaltung verpachtet. Dieser Vertrag wurde jedoch nicht eingehalten. Die Mühle ist nun teilweise verfallen und nicht mehr betriebsfähig. Das Interesse an der Erhaltung dieses wertvollen bäuerlichen Kulturgutes ist leider verschwunden.

Vorbildlich restaurierte Mühlen, die zeitweise auch als Schaumühlen in Betrieb sind und damit zu Anziehungspunkten im Rahmen kultureller Veranstaltungen bzw. von Kulturwanderwegen geworden sind, kann man z. B. in Ebenau, Fuschl am See, St. Lorenz am Mondsee, Oberwang, im Freilichtmuseum Großgmain, in Seeham und in Thalgau, sowie insbesondere in dem mit dem "Salzburger Museumsschlüssel" ausgezeichneten "Freilichterlebnis 7 Mühlen" am Mühlbachl in Pfarrwerfen und vielen weiteren Orten innerhalb und außerhalb des Landes Salzburg besichtigen.

Weitere Bilder

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Quellen und Literatur

  • Brandstetter, Alois: Die Mühle, München 1981, S. 64-69.
  • Deutsches Rechtswörterbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften[1]
  • Gschwandtner, Martin: Gold aus den Gewässern, 2. Auflage München, Ravensburg, Norderstedt 2011, S. 22-23.
  • Gschwandtner, Martin: Die Wasserkraftnutzung im Wandel der Zeit. Von den Wasserrädern bis zu den modernen Turbinen. München, Norderstedt 2014, S. 107 -109.
  • Roither, Alois sen.(†): Recherchen und Angaben zur Mahlkapazität der Mühle und zu den Eigentumsverhältnissen.
  • Schalk, Eva Maria: Die Mühlen im Land Salzburg, Salzburg 1986, S. 7-13, S. 84.
  • Archiv Benediktiner-Erzabtei St. Peter: Amt Seekirchen, 215, fol. 359.
  • Tourismusverband Hof bei Salzburg (Hg.): Hofspur, Hof bei Salzburg 2005, S. 27-28.
  • Tourismusverband Pfarrwerfen in Prospekt: Einzigartiger Mühlen-Erlebnisweg. Vom Korn zum Brot, der Bauer als Müller.
  • Vitruv: DE ARCHITECTURA LIBRI DECEM, zehn Bücher über Architektur. Übersetzt und durch Anmerkungen und Zeichnungen erläutert von Dr. Franz Reber. Wiesbaden 2004, nach der Ausgabe Berlin 1908, S. 351-356.
  • Mit den Bildern der Mühle und der Landschaft von Hof bei Salzburg bereicherte Franz Fuchs aus Thalgau diesen Artikel.

Einzelnachweise