Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer

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Stolperstein vor dem Gasthaus "Schwarzer Adler" in Weyer zum Gedenken an die Opfer des Arbeitserziehungs-und Zigeunerlagers

Das Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer ist ein ehemaliges nationalsozialistisches Gefangenenlager auf dem Gemeindegebiet von St. Pantaleon und lag unmittelbar an der Landesgrenze an der Moosach.

Geschichte

Das Lager, das der Deutschen Arbeitsfront unterstand, bestand von vom 5. Juli 1940 bis ca. 7. Jänner 1941. Bis Ende August 1940 diente das Gasthaus Göschl in Moosach, Gemeinde St. Georgen bei Salzburg, als Lagergebäude. Danach diente das Anwesen des Gastwirtes Geratsdorfer in Weyer demselben Zweck. Die Häftlinge wurden bei der Regulierung der Moosach eingesetzt.

In einem Brief des Gauleiters August Eigruber vom 31. Mai 1940 an alle Bürgermeister des Gaus Oberdonau wird der Zweck des Lagers folgendermaßen beschrieben:[1]

„Eingeliefert können solche Volksgenossen werden, die die Arbeit grundsätzlich verweigern, die dauernd blaumachen, am Arbeitsplatz fortwährend Unruhe stiften oder solche, die überhaupt jede Annahme einer Arbeit ablehnen, obwohl sie körperlich dazu geeignet sind. Sie müssen aber alle das 18. Lebensjahr erreicht haben. Auch asoziale Betriebsführer sind inbegriffen. Nur Fälle krimineller Natur können hieramts nicht behandelt werden. Und Schwerinvalide, weil schwere körperliche Arbeit geleistet werden muß.“

Bei der Einweisung wurde aber gegen diese Vorgaben oft verstoßen. So kamen Oskar Heinrich und Heinrich Müller als Asoziale nach Weyer, da sie sich geweigert hatten am Betriebssport der Papierfabrik Steyrmühl teilzunehmen. Die beiden waren noch nicht 18 Jahre alt. Die sogenannte Erziehung oblag dem Lagerpersonal, das aus der SA-Standarte 159 aus Braunau am Inn gebildet wurde, welcher auch der Lagerkommandant, August Steininger, angehörte. Das erste Todesopfer war Johann Gabauer aus Julbach. Viele Schwerverletzte wurden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

Aus einer Krankengeschichte:[2]

„Es wurden am ganzen Körper Striemen vorgefunden. E. kam im Spital vorübergehend zu Bewußtsein und erzählte, er sei wiederholt ins Wasser geworfen worden. Er starb am 4. September 1940. Der leitende Arzt veranlaßte die Leichenöffnung, bei der über den ganzen Rücken ausgebreitete, oberflächliche, blutige Epitheldefekte, besonders an den vorspringenden Teilen des Rückens sowie am Hinterkopf und Oberarm festgestellt wurden. Sie stellen offenbar die Folge der Mißhandlungen dar.“

Nach dem Tod des Häftlings Josef Mayer sah der Lagerarzt Alois Staufer die Möglichkeit, seiner persönlichen Verstrickung zu entkommen, in die er durch Ausstellung von harmlosen Totenscheinen gekommen ist, die nicht der Wahrheit entsprachen. Er schickte eine Sachverhaltsdarstellung an das Amtsgericht Wildshut, in denen er folgende Punkte angab:

  • Totschläge
  • schwere Misshandlungen
  • Einweisung von unter 18-Jährigen
  • Einweisung von Personen, die nicht als arbeitsunwillig bezeichnet werden konnten

Angesichts des drohenden Verfahrens wurde das Arbeitserziehungslager geschlossen, einige Häftlinge gegen Schweigegelübde entlassen und der Rest in andere Konzentrationslager überstellt. Der Gauleitung gelang es, das Verfahren niederzuschlagen und das Verfahren gegen die 5 Angeklagten wurde eingestellt.

Zigeuneranhaltelager

Nach der Auflösung des Arbeitserziehungslager wurden ab 19. Jänner 1941 mehr als 350 österreichische Sinti und einige Roma in Weyer interniert. Das Lagerpersonal wurde ausgewechselt und bestand nun aus einem Gendarmeriemeister und zehn Polizeireservisten als Aufsichtspersonal und einem Beamten der Kriminalpolizei Linz als Lagerleiter. Wie die Arbeitshäftlinge sollten die Sinti bei der Regulierung der Moosach Zwangsarbeit leisten, jedoch waren mehr als die Hälfte der Internierten Frauen und Kinder.

Am 4. November 1941 wurde das Lager aufgelöst, die Insassen wurden in Viehwaggons verladen und nach einem dreitägigen Zwischenaufenthalt im burgenländischen Lackenbach mit 4.700 anderen Personen ins Zigeunerlager des Ghettos Litzmannstadt im polnischen Łódź gebracht. Von dort kehrte keiner zurück.[3]

Nachwirkungen

Memorial St.Pantaleon-Weyer

1948 kam es zu einem Verfahren vor einem Volksgerichtshof. Das Verfahren erstreckte sich jedoch wegen Flucht zweier Angeklagter bis 1952. Sie endeten mit Schuldsprüchen und Strafen zwischen 15 Monaten und 15 Jahren Haft. Alle Angeklagten kamen aber 1955 anlässlich der Amnestie zum 10-jährigen Bestehen der Zweiten Republik wieder frei. In keinem Verfahren wurde je das "Zigeuneranhaltelager" erwähnt.

Der in St. Pantaleon lebende Schriftsteller Ludwig Laher und der in der Salzburger Nachbargemeinde St. Georgen bei Salzburg geborene Historiker Andreas Maislinger initiierten die Errichtung einer Gedenkstätte an das Lager, die von dem aus dem bayrischen Fridolfing stammende Künstler Dieter Schmidt gestaltet und im Jahr 2000 eröffnet wurde. Die Gedenkstätte wird von der Gemeinde St. Pantaleon und dem Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer betreut. [3]

Quellen

Weblinks

 Arbeitserziehungs- und Zigeuneranhaltelager St. Pantaleon-Weyer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons