Die Kunstwerke des abgerissenen Paracelsusbades

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Wandbild (links) von Rosita Magnus im Foyer
Wandbild (rechts) von Rosita Magnus im Foyer
Metallrelief von Veva Tončić-Treuberg in der Schwimmhalle
Marmor, Untersberger Forelle

Was geschieht beim Abriss des Salzburger Paracelsusbades mit den dort angebrachten Kunstwerken?

Abriss und Rettung

Der Abriss des Paracelsusbades war eine bereits seit längerem beschlossene Sache. Am 30. November 2016 öffnete das Bad zum letzten Mal, am 6. Jänner 2017 begannen die Abrissarbeiten.

Mit dem Abriss des Baus verschwand neuerlich ein Stück Salzburger Architektur der Wiederaufbauzeit und mit ihm die es schmückenden Kunstwerke. Diese sollen aber, soweit möglich, vor dem Abriss des Gebäudes fachgerecht abgenommen, gesichert und zwischengelagert werden, bevor sie eine neue Heimat finden. Zumindest die Wandbilder und Skulpturen, die in den 1950er-Jahren als Kunst am Bau geschaffen worden waren, sollen gerettet werden.

Im Foyer des Salzburger Paracelsusbades empfingen die Steinschnittbilder „Lebensfreude“ und „Die Natur als Quell allen Lebens“ von Rosita Magnus (* 1917; † 2014) die Besucher. Der Restaurator Wolfgang Weixler untersuchte im Auftrag der Stadt, wie die Bilder abzunehmen sein würden, ohne Schaden zu erleiden; unter anderem blickte er mit einer Endoskopkamera hinter die Wandbilder.

Weitere zu rettende Kunstwerke sind eine bronzene Frauenfigur von Toni Schneider-Manzell (* 1911; † 1996) und „Der Genießer“, eine von Josef Magnus (* 1909; † 2005) geschaffene Bronzeskulptur: Ein sitzender Saunagast, der mit beiden Händen einen Badeschwamm über seinen Kopf hält.

Sorgen bereitet der städtischen Bauhistorikerin Dagmar Redl-Bunia das Metallrelief von Veva Tončić-Treuberg (* 1912; † 1992) in der Schwimmhalle; es sei schwierig, einen geeigneten Ort für ein derart großes Kunstwerk zu finden.

„Kultcharakter“ hat laut Betriebsleiter Gerhard Smöch der alte Technikraum im Keller mit dem originalen Klinkerboden. Die Schaltwand aus dem Jahr 1956 mit den vielen Hebeln und Knöpfen habe sogar Filmfirmen auf den Plan gerufen.

Kaum zu retten sein wird der Marmorsteinboden des Foyers, der wie ein Spinnennetz wirkt. Der Boden aus „Untersberger Forelle“ wurde in einer speziellen Technik verlegt und mit Bakelit verfugt.

Das Salzburg Museum erstellte vor dem Abriss eine Fotodokumentation, denn die Kunstwerke seien wichtige Zeugen der Salzburger Alltagskultur.

Wo die geretteten Kunstwerke ihren neuen Platz finden werden, steht noch nicht fest (Stand Oktober 2016). In das neue Bad sollen sie jedenfalls nicht kommen; es sei nicht stilvoll, in einem Bad des 21. Jahrhunderts Kunstwerke aus dem 20. Jahrhundert anzubringen – so Bürgermeister Dr. Heinz Schaden.

Erst drei Monate vor dem Abriss des Bades waren die Skulpturen und Steinbilder ins Rampenlicht gerückt. Dies zeigt, dass die Kunst im öffentlichen Raum nicht den gebührenden Stellenwert erhält. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

  • Als das alte Kongresshaus abgerissen wurde, landeten viele „Schätze“ im Schuttcontainer.
  • Beim Abbruch des Pfarrstöckls auf dem Gelände des Salzburger Landeskrankenhauses wurde im Jahr 2011 auch das Sgraffito des Salzburger Malers Karl Weiser (* 1911; † 1988) aus dem Jahr 1965 zerstört.
  • Beim Abriss eines Wohnblocks in der Strubergasse 26 - 28 wurde im Jahr 2015 trotz heftiger Proteste der Bewohner ein Sgraffito, die zwölf Tierkreiszeichen darstellend, von Friedrich Inhauser im Jahr 1953 geschaffen, nicht geschont; nur einige Bruchstücke konnten gerettet werden.

Die Bauhistorikerin beklagt die mangelnde Sensibilität der Behörden und Bauherren gegenüber den Kunstwerken.

So gesehen hatten die Kunstwerke des Paracelsusbades großes Glück.

Quelle