Heinrich Müller (SOS-Kinderdorf)

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Heinrich Müller

Heinrich Müller (* 15. Mai 1949 in Salzburg) war Lateinamerika-Chef von SOS-Kinderdorf.

Vorgestellt

Zehn Monate nach dem Erdbeben in Haiti zu Beginn des Jahres 2010 liegt vieles noch im Argen: Tausende leben in Zeltstädten. Schon vor der Katastrophe besuchte nur jedes zweite Kind eine Schule, nun sind es noch weniger. Korruption und Bürokratie regieren im Karibikstaat.

Heinrich Müller versucht, nicht an der Situation zu verzweifeln. Warum der geborene Stadt-Salzburger seit 1973 sein Leben der Hilfe zur Selbsthilfe gewidmet hat? "Ich bin dankbar, dass ich so den aufrechten Gang gehen und meine Werte, wie ich mir eine gerechtere Welt vorstelle, verfolgen kann."

Seit 2002 ist Müller Lateinamerika-Chef der SOS-Kinderdörfer und arbeitet und lebt gemeinsam mit seiner Frau in der Hauptstadt von Uruguay, Montevideo. Müller ist für 17 Länder zuständig: "Die Hälfte meiner Zeit bin ich unterwegs bei den Projekten."

Begonnen hat alles mit einem zweijährigen Einsatz in Ecuador 1973/74, wo er seine Frau, eine Chilenin, kennen- und lieben lernte. Beruflich ist Müller gelernter Bautechniker (1968 Matura an der HTL am Rudolfskai) und hat als solcher zunächst für eine deutsche Baufirma gearbeitet. Auch nach seinem zweiten Auslandseinsatz 1982/83 in Panama ist er noch einmal ins Baugeschäft eingestiegen und war sogar kurz in der Bauabteilung des Salzburger Magistrats tätig. In dieser Zeit folgte ein kurzer Ausflug in die Politik: "1984 hab ich mit Willi Perschl als Bürgerliste-Land für den Landtag kandidiert", der Einzug in den Chiemseehof wurde verpasst.

Dazwischen gründeten die Müllers eine Familie: Meine älteste Tochter ist 1974 in Quito geboren, der Sohn dann 1979 in Salzburg, die zweite Tochter 1985 in La Paz. In der bolivianischen Hauptstadt besuchten die drei Kinder auch die deutsche Schule, insgesamt waren die Müllers 19 Jahre dort.

Seit 2010 hat Müller seine Mitarbeiter stark auf Haiti konzentriert: Eine Menge Schutt von zerstörten Häusern ist noch nicht weggeräumt. Seine Organisation betreibt Schulen, Kinderdörfer sowie ein Lehrlingsausbildungszentrum und investiert in die Stärkung der bestehenden Familien. Auch Nahrungsmittelhilfe (seit Mai 2010 kaufen wir die Lebensmittel im Land ein, um die Wirtschaft zu beleben) ist immer noch nötig – denn: Wenn die Behörden nicht mitmachen, sind unsere Anstrengungen umsonst. Dabei hat Müller gerade bei seinem letzten Aufenthalt in Haiti Anfang Oktober 2010 dem stellvertretenden Bildungsminister ein tolles Angebot unterbreitet: Wir wollen Schulen bauen und sie fünf bis sieben Jahre lang selbst betreiben, dann soll sie die Regierung übernehmen. Aber der Politiker habe abwartend reagiert. Wie sich Müller angesichts solcher Rückschläge selbst motiviert? Man muss die Menschen schon sehr mögen, damit man nicht den Glauben an sie verliert. Aber ich bin sicher, dass wir es schaffen.

Quelle

  • Salzburger Nachirchten (Stefan Veigl)