Sprechende Häuser

Aus Salzburgwiki
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Sprechende Häuser ist ein Angebot von sieben weiblichen und einem männlichen Stadtführer in der Salzburg.

Die Idee

Im August 2011 wurde für das Steingassenfest in der Steingasse in der Salzburger Altstadt die Idee der "Sprechenden Häuser" geboren. Erwähnte acht Stadtführer beschlossen, den Gästen des Steingassenfestes die ehrwürdigen und geschichtsträchtigen Häuser einer der ältesten Gassen Salzburgs nicht nur von außen, sondern auch von innen zu zeigen.

Seither werden jedes Monat am dritten Samstag Häuser in der Altstadt besichtigt.

Dauer und Kosten

Eine solche Besichtigung dauert etwa zwei Stunden und kostet € 10.-- pro Person.

Termine

Jeden dritten Samstag im Monat, jedoch nicht in den Sommermonaten Juli und August (mit Ausnahme während dem Steingassenfest).

Beispiele von Besichtigungen


Sprechendes Haus Steingasse Nr. 31

Robert Jungk und das Salzburger Steingassenfest 2013, ein journalistischer Beitrag von Peter Krackowizer

Schon zur Römerzeit, also vor gut 2 000 Jahren, rumpelten Karren über das holprige Pflaster der engen Steingasse aus dem Süden in die Stadt Salzburg. Damals hieß die Stadt Juvavum. Heute findet in dieser vielleicht ältesten noch bestehenden Straße Salzburg alljährlich im Sommer das Steingassen-Fest statt. Doch dieses bildet für diese Geschichte nur den Anlass, nicht aber den Inhalt.

Geht man vom Platzl kommend in die Steingasse, gelangt man zum „Das Kino“, wo gerade eine Musikgruppe Pause machte. Nach einigen Metern die erste Steingassen-Freiluftbar. Man erreicht das „innere Steintor“ – das „äußere Steintor“ steht nicht mehr, es erinnert der „Äußere Stein“ an das Gebiet, in dem es stand. Nach dem Steintor gab es die nächste Musik- und Labe-Station. Dort steht auch das „Maison de Plaisir“, ein altes Salzburger Bordell. Beim Steingassenfest war es als „sprechendes Haus“ auch für Nichtzahler geöffnet. Über € 170.-- müssen die „Unternehmerinnen“ pro Tag und Zimmer an den Betreiber abliefern, erzählte die Salzburger Stadtführerin Heidi Hochriesser den wartenden Besuchern. „Sprechende Häuser“ ist seit Jahren ein Angebot der Salzburger Stadtführer, die dabei in kurzen Führungen die Geschichte von alten Häusern in Salzburg erzählen.

Zukunftsforscher und Weihnachtslied
In der Steingasse könnte jedes Haus eine Geschichte erzählen: das Lanz-Haus, das Lueger-Haus, das Hafner-Haus, auch das Haus Steingasse Nr. 31. Dieses fällt schon deshalb auf, weil zum ihm eine steile Treppe hinaufführt, dessen Gartentor stets verschlossen ist. Neben der Stiege ragen Bäume in die Steingasse und schaut man bergwärts – zum Kapuzinerberg – so erscheint einem diese schmale Unterbrechung der Häuserflucht an der Steingasse als romantischer Winkel. Beim Steingassen-Fest war die Gartentüre nicht versperrt und man konnte hinauf zum Haus Nr. 31 steigen.

Die eine Geschichte dieses Jahrhundertealten Hauses, an einer Türe steht die Jahreszahl 1554, ist die von Joseph Mohr. Denn obwohl ein kleines Museum im Haus der Steingasse Nr. 9 daran erinnern sollte, dass dies das Wohnhaus Mohrs gewesen sei, ist mit großer Wahrscheinlich aber das Haus Nr. 31 das wahre Wohnhaus des Dichters des Textes des weltberühmten Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!‎“. Doch das ist eine eigene Geschichte.

Die andere Geschichte handelt vom Schriftsteller und Zukunftsforscher Robert Jungk, der 25 Jahre im vierten Stock dieses Hauses lebte. Auf Empfehlung seines Künstlerkollegen Oskar Kokoschka übersiedelte er 1969 nach Salzburg. Jungk war bereits vor dem Krieg in Salzburg gewesen und schrieb am 7. Mai 1933 „…hier [Salzburg] könnte ich zu Hause sein…“. Nun, im Haus Nr. 31 bewohnte er mit seiner Frau Ruth die oberste Wohnung, zu der bereits damals ein Lift führte (!) und er hatte auch einen Garten hinten hinaus zum Kapuzinerberg. Nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt arbeitete im Haus des ehemaligen Café Corso neben dem Mozartsteg.

Seine Frau Ruth war nicht sehr beliebt bei den Salzburgern, da sie eine schwierige Person war. So erzählt man sich, dass Taxifahrer nur mehr auf freiwilliger Basis Ruth Jungk fuhren. Eine andere Anekdote schildert, dass Robert Jungk einst während eines Vortrags die Polizei zur Entfernung einer Person in der letzten Reihe seiner Zuhörer rief. Diese Person störte anhaltend durch Zwischenrufe und Provokationen seinen Vortrag. Diee Person war – seine Frau gewesen!

“Langhaarige Affen“ und Bruno Kreisky’s Sohn demonstrierten mit Robert Jungk
Als der amerikanische Präsident Richard Nixon 1972 Salzburg besuchte, verzögerte sich seine Landung am Flughafen Salzburg um eine halbe Stunde. Grund waren Demonstranten, die gegen Nixon’s Atomwaffenpolitik demonstrierten. Von gut 2 500 Demonstranten, die man in der Presse als „langhaarige Affen“ bezeichnete, die vom Alten Markt losgezogen waren, erreichten rund 200 das Rollfeld. Unter ihnen Robert Jungk, der ein Auge auf seinen herzkranken Sohn werfen wollte, der ebenfalls demonstrierte, und Peter Kreisky, Sohn des österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky. Peter Kreisky überstand die Demonstration unbeschadet, was sein Vater mit nur einem Wort kommentierte: „Schade!“. Und Robert Jungk musste Bruno Kreisky am nächsten Tag die Hand schütteln, bei einem offiziellen Empfang. Allerdings führte das Demonstrationsverhalten von Jungk dazu, dass er niemals mehr als Gastprofessor an die Universität Salzburg berufen wurde.

Dafür kandidierte Jungk 1992 im Alter von 80 Jahren bei der Bundespräsidentenwahl. Zwar wurde er nicht gewählt, aber er erreichte in Salzburg nach 150 Tagen des Wahlkampfs und 100 Reden 12,2 % der Wählerstimmen (Österreichweit waren es 5,7 %).

Diese unterhaltsam vorgebrachte Geschichte des Hauses Steingasse Nr. 31 hörten die Besucher aus dem Munde von Susanna Ihninger-Lehnfeld, einer Salzburger Stadtführerin, die gebürtige Wiener ist. Man sah sie später in einem anderen Haus, wieder mit einer Gruppe Salzburger, verschwinden – in einem „sprechenden Haus“. Das war auch eine Facette des Steingassenfestes und es hätte noch mehr Häuser gegeben, über deren Geschichte an diesem Tag „gesprochen“ wurde.

Weblinks

Quellen