Getreidegasse

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Bild
Getreidegasse.jpg
Getreidegasse
Länge: ca. 350 m
Startpunkt: Rathausplatz (Stadt Salzburg)
Endpunkt: Bürgerspitalgasse
Karte: Googlemaps
In der Bildmitte der Verlauf der Getreidegasse.
Die Getreidegasse am 24. Jänner 1924.
Die Getreidegasse nach dem Höhepunkt der Coronapandemie Anfang Juni 2020.
Das Hotel "Goldener Hirsch" an der Getreidegasse.
Das Hagenauerhaus, bekannt als Mozarts Geburtshaus. Im Erdgeschoß sieht man das Geschäft Stranz & Scio.
Der historische Wandarm der Firma L. Ornstein, Nachfolger war Mühlberger Bekleidung, heute Zara, Getreidegasse 24.
Die leere Getreidegasse Richtung Norden, April 2020
Die leere Getreidegasse, Richtung Süden, April 2020

Die Getreidegasse ist eine der wichtigsten ehemaligen Siedlungs- und Handelsstraßen in der Altstadt von der Stadt Salzburg und seit Beginn der Salzburger Festspiele in den 1920er-Jahren die berühmteste Einkaufsstraße der Stadt Salzburg.[1]

Name

Im Mittelalter wurde die Straße erstmals 1150 als Tra-, Trau- oder Trab(e)gasse“ erwähnt[2]. Das Wort leitet sich nicht von 'Getreide' oder 'treideln' ab, sondern vom Dialektausdruck es trabig haben, in Eile sein. Vermutlich wurde aus Trabe-, Trab- oder Trav-Gasse später Tragasse, Traidgasse, Getreidgasse und schließlich Getreidegasse. Ein Hinweis auch darauf, dass sich diese Straße im Hochmittelalter zu einem bedeutenden Verkehrsmittelpunkt und Handelsplatz entwickelt hatte.

Verlauf

Die Getreidegasse führt in Ostwestrichtung beginnend beim Kranzlmarkt im Osten, vorbei am südlichen Rand des Rathausplatzes geradeaus nach Westen, das Südende des Hagenauerplatzes passierend bis zur Bürgerspitalgasse im Westen. Sie ist 350 Meter lang.[3]

Charakteristik

Für die Getreidegasse charakteristisch sind

  • der gerade Ostwestverlauf,
  • die hohen, historischen Bürgerhäuser mit bis zu sechs Stockwerken und dem typischen Salzburger Grabendach,
  • die vielen Durchhäuser, die heute als Passagen und Durchgänge zur Griesgasse und zum Universitätsplatz dienen,
  • mehrere kleine Innenhöfe, in denen über Treppenhäuser und Arkadengänge der Zugang zu den einzelnen Wohnungen erfolgt(e),
  • die zahlreichen schmiedeeisernen Wandarme mit noch heute teilweise alten Zunftzeichen sowie alten oder modernen Firmenschildern an den Fassaden der Bürgerhäuser.

Durch Umbauten der Erdgeschossfassaden haben allerdings viele Fassaden ihren ursprünglichen Charakter verloren und erhielten moderne, helle Glasfassaden. Um- und Rückbauten beschäftigen die Stadtpolitik und auch Gerichte seit den 1980er-Jahren. Seither sind auch viele Geschäften an der Getreidegasse verschwunden, die über Jahrhunderte oder wenigstens Jahrzehnte das Bild dieser Gasse prägten. Dazu zählte die Wiener Bäckerei, die einem Nordsee-Geschäft weichen musste oder das über 100 Jahre bestandene Geschirrgeschäft Roittner.

Geschichte

Diese uralte Gasse war bereits zur Römerzeit ein bedeutender Verkehrsweg und einzige Verkehrsader durch die Stadt. Dieser Verkehrsweg führte über Mülln nach Westen durch das heutige Liefering am heutigen Schloss Kleßheim vorbei nach Bayern sowie über die Salzach und durch die Steingasse nach Süden. Bis in die Regierungszeit von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau blieb sie die einzige Verkehrsader durch die Stadt in Richtung Bayern.

Im 14. Jahrhundert bekam Salzburg das Stapelrecht. Die durchreisenden Kaufleute boten am Waagplatz 1 und im Niederleg-Hof an der Getreidegasse 18–22 (im Niederlags-Durchhaus) ihre Waren an. Gereinigt wurde die Getreidegasse im Mittelalter einmal wöchentlich durch das Aufstauen des Almkanals und anschließendem kurzzeitigen Fluten der Gasse, wodurch die Gasse ausgeschwemmt wurde.

Zu sehen sind auch heute noch zahlreiche Wandarme, die Zunftzeichen zeigen, wenn auch schon gemischt mit modernen Geschäftsschildern internationaler Boutiquen und Geschäftsketten.

Gebäude

Persönlichkeiten

Mitten in der Getreidegasse liegt das Hagenauerhaus (Getreidegasse 9), in dem 1756 Wolfgang Amadé Mozart zur Welt kam. In Mozarts Geburtshaus ist ein Museum eingerichtet, das Touristen aus aller Welt anlockt. Neben der Kaufmannsfamilie Hagenauer prägte auch die Kaufmannsfamilie Scio die Getreidegasse. Weitere Persönlichkeiten waren Joachim Ferdinand von Schidenhofen, hochfürstlich-salzburgischer Hofrat sowie Landschaftskanzler und mit der Familie Mozart befreundet oder der Hofkapellmeister Heinrich Ignaz Franz Biber.

Geschäfte

Als ehemalige Hauptverkehrsstraße - noch in den 1950er-Jahren fuhr der Obus durch die schmale Gasse - war die Getreidegasse im 20. Jahrhundert immer von zahlreichen eingesessenen Firmen besiedelt. Große Modehäuser wie das Textilhaus Thalhammer oder Mühlberger, Schuhmode von Tagwerker oder Denkstein, die traditionsreiche Drogerie der Familien Zezi-Arrigler und Julius Haagn im Zezihaus, dem heutigen "Schöpshaus", die Eisenwarenhandlung Roittner oder das Spielwarengeschäft Neumüller prägten das Bild. Berühmt und beliebt waren die Produkte der Wiener Bäckerei gewesen. Man musste manchmal Geduld in der Warteschlange mitbringen, um an die begehrten Bäckereien, wie an Windräder, Nussschnecken oder Golatschen dieses Hauses zu gelangen. Heute sind von den Traditionsbetrieben nur noch wenige erhalten, unter ihnen die Apotheke zum goldenen Biber oder die Spirituosenhandlung Sporer. Mitte der 1980er-Jahre drängte mit McDonalds die erste internationale Kette in die Getreidegasse. Es folgten u. a. noch zwei Nordsee-Geschäfte.

Spätestens mit der Entstehung der Einkaufszentren am Stadtrand von Salzburg, wie dem Europark oder der Shopping Arena an der Alpenstraße, hatte ein Wandel im Branchenmix der Getreidegasse eingesetzt. Einheimische Familienbetriebe wichen großen Markennamen. Wobei die kritische Anmerkung gestattet sei, dass internationale Marken in allen Großstädten der Welt anzutreffen sind und somit Salzburg austauschbar wird. Auch verliert die Getreidegasse mit der Internationalität wohl auch ihren besonderen Flair, der eben ihren Reiz ausgemacht hatte.

2022: Immer mehr leerstehende Geschäftslokale

Die Coronapandemie hatte auch für die vor allem auf internationales Publikum angewiesenen Geschäfte Auswirkungen gehabt. Die Firma Biogena zieht mit einem Shop in eine Ende 2021 geschlossene Bank-Austria-Filiale ein. Und auch in das Ende 2019 geschlossene ehemalige Denkstein-Haus soll nun nach mehr als zweieinhalb Jahren wieder Leben einziehen: Das Modelabel Hugo Boss will dort im Herbst 2022 - im bis dahin umgebauten und mit einem Lift ausgestatteten zweistöckigen Geschäftslokal - einen Flagshipstore eröffnen. Für das bestehende Hugo-Boss-Geschäft im Rathaus wird unterdessen ein Nachmieter gesucht, da dort der Modekonzern ausziehen wird. Die etwas mehr als 120 Quadratmeter große Geschäftsfläche ist jedoch nur ein Geschäftslokal, das auf neue Mieter wartet. Nur wenige Meter weiter befindet sich ein auf Jeans spezialisiertes Geschäft, für das ebenfalls ein Mieter gesucht wird. Ein weiteres leerstehendes rund 70 Quadratmeter großes Geschäft gab es im Juni 2022 zwischen einem Juwelier und einem Textilhändler in der Getreidegasse. Die Kaltmiete beträgt knapp 5.200 Euro.

Nach wie vor ein Mieter gesucht wird zudem für ein 217 Quadratmeter großes früheres Outdoor-Modegeschäft, das sowohl von der Griesgasse als auch über ein Getreidegassen-Durchhaus zugänglich ist. Die Miete wird mit knapp 9.800 Euro angegeben. Für einen 50 Quadratmeter großen ebenfalls zu habenden Verkaufsraum am Rathausplatz liegen die Mietpreisvorstellungen des Vermieters hingegen bei fast 14.000 Euro - was 275 Euro pro Quadratmeter entspricht. In der Annonce werden das "ausgezeichnet sichtbare Auslagenfenster" und die Lage an der "wichtigsten Touristenroute" in unmittelbarer Nähe zu Mozarts Geburtshaus angepriesen.

Auch wenn die Mietpreise mit der Pandemie insgesamt gesunken sind, seien es "Nuancen", die über die erzielbaren Mieten entscheiden, sagt Immobilienmaklerin Karin Fuchs von Hölzl &amps; Hubner Immobilien. "Ein paar Meter nach vorn oder ein Sidestep machen da schon einen Unterschied", erklärt sie. Zudem spiele auch die Schaufenstergröße eine Rolle und je größer die Geschäftsfläche, umso weniger hoch ist der Quadratmeter-Mietpreis.[4]

Caféhäuser

Sowohl in der Getreidegasse selbst als auch in angrenzenden Durchhäusern fanden und finden sich traditionsreiche Salzburger Caféhäuser:

Oberflächengestaltung im 21. Jahrhundert

Die Stadt Salzburg hatte 1975 einen Ideenwettbewerb zur Gestaltung der damals neuen Fußgängerzone gestartet. Erst 40 Jahre später, 2015, begann man, die Getreidegasse zu pflastern. Anlass zur neuen Oberflächengestaltung gab allerdings der 145 Jahre alte Kanal im Untergrund, der dringend erneuert werden musste. Die Getreidegasse wurde vom Frühjahr 2015 bis zu den Festspielen im Sommer 2017 einer Komplettsanierung unterzogen. Im Untergrund wurden sämtliche Leitungen – Fernwärme, Kanal und Wasser – erneuert. Außerdem hielt neueste Kommunikationstechnik Einzug in die Salzburger Altstadt. Bis 2017 verliefen die Kabel der Telekom von einem Dachboden zum nächsten. Nun liegt eine Lichtwellenleitung unter der Getreidegasse.

Die Gestaltung gab der Amtsbericht ganz exakt vor: Zum Einsatz kamen „Granitvollsteine mit mittelkörnigen Einschlüssen“, die Steine sind 24, 32 und 45 Zentimeter breit. Es wurden höchstens 40 Meter der Getreidegasse am Stück aufgegraben, ein eineinhalb Meter breiter Durchgang wurde immer offengehalten.

In einer ersten Bauphase wurde die Gasse vom Kranzlmarkt bis zum Haus Getreidegasse 16 in Angriff genommen, wo unterirdisch der Almkanal verläuft. Zunächst wurden Abwasserkanal und Leitungen ausgetauscht, zur Festspielzeit von Mitte Juli bis Ende August 2015 war eine Grabungssperre angeordnet. Der erste Bauabschnitt wurde im Frühjahr 2016 gepflastert.

Die zweite Bauphase betraf den westlichen Bereich der Gasse bis zum Bürgerspitalplatz. Dort wurde analog zur ersten Phase vorgegangen. Das Ende der Arbeiten war mit Festspielbeginn 2017.

Nach etwas mehr als zwei Jahren Bauzeit, 5 000 Quadratmeter verlegten Pflastersteinen und mehr als 40 Informationsveranstaltungen ist die neue Getreidegasse seit Juli 2017 fertig. Insgesamt hatte die Salzburg AG in der Getreidegasse zwei Kilometer Rohrleitungen und Kabel verlegt. 3,2 Millionen Euro waren dafür aufgewendet worden. Die Kosten für Kanalbau, Pflasterungsarbeiten und die öffentliche Beleuchtung hatte die Stadt Salzburg übernommen. Auch sie investierte 3,2 Millionen Euro. Insgesamt sind das 6,4 Millionen Euro auf einer Länge von 350 Metern, das entspricht 18.286 Euro pro Laufmeter. Allerdings muss man hier anmerken: Auch die Arbeiten in der Bürgerspitalgasse, am Alten Markt und Kranzlmarkt sowie in den umliegenden Gassen sind in diesen Kosten miteingerechnet.[5]

Sonstiges

Eines der bekanntesten Hotels der Stadt, das Hotel Goldener Hirsch, befindet sich im Haus Getreidegasse 37.

Seit 2018 gibt es die Sound of Music World, ein Museum auf den Spuren von Sound of Music. Es befindet sich Haus Getreidegasse 47.

Nicht nur in seinem Geburtshaus ist Wolfgang Amadé Mozart präsent. Er war es auch im Miracle-Wax-Museum (2004–2009, wieder geschlossen), in welchem nicht nur sein Leben, sondern auch sein Umfeld so authentisch wie möglich dargestellt wurde.

Ferner gibt es noch die Marionettenfrau. Die Dame mit den braunen Haaren und den blauen Augen steht seit mehr als 25 Jahren, je nach Wetterlage, in der Getreidegasse selbst oder am Rathausplatz (Stadt Salzburg), stets in Landestracht (Dirndl) gekleidet und verkauft Marionetten. Desgleichen sind hier auch Patricio und Jeanette Vargas Arias, welche seit vielen Jahren gemeinsam an ihrem Schmuckstand - an der Ecke Getreidegasse-Hagenauerplatz (gegenüber von Mozarts Geburtshaus) arbeiten.

Haltestellen öffentlicher Verkehr in der Nähe

Erreichbarkeit

Nächste Haltestelle

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Bildergalerie

Gedenktafel und Stolpersteine

weitere Bilder

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 Getreidegasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

Weblink

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Getreidegasse"

Einzelnachweise

  1. Quelle Einleitung im Buch Die Getreidegasse
  2. "Die Getreidegasse (Buch 1)", Seite 11 (siehe Quellen)
  3. Längenmessung im digitalen Stadtplan von Salzburg, siehe maps.stadt-salzburg.at
  4. www.sn.at, 20. Juni 2022
  5. Quelle salzburg24.at, abgefragt am 26. Oktober 2017