Vogelberingung

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HA178 - eine interessante Urlaubsbegegnung mit einer beringten juvenilen Silbermöwe an der deutschen Ostseeküste in Schleswig-Holstein
HA178
EE A 18 11 F 342. Mit geschlossenem gelbem Kunststoffring beringte Graugans. Gefangenschaftsflüchtling, entdeckt am Ritzensee in Saalfelden. Die Beringung unterscheidet sich wesentlich von der Beringung wild lebender Vögel. Da es kein zentrales Register gibt, ist der Herkunftsort des Vogels (Züchter, Zoo …) schwer heraus zu finden.
Beringte weibliche Tafelente als Gefangenschaftsflüchtling auf dem Stausee in Högmoos

Vogelberingung ist kein Selbstzweck, sondern ermöglicht die Sammlung von Daten, die der Wissenschaft, dem Naturschutz und dem Artenschutz dienen.

Allgemeines

Ursprünglich wollte man mittels Beringung von Vögeln dem Vogelzug auf die Spur kommen. Mittlerweile sind die groben Muster des Zuges der europäischen Zugvögel bekannt. Die individuelle Markierung und Verfolgung von Vögeln mittels beschrifteter Fußringe, Peilsender oder anderer Methoden zielt daher heute auf den Erhalt von Daten mit Relevanz zu folgenden Bereichen ab:

  • Erfolg individueller Überlebensstrategien
  • Erlangung demographischer Eckwerte
  • Erforschung des Vogelzuges mit all seinen Facetten
  • Funktion von Vögeln als Vektoren für Krankheiten
  • Populationsmonitoring
  • Erstellung von Modellen zu Überlebensraten
  • Beobachtung der Reaktion von Vögeln auf den Klimawandel und
  • Beschaffung von Basisdaten für den Artenschutz.

Vogelberingung in Europa

Der Beginn der Vogelberingung in Europa liegt mehr als 100 Jahre zurück. Bisher wurden in Europa etwa 115 Mio. Vögel beringt und zwei Mio. Wiederfunde gemeldet. Viele Vögel werden bereits als Jungvögel im Nest beringt. Andere werden in Fangstationen in Netzen gefangen, um sie anschließend zu beringen.

Heute werden die Ringfunde digitalisiert und auf deren Basis Ringfundatlanten hergestellt. Diese Atlanten machen die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und Kenntnislücken werden sichtbar. Dadurch wird offensichtlich, in welchen Gebieten die Beringung verstärkt werden muss, um diese zu schließen. Auch die Beringung von häufigen Arten gewinnt angesichts des Klimawandels, der zu Routenänderungen im Zugverhalten der Vögel führt, an Bedeutung. Der Vogelzug stellt eine große Herausforderung für den Naturschutz dar, da sich die Vögel über große Regionen hinweg bewegen und sowohl während des Zuges als auch im Winterquartier große Verluste auftreten können. Das erklärt auch die Bedeutung von Arealen wie dem Naturschutzgebiet Zeller See, das nicht nur als Brutgebiet, sondern an Zugstautagen als Raststation für Durchzügler und als Quartier für Wintergäste dient. Angesichts abnehmender Brutbestände vieler Vogelarten müssen Winterquartiere und Raststationen und die dort herrschenden Bedingungen vorrangig beforscht werden. Im Jahr 2001 haben sich alle EU-Länder dazu verpflichtet, den Rückgang der Artenvielfalt zu stoppen und die Erreichung dieses Ziels laufend zu evaluieren.

Satellitentelemetrie

Die Satellitentelemetrie ist eine neue Methode zur einschlägigen Datensammlung. Sie erfolgt mittels Sender, die in Größe und Gewicht auf den jeweiligen Vogel abgestimmt und wie ein Rucksack auf dem Rücken der Vögel platziert werden. Kleinste Sender wiegen nur mehr fünf Gramm. Die Satellitentelemetrie erfasst das zeitlich-räumliche Muster von Vogelzügen. Sie ermöglicht damit die Entdeckung von bisher unbekannten Brutarealen, von Mauser- und Überwinterungsgebieten bedrohter Arten und ermöglicht dadurch u.a. die Aufdeckung von Ursachen der Bestandsrückgänge. Sender werden auch in Kombination mit anderen Geräten wie Thermometer und Minikameras eingesetzt. Die Satellitentelemetrie ist damit bahnbrechend, wird aber die Beringung nicht vollständig ersetzen, da sie teuer, aufwändig und gegenwärtig auf größere Vögel beschränkt bleibt.

Die Beringung bleibt daher für die Ermittlung populationsdynamischer Kennwerte, Altersstruktur und Sterblichkeit bestimmter Vogel-Populationen unverzichtbar.

Vogelberingung in Österreich

Beringte Graugans im Wildpark Grünau im Almtal

Betrachtet man die Karte der Beringungszentralen in Europa, so fällt auf, dass Österreich keine eigene Beringungszentrale aufweist, während in allen Nachbarländern Beringungszentralen situiert sind. Das Gebiet von Österreich fällt im europäischen Netz der Vogelberingungszentralen in den Zuständigkeitsbereich der zum Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zählenden Beringungszentrale Radolfzell am Bodensee in Deutschland. Radolfzell ist die für Berlin, Süddeutschland und Österreich zuständige Beringungszentrale und arbeitet mit rund 380 ehrenamtlichen Vogelberingern zusammen.

Es gibt in Österreich kleinere Beringungsstationen wie jene in Hohenau an der March, in der jährlich aber immerhin an die 40 000 Beringungen durchgeführt werden.

Vogelberingung in Salzburg

Vogelberingung hat auch im Bundesland Salzburg eine beinahe hundertjährige Tradition. Die im Mai 1913 von Paul Eduard Tratz gegründete Ornithologische Station Salzburg, deren erste Adresse die Augustinergasse 14 war, war für die Vogelberingung in Salzburg verantwortlich.

Die damals verwendeten Ringe trugen die Aufschrift „Ornith. Station Salzburg“ und waren mit einer Kontrollnummer versehen. Nach der Beringung eines Vogels, die durch ehrenamtliche Mitarbeiter erfolgte, wurden umgehend die Vogelart, das Alter des Vogels, die verwendete Ringsorte und die jeweilige Kontrollnummer und der Ort und das Datum der Beringung auf der dem Ring beigegebenen Liste vermerkt und diese bis zu einem festgelegten Datum an die Ringausgabestelle gesandt. Die Ergebnisse der Beringungsarbeit wurden im jeweiligen Jahresbericht unter Nennung des Namens der Mitarbeiter der Station veröffentlicht. Paul Eduard Tratz, Gründer und Leiter der Ornithologischen Station Salzburg, in einem Artikel über die Vogelberingung: „Die großen Erfolge in der Vogelzugsforschung in den letzten Jahren sind zur Hauptsache das Ergebnis der experimentellen Vogelzugsforschung, der sogenannten „Vogelberingung“.“

Gegenwärtig sind in Salzburg Dr. Robert Lindner am Haus der Natur und Mag.a Christine Medicus (Ornithologische Arbeitsgemeinschaft am Haus der Natur) wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt.

Vogelberinger

Beringtes Amselmännchen, entdeckt auf Helgoland

Nur wenige Vogelberinger sind hauptberufliche Wissenschafter, die die Beringung als Forschungsmethode in ihren Projekten nutzen. In der Regel sind Vogelberinger ehrenamtlich tätig. Sie benötigen fundiertes Wissen über die Alters- und Geschlechtsbestimmung der Vögel, theoretische und praktische Kenntnisse der Vogelberingung und müssen sich vor allem über die ethischen und moralischen Aspekte der Beringung im Klaren sein. Vogelberinger arbeiten daher in den meisten Ländern mehrere Jahre unter fachlicher Anleitung auf Probe, bevor sie selbständige Beringer werden können. In diesen Probejahren erwerben sie die praktischen Fertigkeiten für die Beringung und die unterschiedlichen Fangmethoden und die für einen Vogelberinger notwendige absolute Sicherheit, den jeweiligen Vogel nach Art, Alter und Geschlecht zu bestimmen.

Ohne ehrenamtliche Beringer wären der Betrieb von Beringungsstationen und die damit zusammenhängenden Forschungsprojekte unmöglich. Seit Beginn der Vogelberingung vor mehr als 100 Jahren haben ehrenamtliche Beringer Millionen von Datensätzen gesammelt.

Die Vogelberingung wird durch nationale Gesetze und Bestimmungen geregelt. Die Sammlung und Zusammenführung der Daten wird länderübergreifend von EURING koordiniert und dient der Standardisierung der Datensammlung und dem Wissens- und Technikaustausch. Im Bundesland Salzburg sind Norbert Winding, Robert Lindner und John Parker zur Vogelberingung autorisiert.

EURING

Farblich markierter, besenderter (und beringter) Basstölpel, Helgoland, Klippe

Vögel halten sich an keine nationalen Grenzen, daher muss die Vogelforschung grenzüberschreitend und international organisiert sein. EURING ist die Dachorganisation der europäischen Vogelberingungszentralen und wurde 1963 gegründet. 1966 wurde der „EURING-Exchange Code“ geschaffen, um den Datentransfer zwischen den Beringungszentralen zu vereinfachen. 1979 erfolgte eine Erweiterung des Codes und im Jahr 2000 erschien die bisher neueste Version desselben. EURING veranstaltet turnusmäßig Methodenkonferenzen, an denen Experten aus aller Welt teilnehmen. EURING organisiert aber auch Projekte wie das Schwalbenprojekt, das sich mit dem Zugverhalten und den Brut- und Überwinterungsstrategien der Rauchschwalben in ganz Europa auseinandersetzt und an dem auch interessierte Salzburger aktiv teilnehmen.

EURING-Datenbank

Die EURING-Datenbank befindet sich beim British Trust for Ornithology in Thetford in Großbritannien. Sie wurde 1977 als zentrale Sammelstelle für alle Beringungs- und Wiederfunddaten eingerichtet. Auf dieser Datensammlung beruhen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, sowie die Auswertung von Fragestellungen über Zugrouten, Zugstrategien, Überlebens- und Ausbreitungsraten, den Einfluss von menschlichen Aktivitäten auf Vogelpopulationen etc. Die Gesamtsumme aller Datensätze ist derzeit 4 743 373. Zu deren Zustandekommen haben 28 europäische Beringungszentralen beigetragen.

Ringmeldung

Es macht Sinn, beim Beobachten von Vögeln oder bei der Auffindung von toten Vögeln auch einen Blick auf eine eventuelle Beringung zu werfen. Ringfunde können jederzeit nach Radolfzell[1] gemeldet werden und sind ein aktiver Beitrag zur wissenschaftlichen Erfassung und zum Schutz der Vögel Europas. Wer einen Ringfund meldet, erhält nachfolgend einen Lebenslauf des betreffenden Vogels, was sehr interessant sein kann.


Quellen

Einzelnachweis