Stift Mattsee

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Stiftsbrunnen in Mattsee

Das Stift Mattsee, genauer das insigne Kollegiatstift[1] zum hl. Erzengel Michael in Mattsee, ist ein Kollegiatstift (also eine für die Gottesdienste einer bestimmten Kirche verantwortliche Gemeinschaft von Weltpriestern).

Einleitung

Es ist der Stiftspfarrkirche St. Michael in Mattsee im Flachgau zugeordnet; die Kollegiumsmitglieder sind aber nicht nur in der Stiftspfarre Mattsee, sondern auch in umliegenden Salzburger und oberösterreichischen Pfarren seelsorglich tätig.

Statut

Entwicklung

Siehe den Hauptabschnitt „Geschichte

Das ehemalige Benediktinerkloster wurde unter Bischof Berengar von Passau (1013–1045) – Mattsee gehörte damals zur Diözese Passau – in ein weltpriesterliches Kollegiatstift mit Propst und Dechant an der Spitze umgewandelt. Statuten dieses Kollegiatstiftes sind erstmals aus dem Jahr 1321 überliefert.

Schwere Schäden erlitt das Kollegiatstift in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts durch die Säkularisation und die Franzosenkriege und war von gänzlicher Auflösung bedroht. Kaiser Franz I. stellte das Stift jedoch mit Dekret vom 13. Oktober 1840 in seiner ursprünglichen Verfassung wieder her. 1859 erhielt dieses neue Statuten. Seit dem Jahr 1869 sind Stiftspropst und Stiftsdechant ein und dieselbe Person. Mit apostolischem Breve vom 6. Mai 1881 verlieh Papst Leo XIII. dem Stift den Ehrentitel „Collegiata insignis“. Nach dem Inkrafttreten des Codex Iuris Canonici, des Gesetzbuches der Katholischen (lateinischen) Kirche von 1917, wurden die Statuten neu gefasst und am 10. Juni 1924 von Erzbischof Dr. Ignaz Rieder approbiert.

Nach dem Inkrafttreten des Codex Iuris Canonici 1983 (CIC) erfolgte eine Anpassung des Statuts an die allgemeinen Normen über die Kapitelkanoniker (cc. 503 bis 510 CIC); die neue Fassung wurde mit 1. Jänner 1987 in Kraft gesetzt. Mit Kapitelbeschluss vom 1. Oktober 2015 erfolgte eine Anpassung an die Normen über die Vermögensverwaltung; die angepasste Version trat mit 1. Februar 2016 in Kraft. Eine neuerliche Anpassung betreffend den Bereich der Vermögensverwaltung erfolgte mit Kapitelbeschluss vom 8. Mai 2019 und trat mit 15. Juni 2019 in Kraft. Nach Vorlage und Korrektur im erzbischöflichen Konsistorium am 11. März 2020 wurde im April 2020 eine korrigierte Fassung mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt.

Verfassung

Das „Insigne Stiftskapitel zum hl. Erzengel Michael in Mattsee“ ist ein Priesterkollegium, das sich aus zwölf Kanonikern, Kapitularkanoniker genannt, zusammensetzt; einer der Kapitularkanoniker ist der Stiftspropst[2]. Zusätzlich gibt es vier Ehrenkanoniker.

Dem Stiftskapitel obliegen

  • die Feier besonderer Gottesdienste in der Stiftskirche und
  • die Förderung der brüderlichen Gemeinschaft unter den Priestern.

Insbesondere erfüllen die Kapitularkanoniker Aufgaben in der Seelsorge und andere Dienste, die ihnen vom Erzbischof übertragen werden oder aufgrund wohlerworbener Rechte des Kollegiatstiftes zukommen.

Besetzung der Kanonikate; Ehrenkanonikate

Zu Kapitularkanonikern können nur Priester bestellt werden, die sich durch entsprechenden Lebenswandel und Seelsorgserfahrung sowie besondere Verdienste im kirchlichen Dienst auszeichnen.

Die zwölf Kapitularkanoniker sind mehrheitlich inkardinierte Priester der Erzdiözese Salzburg, einige der Diözese Linz.

Der Diözesanbischof ist bei der Besetzung eines vakanten Kanonikats frei, doch schlagen ihm die Kapitularkanoniker einen geeigneten Kandidaten vor.

Der Erzbischof von Salzburg kann auf Vorschlag des Stiftskapitels bis zu vier Priester, die sich außerordentliche Verdienste um die Seelsorge erworben haben, zu Ehrenkanonikern ernennen (bei Priestern der Diözese Linz nur im Einvernehmen mit dem Bischof von Linz). Ehrenkanoniker haben das Recht, Kapitelkleidung zu tragen; ihnen kommt jedoch keine rechtserhebliche Mitgliedschaft im Kollegium zu.

Liturgische Dienste und Aufgaben

Liturgische Dienste und Aufgaben sind

  • die Feier des Stundengebetes;
  • Kapitelgottesdienste: An den vom allgemeinen Kirchenrecht und den vom Diözesanrecht der Diözesen Salzburg und Linz) gebotenen Feiertagen zelebriert der Stiftspropst oder in seinem Auftrag einer der Kapitularkanoniker einen Festgottesdienst;
  • außerordentliche Kapitelgottesdienste: Zum Michaelikapitel sowie zum Tassilokapitel feiert der Stiftspropst zusammen mit den Kapitularkanonikern in Konzelebration einen Gottesdienst für alle verstorbenen Stifter, Pröpste, Kanoniker und Wohltäter;
  • Seelsorgsaushilfe: Nach Möglichkeit helfen die Kapitularkanoniker in der pfarrlichen Seelsorge von Mattsee und in Pfarrgemeinden der Diözesen Salzburg und Linz mit.

Ämter und Dienste im Kapitel

Stiftspropst und Kapitelökonom

Hauptartikel Stiftspropst des Stifts Mattsee

Der Stiftspropst wird vom Stiftskapitel aus den Reihen der Kapitularkanoniker gewählt. Der gewählte Stiftspropst bedarf der Bestätigung durch den Erzbischof von Salzburg; dieser geht dabei, wenn es sich um einen Priester der Diözese Linz handelt, der im Einvernehmen mit dem Bischof von Linz vor.

Der Stiftspropst wird zwar auf Lebenszeit bestellt; er hat aber das Recht, freiwillig zu resignieren und ist dann „emeritierter Stiftspropst“.

Der Stiftspropst hat verschiedene Leitungsaufgaben. Unter anderem

  • beruft er zweimal im Jahr eine Kapitelsitzung ein, und zwar
    • um das Fest des hl. Erzengels Michael (29. September) das sogenannte Michaelikapitel,
    • zu Beginn des Monats Mai das Tassilokapitel, und
  • beruft er in dringenden Fällen oder auf Verlangen von zwei Dritteln der Kapitularkanoniker eine außerordentliche Sitzung ein;

die Kapitelsitzungen sollen die geistliche und brüderliche Einheit der Kapitularkanoniker vertiefen und fördern.

Der Stiftspropst ist für die rechte Verwaltung des Stiftsvermögens einschließlich des Stiftsmuseums verantwortlich und dem Kapitel sowie dem Erzbischof von Salzburg zu jährlicher Rechenschaft über die Gebarung des Kapitelvermögens verpflichtet.

Doch kann das Stiftskapitel für die Verwaltung des Stiftsvermögens einen Kapitularkanoniker als Kapitelökonom bestellen, an den der Stiftspropst die Verwaltung des Stiftsvermögens zum Teil oder zur Gänze delegieren kann. Der Kapitelökonom kann seinerseits mit Billigung des Kapitels einen geeigneten Verwalter beiziehen, der ihn unterstützt.

Kapitelsenior

Kapitelsenior ist jener Kapitularkanoniker, der seiner Ernennung nach als der älteste gilt.

Der Kapitelsenior

  • vertritt den Stiftspropst, wenn dieser verhindert ist;
  • leitet das Stift, wenn das Amt des Stiftspropstes durch Tod oder Resignation vakant ist, und ist für die Vorbereitung und Durchführung der Neuwahl eines Stiftspropstes verantwortlich.

Kapitelsekretär

Der Kapitelsekretär steht dem Stiftspropst zur Seite; führt das Protokolls bei den Sitzungen des Kapitels und nimmt die Gegenzeichnung aller wichtigen Schriftstücke und Akten des Stiftspropstes vor, soweit es sich nicht um Schriftstücke und Akten in Finanzangelegenheiten handelt, die der Stiftspropst gemeinsam mit dem Kapitelökonom unterzeichnet.

Der Kapitelsekretär wird vom Kollegium beim Michaelikapitel für eine Amtszeit von drei Jahren bestellt.

Rechte der Kapitulare; Tracht

Eine Besoldung der Kapitularkanoniker aus dem Stiftsvermögen erfolgt nicht. Im Kapitelhaus stehen für Kapitularkanoniker Wohnungen zur Verfügung; die Vergabe erfolgt durch den Stiftspropst mit Zustimmung des Kapitels.

Die traditionelle Chorkleidung besteht aus einem weinrot-violett paspelierten schwarzen Talar sowie Mozetta, Birett und Zingulum ebenfalls in weinrot-violetter Farbe (analog zu den Augustiner Chorherren). Die Kapitularkanoniker tragen das Kapitelkreuz an einem weißblauen Band, der Stiftspropst trägt ein Kreuz mit Kette sowie einen Dignitärsring; diese Gegenstände bleiben im Stiftsvermögen.

Jeder in Mattsee wohnende und in der Erzdiözese Salzburg seelsorglich tätige Kapitularkanoniker hat für die Wahl eines neuen Dechanten des Dekanats Köstendorf das aktive Wahlrecht.

Die Exequien für ein verstorbenes Kollegiumsmitglied werden in der Stiftskirche gehalten. Jedes Kollegiumsmitglied hat das Recht auf Beisetzung in der Kapitelgruft.

Stiftskapitel und Stiftspfarrer

Hauptartikel Stiftspfarrer von Mattsee

Die Besetzung der Stiftspfarre erfolgt nach Anhören des Stiftspropstes durch den Erzbischof von Salzburg.

Alle Kapitelangelegenheiten sind so zu regeln, dass sie der Förderung der Pfarrseelsorge dienen.

Der Stiftspfarrer ist Kirchenrektor (Rector Ecclesiae); er soll nach Möglichkeit Kapitularkanoniker sein und kann auch der Stiftspropst sein.

Wenn die Ämter des Propstes und des Pfarrers nicht von derselben Person ausgeübt werden, hat in seelsorglichen Belangen der Pfarrer gegenüber dem Propst und in Kapitelangelegenheiten der Propst gegenüber dem Pfarrer den Vorrang.

Die Kapitularkanoniker sollen den Stiftspfarrer in allen Belangen der Pfarrseelsorge bereitwillig unterstützen.

Der Stiftspropst ist Mitglied des Pfarrgemeinderates von Mattsee. Ist er aber zugleich Pfarrer, so beruft der Pfarrgemeinderat einen der am Ort wohnenden Kapitularkanoniker in den Pfarrgemeinderat.

In Streitigkeiten aus dem Verhältnis zwischen Kapitel und Pfarre entscheidet der Erzbischof von Salzburg.

Die Stiftspfarre ist also nicht etwa dem Kollegiatstift Mattsee unterstellt, was umsomehr von den anderen Pfarren gilt, in denen Kapitularkanoniker als Pfarrer wirken.

Einrichtungen und Gebäude, die zum Stift gehören

Siehe Kollegiatstift Mattsee (Übersicht über alle Gebäude)

Die Geschichte der Benediktinerabtei Mattsee

Siehe den Hauptartikel „Benediktinerabtei Mattsee

Die Benediktinerabtei Mattsee ist ein nicht mehr bestehendes Kloster in der Flachgauer Marktgemeinde Mattsee, aus dem das Kollegiatstift Mattsee hervorging.

Gemäß alter Überlieferung errichtete der Bayernherzog Tassilo III.um das Jahr 770 – für dieses Jahr ist ein Abt Albuin von Mattsee urkundlich bezeugt – am Mattsee eine Kirche zu Ehren des hl. Erzengels Michael und gründete zugleich ein Kloster, das er so wie Kremsmünster und Mondsee Benediktinermönchen anvertraute. Das Kollegiatstift Mattsee feierte 1977 sein 1 200-jähriges Bestehen, ist aber tatsächlich noch älter als angenommen. Auch wenn ein Stiftsbrief bzw. eine Fundationsurkunde fehlt, weist vieles darauf hin, dass Mattsee zu den ältesten kirchlichen Stiftungen des heutigen Österreich gehört. Der Salzburger Landeshistoriker Prof. Heinz Dopsch datierte die Gründung auf die Zeit zwischen den Jahren 757 und 766. Damit war Stift Mattsee jedenfalls Tassilos erste Klosterstiftung.[3]

Die Abtei hatte anfänglich wichtige Aufgaben in der Missionsarbeit zu erfüllen. Im Jahre 877 wurde Mattsee von König Karlmann dem Stift Altötting geschenkt; im 10. Jahrhundert kam es zusammen mit Altötting an das Bistum Passau. Dies wird durch eine Urkunde Kaiser Ottos III. vom 27. Jänner 993 bestätigt. Unter Bischof Berengar von Passau (1013–1045) wurde die Benediktinerabtei in ein weltpriesterliches Kollegiatstift umgewandelt; es ist die älteste noch bestehende Weltpriestergemeinschaft Österreichs. Vom 12. bis zum 16. Jahrhundert war Mattsee Sitz eines Archidiakons. 1398 wurde das Stift mit allem Zubehör an den Salzburger Erzbischof verkauft, allerdings blieben die kirchlichen Rechte beim Bischof von Passau.

Nachdem das Stift in der Zeit der Gegenreformation größere Schwierigkeiten zu überwinden hatte, erlebte es zu Beginn des 18. Jahrhunderts einen neuen Aufschwung.

Am 7. Dezember 1807 kam Mattsee unter die kirchliche Jurisdiktion des Salzburger Erzbischofs. Nach schweren Schäden in der Zeit der Franzosenkriege wurde das Stift im Jahr 1840 durch kaiserliches Dekret in seiner ursprünglichen Verfassung wiederhergestellt. Seit 1881 führt es den Ehrentitel eines insignen Kollegiatstiftes („Collegiata insignis“).

Quellen

Einzelnachweise, Anmerkungen

  1. Laut Homepage, abgefragt am 3. Dezember 2019, mit C – Collegiatstift Mattsee – geschrieben; manchmal auch mit Fugen-s: Kollegiatsstift
  2. Stift Mattsee > Stiftskapitel
  3. Mattseer Stiftsblätter, September 2006, pdf, abgefragt am 25. Juni 2019