Dekanatskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt

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Datei:Köstendorf pfarrkirche.jpg
Dekanatskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt (Drohenaufnahme von Arne Müseler)
Blick in die Kirche am Vortrag des Erntedankfestes.
Ansicht vom Dorfplatz aus.
Der Hauptaltar ist für die morgige Erntedankfest vorbereitet. Geschaffen wurde der Altar von Baumeister Wolfgang Hagenauer, und sein Bruder, der Hofbildhauer Johann Baptist Hagenauer. Beide aus der Stadt Salzburg.
Die Rokokokanzel wurde 1751 von Johann Georg Hitzl angefertigt. Rechts eine Madonnenstatue, die 1910 von Josef Bachlehner aus Hall in Tirol angefertigt wurde. Maria wird als die Himmelskönigin dargestellt, von einem Strahlenkranz umgeben, Mondsichel und Schlange auf der Weltkugel zu ihren Füßen. Sie zertritt den Kopf der Schlange.
Die Ölbilder an den Decken und Seitenwänden stammen von Josef Gold, der diese biblischen Szenen von 1880 bis 1882 schuf. Die hier befindet sich im Eingangsbereich unter dem Chor.
Sonnenuhr an der Dekanatskirche.

Die Dekanatskirche zu Unserer Lieben Frau Geburt in der Flachgauer Gemeinde Köstendorf ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarre Köstendorf. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.

Geschichte

Das heutige Gotteshaus stammt aus der Zeit der Gotik und besteht aus einer Saalkirche mit einem schmäleren, dreiseitig abgeschlossenen Chor sowie dem Nordturm mit einem Doppelzwiebelhelm.

Die erste Kirche des Ortes dürfte bereits im 8. Jahrhundert entstanden sein. Sie besaß einen Hochaltar des Salzburger Bildhauers Jakob Gerold und war bis in das 18. Jahrhundert eine viel besuchte Wallfahrtskirche. Im selben Jahrhundert folgte eine Barockisierung der im Jahr 1500 erbauten, im Kern gotischen Kirche.

2011 wurde der Turm und 2012 die Außenfassade komplett renoviert und neu gefärbelt.

Wallfahrt

Das bekannte Marienlied "Wir ziehen zur Mutter der Gnade, zu ihrem hochheiligen Bild." (Gotteslob Nr. 959) weist auf die große Vergangenheit der Pfarrkirche als Wallfahrtskirche hin. Bis ins 18. Jahrhundert war die Wallfahrt nach Köstendorf von überregionale Bedeutung. Die Kirche galt als einer der drei großen Wallfahrtsorte des Flachgaus (die beiden anderen waren die Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Großgmain und die Wallfahrtskirche Maria im Mösl in Arnsdorf.

Die Gnadenstätte wurde vor allem mit der Bitte um Heilung von Krankheit aufgesucht. Die ursprüngliche, vermutlich gotische Gnadenstatue ist nicht mehr vorhanden. Die war eine geschnitzte, stehende Marienstatue. Auf dem rechten Arm hielt sie das Jesuskind. Sie war seit der Barockzeit mit einem weit gespannten Brokatkleid gekleidet.

Aus dieser Zeit der großen Wallfahrten stammt auch die bis heute gepflegte Feier der drei Goldenen Samstage. Es sind dies die ersten drei Samstagen im Oktober. An diesen Tagen wird bei einer eucharistischen Andacht um 14.00 Uhr das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt.

Nach dem Entstehen der Wallfahrtskirche Maria Plain in Bergheim setzte im späten 18. Jahrhundert ein allmähliches Versiegen des Wallfahrerstromes nach Köstendorf ein.

Architektur

Langhaus und Chor der Kirche sind mit einem steilen Satteldach bedeckt. Der mächtige, 60 m hohe Turm besteht aus fünf Geschoßen. 1739 erhielt der Turm nach einem Brand die bis heute erhaltene Doppelzwiebelhaube, die nunmehr mit Kupfer eingedeckt ist. Um 1700 wurde in das einschiffige Langhaus ein flaches Tonnengewölbe eingezogen. Der an das Langhaus anschließende Chor - beide haben die gleiche Höhe und Gewölbeform - sind durch einen Triumphbogen voneinander getrennt.

Innenausstattung

An der Ausgestaltung wirkten u. a. die Bildhauer Paul Mödlhammer, Johann Georg Hitzl (Kanzel), Wolfgang und Johann Baptist Hagenauer (Hochaltar), Matthias Wilhelm Weissenkirchner sowie andere Künstler mit. Die Fassung des Hochaltars stammt vom Neumarkter Künstler Mathias Wichlhamer.

Von Paul Mödlhammer stammen folgende barocke Statuen: die Statue des Guten Hirten gegenüber der Kanzel, eine Pietà im rechten Seitenschiff, eine Ölberggruppe im linken Seitenschiff, der Gegeißelte Heiland, Mutter Anna mit Maria, Darstellung von Gottvater, ein großes Kreuz mit der Schmerzensmutter über dem Seiteneingang, der hl. Franz von Assisi, die Pestheiligen Rochus und Sebastian sowie die Taufe-Jesu-Gruppe beim Taufstein, ferner die hl. Maria Magdalena als Büßerin über dem Beichtstuhl.

Die Kreuzwegstationen und Bilder an der Empore stammen von Peter Paul Perwanger.

Die zahlreichen Stuckaturen stammen aus der Zeit um 1700. Sie zeigen üppiges Akanthusrankwerk, durchsetzt von Putten und Cherubsköpfen. Da früher viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten, sollten ihnen die zahlreichen Bilder und Gemälde in der Pfarrkirche, die biblische Szenen darstellen, einen Zugang zur biblischen Geschichte geben. Die Ölbilder an den Decken und Seitenwänden stammen von Josef Gold, der diese biblischen Szenen von 1880 bis 1882 schuf.

Hauptaltar

1766 übernahmen der Leiter der fürsterzbischöflichen Baubehörde, Wolfgang Hagenauer, und sein Bruder, der Hofbildhauer Johann Baptist Hagenauer, die Errichtung des Hochaltars. Dazu griffen sie auf einen Entwurf des Passauer Meisters Josef Pergler zurück. Josef Doppler aus Himmelreich führte die Steinmetzarbeiten aus, vom Neumarkter Maler Johann Georg Mösle stammen die Fassarbeiten.

Der durch seine kronenförmige Überdachung zum Throne Gottes gewordene Hauptaltar stellt folgendes dar: Gottvater, auf der Weltkugel sitzend, hält seinen toten Sohn auf dem Schoß, darunter der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Diese Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit wird auch Gnadenstuhl genannt. Den göttlichen Thron umgeben beidseitig die Leidenswerkzeuge Jesu Christi: Geißel, Geißelsäule, Ruten, Stricke, Nägel, Dornenkrone, Hammer, Zange, Leibrock, Judasbeutel, Würfel, Hahn, Laterne und der Kelch des Leidens. Ein Engel auf der linken Seite hält das Kreuz und weist auf den toten Sohn Gottes hin, ein Engel auf der rechten Seite hält Lanze und Schwamm. (Zitiert nach Quelle)

Weitere Details der Inneneinrichtung

  • Die Mitte des Altarraumes steht eine Madonnenstatue, die 1910 von Josef Bachlehner aus Hall in Tirol angefertigt wurde. Maria wird als die Himmelskönigin dargestellt, von einem Strahlenkranz umgeben, Mondsichel und Schlange auf der Weltkugel zu ihren Füßen. Sie zertritt den Kopf der Schlange.
  • Der Tabernakel des Hochaltars hat die Form eines halbrunden Kuppelbaus. Er wird bekrönt durch das apokalyptische Lamm, von dem sieben Gnadenströme ausgehen. Sie werden als Zeichen für die sieben Sakramente gedeutet.
  • Links und rechts befinden sich je ein Putto mit den eucharistischen Symbolen Traube bzw. Ährenbündel.
  • Die Statuen am rechten und linken Rand des Altaraufbaus zeigen die beiden Diözesanpatrone Rupert (mit dem Salzfass) und Virgil (mit der Domkirche).
  • Die beeindruckende Rokokokanzel wurde 1751 von Johann Georg Hitzl angefertigt.
  • Die beiden Seitenaltäre sind älter als der Hochaltar und wie dieser aus Marmor.
  • Einige Details stammen von heute nicht mehr vorhandenen Altären.
  • An den Pfeilern der Kommunionbank, die 1734 vom Steinmetzmeister Johann Högler aus der Stadt Salzburg angefertigt wurde, befinden sich die beiden farbig gefassten Holzstatuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus, die vom Hochaltar des Jakob Gerolt (1664-1665) stammen.

Orgel

Die im Jahr 1862 von Matthäus Mauracher I.[1] geschaffene Orgel war in die Jahre gekommen. Eine Gesamtrestaurierung schien unangebracht zu sein, daher wurde 2007 von der Orgelbaufirma Kögler in St. Florian in Oberösterreich eine neue Orgel mit 1 264 Orgelpfeifen und 20 Registern gebaut. Sie wurde am 23. September 2007 geweiht.

Glocken

Die Dekanatspfarrkirche Köstendorf hat ein sehr schönes, fünfstimmiges Geläute im Gesamtgewicht von 6 400 kg, welches nach dem Zweiten Weltkrieg angeschafft worden ist.

  • Christkönigsglocke: 3 000 kg (Ton B)
  • Marienglocke: 1 500 kg (Ton D)
  • Josefsglocke: 870 kg (Ton F)
  • Armenseelenglocke: 650 kg (Ton G)
  • Schutzengelglocke: 380 kg (Ton b)

Bildergalerie

weitere Bilder

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Quelle

Einzelnachweise

  1. Roman Schmeißner: Johann Ev. Hingsamer: „Übrigens hat sie alle Fehler einer schlechten Orgel.“ Aus dem Briefwechsel des Astätter Pfarrers mit dem Dechant des Stifts Mattsee. In: Das Orgelforum, Heft 26 (Okt. 2021). Verein Österreichisches Orgelforum, Wien 2021, S. 28–33; S. 29 und Endnote S. 33.