Tändlerei

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Tändlerei 2012
Die Tändlerei im Mai 2016.
Die Tändlerei im Oktober 2019.

Das ehemalige Geschäft namens Tändlerei befindet sich in der Steingasse 33 in der rechtsufrigen Altstadt der Stadt Salzburg.

Etymologisches

Tändlerei leitet sich von „Tand“, in der Bedeutung von tant = leeres Geschwätz, Possen, Spielzeug ab. Die Wortherkunft ist unklar, scheint aus dem Spanischen entlehnt zu sein – spanisch tanto „Spielgeld“(?). Die Bezeichnungen tändeln und Tändelei sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt.

Geschichte

Nach den Ausführungen von Rudolph Klehr über die Steingasse waren im Haus 33, das 1406 erstmals erwähnt wird, verschiedene Weber tätig: um 1800 der Weber Gruber, 1858 heißt es Weber-EsterleEsterle-Haus. Im 20. Jahrhundert war eine Ausspeiserei – heute würde man Kantine sagen – hier zu finden, die Mathias und Maria Aistleitner vor dem Ersten Weltkrieg führten. In diesem Lokal befand sich während des Zweiten Weltkriegs die Milchhandlung Klingseis, wo man die wegen ihrer Farbe auch „blaue Adria“ genannte Magermilch beziehen konnte. Zuletzt war im Haus Nummer 33 eine Tändlerei, ein Kramer-Laden, untergebracht. Erst führte Georg Hartl das Geschäft, auf ihn folgte Markus Aufleger, der es bis 1984 aufrecht hielt.

Was heute von dieser Lokalität übrig ist, ist die Fassade mit dem ehemaligen Geschäftseingang. Seit Jahren ist das altertümliche Geschäftsportal ein begehrtes Fotomotiv und ein Objekt für mehr oder weniger ambitionierte Graffitikünstler.

2019: Die TÄNDLEREI - ein verlassener Ort als Blickfang

Ein Beitrag von Daniele Pabinger in der Serie "Kulturklauberin" in den Salzburger Nachrichten in der Ausgabe vom 25. Oktober 2019

Das historische Haus mit dem Schild "Stein Gasse 33" verfällt zusehends. Der Putz hat sich schon an vielen Stellen gelöst. Blickfang ist aber immer noch das alte Geschäftsportal mit dem Schriftzug TÄNDLEREI. Die Rollläden wurden vor mehr als drei Jahrzehnten heruntergelassen, der nostalgische Charme ist geblieben.

Zum Reiz des verlassenen Ortes trägt auch die Geschäftsbezeichnung bei: Unter einer Tändlerei ist so etwas wie ein Altwarengeschäft oder Trödelladen zu verstehen. Das Wort leitet sich von Tand ab, was soviel wie unnützes Zeug bedeutet. Auch vom Tändler oder der Tandlerin ist heute nur mehr selten die Rede. In Mundartausdrücken wie "umadumtandeln" hat sich der Begriff aber erhalten. Dabei geht es darum, sich spielerisch mit etwas zu beschäftigen, das scheinbar nutzlos ist - oder halt (zu) viel Zeit braucht.

In der Steingasse 33 wird seit Ewigkeiten nicht mehr getandelt. Erwähnt wird die Tändlerei in alten Salzburger Zeitungen erstmals in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Um 1900 hingegen dürfte am gleichen Standort eine "Ausspeiserei" bestanden haben, 1938 ein "Speisehaus". Das Portal ist auf alle Fälle alter als die Tändlerei.

Spuren von Graffiti-Sprayern finden sich zuhauf auf dem Geschäftsportal. Einen auffälligen Akzent hat jedoch das Straßenkunst-Duo JANA & JS mit ihrem Motiv gesetzt: Eine sitzende junge Frau in Rückenansicht schaut in Richtung der ehemaligen Auslage. Ihr rotes, rückenfreies Kleid sorgt für einen Farbtupfer auf der verwitterten Fassade. Die Arbeit von JANA & JS auf dem Tändlereiportal besteht schon seit einigen Jahren, wurde heuer aber erneuert. Wer durch die Straße flaniert - und etwas Zeit zu vertandeln hat - kann sich an dem Zusammenspiel von alt und neu erfreuen. Zum beliebten Fotomotiv ist das Sujet längst geworden.

Weitere Motive des Künstlerpaars JANA & JS - sie gebürtige Salzburgerin, er Franzose - sind auch am Haus Gaswerkgasse 3 zu sehen oder entlang des Wanderwegs auf den Nockstein in Koppl.

Quellen