Wallfahrtskirche Maria im Mösl

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Wallfahrtskirche mit Turm, dem seit 1838 die zweite Zwiebel fehlt
Blick über das Kirchengitter zum Altar
Zifferblatt, darüber Wappen des Abtes Martin II. Dorner

Die Wallfahrtskirche Maria im Mösl ist eine römisch-katholische Kirche in Arnsdorf in der Gemeinde Lamprechtshausen. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in Lamprechtshausen.

Geschichte

Die mit einem Kuratbenefizium ausgestattete Kirche zu Unserer Lieben Frau (15. August) stammt aus dem Jahr 1520.

Laut Legende stand seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine Kapelle im Mösl, 1241 ging aber der verehrte Kultgegenstand verloren. Nach ihrem Wiederfinden war beabsichtigt gewesen, eine neue Kapelle an einer weniger feuchten Stelle zu errichten.[1] Das an den neuen Ort gebrachte Baumaterial verschwand aber laut Legende über Nacht und tauchte am Standort der alten Kapelle wieder auf. Daher wurde 1242 diese nur vergrößert oder eine neue errichtet. Der verloren gegangene alte Kultgegenstand war nicht wieder aufgefunden worden, die Kapelle weist trotzdem seit 1242 Wallfahrtscharakter auf.[2]

Der im Kern spätgotische, einschiffige Bau wird vom Friedhof umgeben. Sie ist seit dem 13. Jahrhundert der Benediktinerabtei Michaelbeuern inkorporiert.

Der heutige Turm wurde von 1464 bis 1467 durch Meister Petrus von Laufen erbaut, von 1507 bis 1520 folgte der Bau von Schiff und Chor und 1520 konnte die Wallfahrtskirche geweiht werden. Die Sakristei wurde 16161618 hinzugefügt, 1753 dann ein neues Gewölbe eingezogen. Wahrscheinlich wurde beim Abtragen des alten, gotischen Gewölbes 1752 unsachgemäß gearbeitet, denn es stürzte ein und tötete mehrere Arbeiter, einige weitere wurden schwer verletzt.[3] Der Hochaltar und die Orgel waren dabei in Mitleidenschaft gezogen worden, den beschädigte Hochaltar gestaltete man um und stelle ihn später im Chor der dann hergerichteten Kirche wieder auf, die Orgel wurde 1753 repariert.

Mitte des 18. Jahrhunderts war der Turm erhöht und mit einen doppelten Zwiebelhelm versehen worden.[4]. Heftige Stürme im Jahr 1838 zerstörten die obere Zwiebel, sie wird seither von einem kegelförmigen Dach ersetzt.[5]

Das Gnadenbild Maria mit dem Kind stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die beiden seitlichen Konsolfiguren der hl. Katharina und hl. Barbara stammen von Thomas Schwanthaler, dem man auch den freistehenden Tabernakel mit zwei seitlich stehenden Engeln zuschreibt. Figuren auf den Altären der Seitenkapellen stammen von Johann Georg Itzlfeldner.

Auf dem Arnsdorfer Friedhof ist Axel Corti begraben.

Ausstattung

Altäre, Orgel und verschiedene Einrichtungsgegenstände waren ursprünglich schwarz/gold gefasst gewesen, der blaue Anstrich vieler Gegenstände stammt aus den Jahren 1847/48,[6] zudem wurde der ursprünglich schwarz gehaltene Hochaltar 1904 rötlich marmoriert.[7]

Orgel

Mitterreiter 1745 / Mooser-Orgel 1846

1686 fertigte der Kunsttischler Matthias Steinle aus Mattsee ein Gehäuse, Schleierbretter und Holzpfeifen für ein Positiv an; welcher Orgelbauer das Instrument selbst schuf, ist bisher nicht bekannt geworden. Dieses Positiv, das 1714 bei der Reparatur durch Johann Franz Xaver Egedacher 4 Register aufwies, wurde 1745 in die Pfarrkirche Lamprechtshausen gebracht. Diese Aufgabe erledigte der kurfürstliche Orgelbauer Andreas Mitterreiter aus Altötting, der zugleich eine neue Orgel mit sechs Registern und angehängtem Pedal lieferte. Im Zuge der Errichtung der neuen Orgel 1744/45 wurde das bis zum heutigen Tag erhaltene Gehäuse der Orgel von Joseph Anthoni Schrökher aus Laufen schwarz gefasst und die Schnitzarbeiten daran von ihm vergoldet. 1753, ein Jahr nach dem dramatischen Gewölbeeinsturz, wurde die beschädigte Orgel vom Orgelmachergesellen Johannes Groll wieder hergerichtet. Vielleicht erweiterte Groll die Orgel auch um zwei Register, denn 1820 berichtete Franz Xaver Gruber, dass die Orgel acht Register habe und, angenommenermaßen, um zwei Halbtöne zu hoch sei.[8]

Bei der Reparatur und Erweiterung der Orgel im Jahre 1753 sind anscheinend auch neue Schnitzarbeiten im Stile des Rokokos am Gehäuse angebracht worden, die möglicherweise von Johann Georg Itzlfeldner stammen, der ab 1752 mit der Gestaltung der Altäre, der Kanzel, des Tabernakels etc. beauftragt war.[9]
1846, mehr als zehn Jahre nach Grubers Abschied von Arnsdorf, wurde die Orgel durch Ludwig Mooser umgebaut. Anlass war die Primiz von Simon Aicher aus Arnsdorf am 24. August 1846. Mooser erweiterte unter anderem den Manualumfang um die vier fehlenden Töne der kurzen Oktave, indem er geschickt an beiden Seitenflächen je zwei Kanzellen anschäftete, und lötete an einzelne Pfeifen Mitterreiters Verlängerungen, um die Stimmung tiefer zu setzen. In diesem Zustand ist die Orgel erhalten, war aber zwischenzeitlich von Fritz Mertel 1981 verändert und 1993 wieder restauriert worden.[10]

Disposition seit 1846

Manual: (49 Tasten C–c3)
Gedackt 8'
Gamba 8'
Octav 4'
Flöte 4'
Quinte 22/3'
Octav 2
Mixtur III 11/3'
Pedal: (18 Tasten C–f0, 16 Töne)
Subbass 16'
Pedal immer gekoppelt

Die Turmuhr aus dem Jahr 1687

Das alte Turmuhrwerk, oberer Teil (renoviert 1890) vor ihrer Restaurierung 2020/2021.
Das alte Turmuhrwerk nach seiner Restaurierung 2020/2021.

Die traditionsreiche Wallfahrtskirche „Maria im Mösl“ in Arnsdorf birgt eine große Zahl von bekannten und auch weniger bekannten Kostbarkeiten, eine davon ist definitiv die Turmuhr.

Das Uhrwerk wurde im Jahre 1687 vom Salzburger Groß- und Kleinuhrmacher Jeremias Sauter erbaut, der im Jahr 1683 die neue Uhr für den Salzburger Dom baute und 1707 das Werk des Salzburger Glockenspiels fertigstellte – in seiner Werkstatt im Michaelstor, heute am Mozartplatz.

1762 wurde das Arnsdorfer Werk vom Laufener Schlossermeister Joseph Schnöller das erste Mal repariert, es gab kleinere Änderungen. Der Salzburger Großuhrmacher Johann Pentele senior überarbeitete 1781 das Uhrwerk und fügte unter anderem einen „englischen Perpendickel, 4 neue Räder, 3 Drieb, Angger samt Spindel und Gabel und auch etliche Klöben und Gabeln“ dazu oder machte diese neu, so „dass solche noch sehr lang dauern und recht gute Dienste machen würde“. Es war also der Umbau von der Spindelhemmung auf den vorhandenen Ankergang.

1890 wurde das Uhrwerk schließlich von Jakob Fischer, einem örtlichen „Mechanicer“, noch einmal repariert. Er erneuerte vor allem die Aufzüge für das Gehwerk und die beiden Schlagwerke.

Das Werk machte zeigte die Zeit optisch mit vier Zifferblättern (drei am Turm und eines im Orgelprospekt) und akustisch mit Schlägen auf zwei Glocken an, bis es vermutlich 1968 von einer elektrischen Uhr abgelöst wurde.

Auf dem Uhrwerk thront seit 1687 ein Löwe, ein Markenzeichen von Sauter, der auch das Antriebswerk des Salzburger Glockenspiels gebaut hat, das 1707 fertiggestellt wurde. Dieser Löwe ist auch in Mühldorf am Inn und in Seeham zu finden. Johann Pentele baute die Ankerhemmung mit langem Pendel („Englischer Perpentikel“) ein, die noch erhalten ist. Jakob Fischer ersetzte dann die alten Aufzüge durch neue in Schmiede- und Gusseisen.

Der monumentale Zeitmesser mit 140 cm Breite, 42 cm Tiefe und 75,5 cm Höhe musste von Franz Xaver Gruber, der von 1807 bis 1829 Lehrer, Organist und Mesner in Arnsdorf war, täglich aufgezogen werden: Er wird dazu den Turm insgesamt etwa 8 000 mal bestiegen und die (erhaltene) Kurbel etwa 3,5 Millionen Mal gedreht haben. Der Aufstieg und das Aufziehen der drei ca. 60 kg schweren Gewichte waren ein tägliches Konditionstraining, bis Gruber 1829 mit 42 Jahren samt Familie nach Berndorf bei Salzburg wechselte.

Die Restaurierung der Turmuhr war eine der letzten Maßnahmen der Generalrenovierung: Die Rarität wurde Ende September 2020 komplett zerlegt und abgebaut. Danach wurden alle Teile gründlich und behutsam händisch gereinigt und die Oberflächen mit einem Spezialwachs gesichert. Am 19. März 2021 wurde es dann in der inzwischen ebenfalls restaurierten Uhrkammer im Turm wieder an originaler Stelle aufgebaut und ins rechte Licht gerückt. Ein Demonstrationsbetrieb des Werkes ist seither jederzeit möglich.

Die fachliche Leitung der Restaurierung wurde an den passionierten Spezialisten für alte Uhren, Mag. Michael Neureiter („horologium michael neureiter“), vergeben. Die Revitalisierung wurde in einer Gemeinschaftsarbeit mit den lokalen und mit Arnsdorf sehr verbundenen Uhrmachern Franz Kaserer und Eduard Fersterer durchgeführt. Eine wichtige Hilfe waren auch Günther Bloos und Mesner Sepp Hufnagl.

Mit Hilfe dieser – natürlich mit dem Denkmalamt abgestimmten und durch Fachexpertise und Leidenschaft bewerkstelligten – Restaurierung konnte ein wertvolles Monument historischer Zeitmessung für die Nachwelt erhalten werden.[11]

Wallfahrt

Eine Besonderheit ist die bis auf den heutigen Tag geübte Tradition, dass sich jeder neu gewählte Salzburger Erzbischof auf eine Fußwallfahrt zu Unserer Lieben Frau am Mösl begibt.[12] Votive waren früher Bußsteine und Bußkreuze.[13]

Bildergalerie

weitere Bilder

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Stiftsarchiv Michaelbeuern, Fach 54, Nr. 72; Gruber, Conrad Franz Xaver: Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf, (Handschrift).
  2. Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Wien 1958, Band 5, S. 149.
  3. Stiftsarchiv Michaelbeuern, Fach 54, Nr. 72; Gruber, Conrad Franz Xaver: Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf, (Handschrift).
  4. Dehio Salzburg, Wien 1986, S. 22.
  5. Franz Leitner: Die Wallfahrtskirche zu Unserer lieben Frau in Arnsdorf, Salzburg [1905], S. 20.
  6. Franz Leitner: Die Wallfahrtskirche zu Unserer lieben Frau in Arnsdorf, Salzburg [1905], S. 21.
  7. Franz Leitner: Die Wallfahrtskirche zu Unserer lieben Frau in Arnsdorf, Salzburg [1905], S. 23.
  8. Diese Orgel hat 8 Register, und ist ein gutes Werk. Nur schade, dass das Principal-Register nicht 8 Fuß-Ton hat […] und, dass die Orgel […] hochkornet ist und jeweils zwei Pfeifen des transformierens wegen beÿgesetzt werden müssten“; Stiftsarchiv Michaelbeuern: Fach 54, Franz Xaver Gruber: Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf , Nr. 72 (Handschrift, 1820). Zit. nach: Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg . Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 12 und S. 358f.
  9. Roswitha Preiß: Johann Georg Itzlfeldner 1704/05–1790. Ein Bildhauer des Salzburger Rokoko in Bayern, Weißenhorn 1983, S. 194.
  10. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 11–19.
  11. Quelle "horologium michael neureiter", Die Turmuhr Arnsdorf aus 1687 ist wieder aufgebaut und demobetriebsfähig 21. März 2021
  12. Lamprechtshausen, hg. vom Kath. Pfarramt Lamprechtshausen, Salzburg 1995 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 121; 2. Auflage) S. 10.
  13. Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Wien 1958, Band 5, S. 149.