Brauerei Guggenthal

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Das Gebäude der Brauerei Guggenthaler Bier.
Gaisbergrennen 1961, ein Bild aus dem Fahrerlager, das sich beim Gut Guggenthal befand. Hier sieht man im Hintergrund die Brauerei Guggenthal.
Das Gebäude der Brauerei Guggenthaler Bier.
Pläne von Präsident Richard Hatschek für ein Hotel in den 1930er-Jahren im Gebäude der ehemaligen Brauerei.

Aus der Brauerei Guggenthal in Guggenthal am Fuße des Salzburger Hausberges, dem Gaisberg, stammte das Guggenthaler Bier. Das Gebäude zählte bis Ende 2018 zu den denkmalgeschützten Objekten in Koppl.

Geschichte

Die Ursprünge der Brauerei reichen in das frühe 17. Jahrhundert zurück. Georg Weickl erwarb 1860 das gesamte Gut Guggenthal und widmete sich auch seiner nun erworbenen Brauerei.

Das gute Wasser aus den Kühberg-Quellen ließ das Guggenthaler Bier weit über die Grenzen Salzburgs hinaus bekannt werden. Aber auch die Erhaltung der anderen Gebäude waren Weickl wichtig. Er ließ zwischen 1861 und 1864 von Valentin Ceconi das Bräuhaus, die Villa, die neugotische Kirche zum hl. Kreuz und zur hl. Elisabeth sowie verschiedene Nebengebäude teils renovieren, teils neu bauen.

Unter Sigmund Hatschek, der 1875 das Gut Guggenthal erwarb, war die Brauerei um die Jahrhundertwende 19./20. Jahrhundert Kammerlieferant Sr. K. K. Hoheit des Herrn Erzherzog Joseph Ferdinand gewesen. Sigmund Hatschek gründete mit Eintragung vom 7. Oktober 1876 zusammen mit Hermann Winter die „Brauerei Guggenthal, Hatschek und Winter“. Bereits mit 1. September 1875 war eine Offene Handelsgesellschaf, beruhend auf einen mündlichen Gesellschaftsvertrag, gegründet worden.[1]

Im Gambrinus, Brauerei- und Hopfen-Zeitung aus dem Jahr 1886 ist zu lesen:[2]

Vom k. k. Landes- als Handelsgericht in Salzburg wurde die Löschung der Firma „Brauerei Guggenthal, Hatschek und Winter“, sowie der darauf Bezug habenden Eintragungen über Ausscheiden des öffentlichen Gesellschafters Hermann Winter im diesgerichtlichen Handelsregister für Gesellschastsfirmen und die Eintragung der Firma „Brauerei Guggenthal, Sigmund Hatschek“, und als deren Inhaber Sigmund Hatschek, Brauerei- und Realitätenbesitzer, wohnhaft in Guggenthal Nr. 12, sowie des Umstandes, daß die Firma in der Art gezeichnet wird, daß der Firma-Inhaber unter die mit Stampiglie vorgedruckten oder von wem immer geschriebenen Worte „Brauerei Guggenthal" eigenhändig seinen Namen Sigmund Hatschek schreibt, im diesgerichtlichen Handelsregister für Einzelnfirmen verordnet.

1887 produzierte Hatschek 22 410 Hektoliter Bier.[3]

Sein Sohn Richard ließ dann 1916 die Biererzeugung einstellen.[4]

In der Stadt Salzburg gab es ein Guggenthaler Bierstübl, das heutige Hotel Stadtkrug.[4]

Am 16. November 2010 kam es zum Abbruch des Quertraktes der Brauerei mit der ehemaligen Zeugstätte des Löschzuges Guggenthal.[5]

Großbrand

Aufnahmen vom Großbrand, 41 sek. Video
Ansicht der Braugasthof-Brandruine am 3. Juli 2018 von Norden
Hauptartikel Großbrand ehemalige Brauerei Guggenthal

Jahrzehntelangen Debatten, was mit dem Gebäude geschehen sollte, setzte ein Großfeuer am 24. Juni 2018 ein Ende. Das Feuer brach gegen 05:40 Uhr aus. Als die Einsatzkräfte kurz vor 6 Uhr sonntagmorgens am Brandort eintrafen, drang bereits dichter Rauch aus dem Gebäude. Der Löscheinsatz war für die Feuerwehrleute heikel: Wegen der Einsturzgefahr konnten sie die Flammen nicht im Inneren des Gebäudes bekämpfen, schilderte Einsatzleiter Johannes Ebner. 170 Einsatzkräfte mit 18 Fahrzeugen rückten zur Bekämpfung des Großbrandes aus. Im Einsatz waren die Feuerwehren aus Koppl, Hof, Plainfeld, Ebenau, Eugendorf und Seekirchen am Wallersee. Das Gebäude brannte im Laufe des Sonntags bis auf die Grundmauern ab.

Noch Tage später war die Brandursache nicht geklärt. Zeugenaussagen nach sollen sich am Brandtag zwischen zwei und drei Uhr morgens Personen in der Ruine aufgehalten haben. Ermittler fanden bisher allerdings noch keine Hinweise auf Brandbeschleuniger.[6]

Nach Ergebnissen, die am 10. Juli 2018 veröffentlicht wurden, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus.[7] Laut dem Brandsachverständigen Walter Kittl muss der Brand von einer größeren Zündquelle ausgegangen sein. Ob das ein außer Kontrolle geratenes Lagerfeuer oder Kerzen waren, lässt sich aber wohl nicht mehr klären.[8]

Markus Eberharter, Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, erklärte Ende Juli 2018, sie hätten ein Modell mit 50 Mietwohnungen geplant, das ein Investor umgesetzt hätte. Die Eigentümer wollen an der Stelle jedenfalls etwas umsetzen - ob mit oder ohne Denkmalschutz.[8]

Bis zum Großbrand 2018 zählte das Gebäude zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde. Am 16. November 2018 wurde die Tore beseitigt, mit einem Bagger und einer kleinen Schubraupe Brandschutt und Abfall weggeräumt. Das Denkmalamt hatte laut Gemeinde Koppl grünes Licht für den Abriss gegeben. Noch läuft aber eine vierwöchige Einspruchsfrist. Vor Weihnachten soll jedenfalls der Abrissbescheid der Gemeinde hinausgehen. Nach dem Großbrand am 24. Juni seien die Mauern so stark beschädigt, dass nur der Abriss bleibe.[9]

Abriss

Nach dem Brand wurde die Brandruine im November 2019 vom Bundesdenkmalamt überraschend zum Abriss freigegeben, obwohl es in ähnlichen Fällen zumindest den Erhalt der Außenmauern verlangt hatte. Der Naturschutzbund hatte allerdings im Dezember 2019 gegen den Bescheid Einspruch eingelegt: Man wollte in dem Verfahren Parteistellung erlangen. Nachdem das Denkmalamt den Naturschutzbund abblitzen ließ, legte man Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht hatte diese nun abgewiesen. Nun sollen anstelle des Brauereigebäudes 100 Wohnungen entstehen.[10]

Am 16. August 2021 wurde dann mit dem Abriss der Brandruine der Brauerei begonnen.

Erwähnenswert

Die Fläche zwischen der Kirche von Guggenthal und dem alten Brauhaus diente den legendären Gaisbergrennen in der Nachkriegszeit bis 1969 als Fahrerlager.

Bilder

 Brauerei Guggenthal – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Video

Quellen

Einzelnachweise

  1. ANNO, Salzburger Zeitung, Ausgabe vom 17. Oktober 1876, Seite 6
  2. ANNO, Gambrinus, Brauerei- und Hopfen-Zeitung, Ausgabe vom 1. November 1886, Seite 10
  3. ANNO, Neue Warte am Inn, Ausgabe vom 4. August 1888, Seite 5
  4. 4,0 4,1 Quelle historische Bilder, veröffentlicht von Hans Kutil in seinem Facebook am 24. Juni 2018
  5. Information von Hans Kutil, via Facebook an Peter Krackowizer am 17. November 2018
  6. Salzburger Nachrichten, 27. Juni 2018
  7. Quelle www.salzburg24.at Brauerei Guggenthal: Brandstiftung bestätigt, abgefragt am 10. Juli 2018
  8. 8,0 8,1 Quelle www.sn.at
  9. Quelle Facebook von Hans Kutil, abgefragt am 17. November 2018
  10. Quelle Salzburger Nachrichten online vom 15. Juni 2019