Eisförderung zur Bierkühlung im 19. Jahrhundert

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Arbeiter "schlitzen" für den späteren Einsatz von Dynamit den "Sommergletscher" beim Birnbachloch auf. "Münchner Illustrierte Zeitung" 1897.
Die rund 1 600 m lange Holzrutsche für den Abtransport der Eisblöcke.

Die Eisförderung zur Bierkühlung im 19. Jahrhundert war ein bedeutender Wirtschaftszweig im Pinzgau.

Lawineneis für die bayerische Bierkühlung

Im 19. Jahrhundert versorgten sich bayerische Brauereien mit Lawineneis aus dem Pinzgau. Tonnenweise wurde am Fuße des Birnhorns (2 634 m ü. A.) in den Leoganger Steinbergen in Leogang das Eis des Birnbachlochgletschers der von der Natur zu Eis umgewandelte Lawinenschnee mit der Eisenbahn nach München transportiert. Dort diente das Eis in den großen Brauereien für die Kellerkühlung im Sommer. Interessant ist die Tatsache, dass der unterirdische Abschmelzprozess in den Bierkellern auch in heißen Sommern erstaunlich lang dauert. So konnten Tausende Fässer Bier bis in den Herbst hinein gekühlt werden. „Wenn Eis in großen Blöcken ohne Sonnenlicht und ohne Zustrom von warmer Luft gestapelt wird, dann dauert es relativ lang, bis es zerfließt und verschwindet. Und die Lufttemperatur bleibt bis zum letzten Block immer knapp über dem Gefrierpunkt, also ideal für die Bierkühlung.“ erklärte Alois Schwaiger, Lokalhistoriker in Leogang, dem ORF Salzburg.

Schwaiger erzählte auch von dieser heute fast vergessenen abenteuerlichen Eisförderung im 19. Jahrhundert am Fuße des Birnhorns. Auf alten Bildern sieht man das Eisfeld am Fuß der Birnhorn-Südostwand, in das zuerst Schlitze der Länge nach geritzt wurden. Anschließend sprengte man das Eis mit Dynamit, die gesprengten Blöcke wurden zerkleinert und über eine mehr als 1 600 Meter lange hölzerne Rutsche ins Tal gebracht. Am Ende dieser Rutsche wurden die Eisblöcke auf Pferdefuhrwerke verladen, die sie zu einer eigens dafür eingerichteten Eisenbahn-Haltestelle brachten, die "Leogang-Steinberge" hieß. Sie war noch bis weit ins 20. Jahrhundert in Betrieb. Mehr als 140 Arbeiter waren so am Fuß der 1 600 Meter hohen Südostwand des Birnhorns tätig.

Der entscheidende Faktor, weshalb man vom Birnhorn das Eis nach München holte, war die günstige Lage an der damals so genannten Giselabahn, heute Teil der Salzburg-Tiroler-Bahn. Sie war 1875 fertiggestellt worden. Die auch damals schon leistungsstarken Dampfloks zogen die mit dem Leoganger Eis beladenen Züge über Kufstein und Rosenheim in die bayerische Hauptstadt. Diese günstige Verkehrslage war der entscheidende Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Dörfern in den Hohen Tauern oder Zillertaler Alpen, die noch viel größere Gletscher, aber eben keinen so nahen Bahnanschluss hatten.

Eis war damals deshalb so wichtig, weil es noch keine Kühlschränke oder Kühlkammern wie heute gab. Wohl meldete der deutsche Techniker Carl von Linde 1873 seine revolutionäre Kälte-Kompressormaschine zum Patent an. Aber erst um 1900 war man technisch in der Lage, in den Ballungszentren die elektrisch betriebenen, bis heute in ähnlicher Form funktionierenden Linde-Systeme zu betreiben.

Die Literaturwissenschafterin Monika Damisch aus Bozen (Südtirol) hatte dem ORF dazu geschrieben, dass in Südtirol so genannte „Eiskästen“ in Privathaushalten noch bis in die späten 1950er-Jahre in Betrieb waren. Man konnte sich Eisblöcke in Ledertaschen vom Biergroßhändler holen. Gesagt wurde, dass das Eis aus Gletschergebieten in der Ortlergruppe stammte. "Ich hab’ als Kind immer über die Eisblöcke geleckt und versucht, die Zunge festfrieren zu lassen, kein leichtes Unterfangen im sommerlich heißen Bozen."

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Quellen