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Ein Vulkanausbruch beeinflusst 1816 das Leben in Salzburg

Ein Vulkanausbruch beeinflusst 1816 das Leben in Salzburg, das als "Jahr ohne Sommer" in die Geschichtsbücher einging.

Inhaltsverzeichnis

Vulkanausbruch in Indonesien

Unzählige Menschen in Europa verhungerten oder wanderten aus, weil auf den Feldern kaum etwas wuchs, die mageren Ernten im Dauerregen vermoderten und das Vieh verendete. Dass die Not auf eine weit verheerendere Katastrophe zurückging, ahnten die Menschen vor 200 Jahren nicht: Auf der kleinen indonesischen Insel Sumbawa hatte der Vulkan Tambora ab 5. April 1815 Dutzende Kubikkilometer Magma aus seinem Schlund geschleudert - der Ausbruch gilt als der größte von Menschen dokumentierte.

Noch auf der mehr als 2 500 Kilometer entfernten Insel Sumatra sollen die Eruptionen zu hören gewesen sein, Tsunamis trafen auf die Inseln der Region, der Himmel verdunkelte sich für Tage. Mehr als 10 000 Menschen sollen unmittelbar gestorben sein, mehr als 60 000 allein in der Region an den Folgen. "Ein solcher Ausbruch kommt nur alle 1 000 Jahre vor", sagt Thomas Walter vom Geoforschungszentrum Potsdam, Deutschland. Der Vulkan, mit rund 4 300 Metern einer der höchsten Gipfel des Archipels, fiel in sich zusammen - und misst nun noch knapp 2 900 Meter.

Es blieb nicht bei der regionalen Katastrophe

 
Hohe Kindersterblichkeit im Jahr ohne Sommer, Salzburger Landesausstellung 1816-2016 in der Hundsmarktmühle in Thalgau

In Mitteleuropa und Nordostamerika hatte das Jahr 1816 gerade zum Frühling angesetzt, da kehrte der Schnee zurück. Die Kälte blieb. In Regionen wie der Schweiz und Baden-Württemberg hörte es über Monate kaum mehr auf zu regnen oder zu schneien. Auf Tauwetter folgten extreme Hochwasser. Die Getreidepreise vervielfachten sich, Arme aßen Gras vor Hunger. Die schlimmste Hungersnot des 19. Jahrhunderts nahm ihren Lauf.

Sie buken Brot mit Sägespänen

Bis 1817 habe es kaum Ernten gegeben, sagt Claus-Peter Hutter, Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. "Die Menschen haben ihre Zugtiere geschlachtet und die Saatkartoffeln wieder ausgegraben in ihrer Not." Mit Gipspulver, Eichel- oder Sägemehl gestreckte Hungerbrötchen seien gebacken worden. Etliche Menschen wanderten in die USA aus.

Gemälde aus jener Zeit, etwa von Caspar David Friedrich, zeigen glühend rote Sonnenuntergänge: Von Vulkanaerosolen werden nur die langwelligen, rötlichen Strahlen durchgelassen. Mary Shelley soll ihren Roman "Frankenstein" geschrieben haben, weil sie wegen des vielen Regens kaum das Haus in der Nähe des Genfersees verlassen konnte, in dem sie zu Gast war.

1816 und „Stille Nacht“

Bevor Salzburg 1816 endgültig zu Österreich kam, herrschte ein Bettel- und Sternsingenverbot. Almosen wurden als "Belohnung der Arbeitsscheu" gewertet. Friedrich Graf Spaur berichtete 1805, dass rund 15 Prozent der Stadtbevölkerung von Salzburg (= 1 900 Menschen) von Almosen lebten. Der letzte Fürsterzbischof von Salzburg, Hieronymus Graf Colloredo, hatte noch die öffentliche Zurschaustellung der Weihnachtskrippen verboten. Am 1. Mai 1816 kam das ehemalige Fürsterzbistum Salzburg endgültig zu k.k. Österreich: An der Residenz wurde das bayerische Wappen abgenommen und der österreichische Doppeladler aufgezogen. Das um die Hälfte verkleinerte Land - der Rupertiwinkel wurde bayerisch, Brixen- und Zillertal kamen zu Tirol - wurde zum fünften Kreis des Erzherzogtums Österreich ob der Enns degradiert. Linz war die Hauptstadt, Salzburg nur mehr ein Kreishauptort.

Der wirtschaftliche Niedergang des Landes in dieser Zeit fand seinen Ausdruck auch im Rückgang der Bevölkerung. So zählte die Stadt Salzburg damals nur mehr rund 8 000 Einwohner. Von nun an galten die Rechtsvorschriften der österreichischen Monarchie.

Der 24-Jährige Hilfspfarrer Joseph Mohr war 1816 in Mariapfarr im Lungau, wo er noch seinen Großvater kurz vor dessen Tod kennengelernt hatte. Dort, im Innergebirg, schrieb er den Text zu dem später weltberühmt gewordenen Weihnachtslied Stille Nacht! Heilige Nacht!‎. Gerade aus oben erwähnten Zeitumständen heraus bekommt der Text der vierten Strophe von "Stille Nacht" besondere Bedeutung. Diese drückt große Friedenssehnsucht aus, die die Menschen zur damaligen Zeit hatten. Seit 1800 hatten Franzosen, Österreicher und Bayern Schlachten auf Salzburger Boden geführt (Schlacht am Walserfeld), geplündert und verwüstet. Dazu kam eben das Hungersjahr 1816 und auch im darauffolgenden Jahr war es nicht viel besser.

Der Vulkanausbruch von 1815 hatte 1816 auch Salzburg erreicht. Es setzte eine hohe Kindersterblichkeit ein, hervorgerufen durch die Hungersnot und das kalte und nasse Wetter.

Was sonst noch 1816 in Salzburg geschah

Franz Valentin Zillner, ein bekannter Arzt, Historiker und Ethnograph, kam am 14. Februar in der Stadt Salzburg zur Welt. Und am 8. Juni überreichte Stadtrat Christian Zezi Kaiser Franz II./I. vor dem Sigmundstor die Stadtschlüssel.

Quellen