Tauerntunnelbrand 1999

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Der Tauerntunnelbrand 1999 ereignete sich am 29. Mai 1999 im Tauerntunnel (Tauernautobahn) nach einem folgenschweren Auffahrunfall.

Hergang

Um 04:50 Uhr Nachts prallt ein Lkw, der Stückgut aus Italien über die Alpen nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein Pkw wird 25 Meter mitgeschleift, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere Autos werden zermalmt und unter einen mit 24 000 Dosen Spraylack beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter zusammengequetscht.

Ausfließender Treibstoff führt zu Explosionen. Eine bis zu 1 200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.

Die Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die Freiwillige Feuerwehr Zederhaus rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen gelangen dort unverletzt ins Freie.

Um 21:45 Uhr heißt es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten 2 432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage später ist aber klar, dass der Unfall zwölf Tote gefordert hat: Acht Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des Lkw - ein Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49 weitere Menschen werden verletzt.

Am 4. Juni sind alle Wracks, 16 Lkw und 24 Pkw, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno schließen Gerichtsmediziner am 23. Juni die Identifizierung der Opfer ab. Der Lkw-Lenker, der den Unfall verursacht hatte, wird am 29. September 2000 am Landesgericht Salzburg zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt: Zwei Jahre, davon drei Monate unbedingt.

2019: 20 Jahre Brandkatastrophe im Tauerntunnel

Mehr als 100 Menschen gedachten am Mittwochnachmittag, den 29. Mai 2019 in der Autobahnkapelle nahe des Nordportals der zwölf Toten der Katastrophe.

"Es gibt Ereignisse, da weiß man ein Leben lang, was man an diesem Tag gemacht hat", sagte Thomas Oberreiter, Bürgermeister von Flachau. Und der 29. Mai 1999 sei für ihn einer dieser Tage: Zwölf Menschen verloren bei der Brandkatastrophe im Tauerntunnel ihr Leben. Am Mittwochnachmittag gedachten anlässlich des 20. Jahrestags der Tragödie mehr als 100 Menschen der Opfer in der Autobahnkapelle, einige Hundert Meter vom Nordportal des Tunnels entfernt. "Auch wenn die Zeit alle Wunden heilt, ganz kommt man nie darüber hinweg."

Viele der Helfer von damals - Freiwillige des Roten Kreuzes und der Feuerwehren aus Zederhaus und Flachau - erinnerten sich am Mittwoch an den schwierigen Einsatz zurück. "Wenn du das auffrischst, tauchen die schrecklichen Bilder wieder auf", sagte Christof Unterkofler. Der Großarler war damals Pongauer Bezirksfeuerwehrkommandant und stellvertretender Landesfeuerwehrkommandant. Er leitete den Einsatz der Feuerwehr bei der Tunnelkatastrophe. "Wir haben von Anfang an versucht, dass wir so viel wie möglich helfen und retten, obwohl wir im ersten Moment sehr hilflos waren."

Pfarrer hatten Tragödie überlebt

Geleitet wurde die Gedenkfeier von den Pfarrern aus Flachau und Zederhaus sowie zwei Geistlichen aus Deutschland: Michael Harrer und Anton Schatz. Die beiden Bayern entkamen vor 20 Jahren selbst nur knapp den Flammen. Sie saßen in einem der vier Autos, auf die der Unglücks-Lkw aufgefahren war. Vor den Pkw stand jener Lkw, der mit mehr als 20 000 Lackdosen beladen war - der damalige Lenker, Dietmar Leitner aus Wels, kam ebenfalls zur Veranstaltung. Man frage sich im Leben oft, warum das Schicksal einen treffe, meinte Pfarrer Schatz während der Feier. "Seit dem 29. Mai 1999 stelle ich mir die Frage oft anders herum: Warum nicht ich? Eigentlich gehören wir zu den zwölf Namen auf der Gedenktafel", sagte Schatz zu Harrer, mit dem er damals im Auto saß.

Zehn Jahre den Tunnel gemieden

Zu den Gästen zählten auch Überlebende, darunter Hermann und Irmgard Strell aus Teisendorf. Sie fuhren damals mit ihrem Wagen - im Auto saßen auch die Tochter und eine Nichte - unmittelbar hinter dem Lkw, dessen Lenker auf den Stau im Tunnelinneren aufgefahren war. Es stehe fest, dass sie nie wieder durch die Röhre fahren würden, sagte Strell am Tag der Katastrophe den Salzburger Nachrichten. Dabei blieb es dann doch nicht. "Wir sind zehn Jahre nicht mehr durchgefahren", sagte seine Frau Irmgard 20 Jahre später. Irgendwann sei man dann in einem Bus gesessen, der den Tunnel passierte - da hätten sie durch müssen. Dennoch: "Es beschleicht einen immer noch ein mulmiges Gefühl, wenn man durchfährt", meinte Hermann Strell.

"Nach wie vor bedrückend"

Organisiert wurde die Feier von der Asfinag. Auch die beiden damaligen Vorstände Alois Schedl und Franz Lückler kamen wie auch Altlandeshauptmann Franz Schausberger in den Pongau. "Es war sehr belastend für jeden von uns. Im Nachhinein war der Zusammenhalt der Mitarbeiter positiv. Das habe ich vorher und nachher nicht mehr erlebt", sagte Schedl. "Es ist nach wie vor bedrückend", meinte Lückler. Beide verwiesen aber auch auf die Folgen des Unglücks: Ab 2000 wurden im Zuge einer "Tunneloffensive" österreichweit rund vier Milliarden Euro in die Tunnelsicherheit auf den Autobahnen und Schnellstraßen investiert.

Quellen