Hauptmenü öffnen

Salzburgwiki β

Johanna Kral

Frau Med. Rat. Dr. Johanna Kral

Medizinalrätin Dr. Johanna Kral (* 28. Juni 1913 in Strobl am Wolfgangsee; † 11. Mai 2011) war Ärztin für Allgemeinmedizin und Sprengelarzt|Sprengelärztin]] in Lend.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Aufgrund ihrer sehr guten schulischen Leistungen erhielt sie ein Stipendium für die Höhere Internatsschule des Bundes (BEA) in Wien und absolvierte dort das Gymnasium. Anschließend studierte sie an der medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Berufsleben

Nach ihrer Promotion am 17. März 1939 arbeitete sie während des Zweiten Weltkrieges als Turnusärztin im Landeskrankenhaus Salzburg, wo sie u.a. lange Zeit auf der HNO-Abteilung tätig war und wie Maria Jakober aus Maishofen bis kurz vor ihrem Lebensende dankbar erzählt hat, den Teilnehmerinnen des Hebammenlehrganges immer wieder einmal hilfreich zur Seite gestanden hat.

Von 1945 bis 1973 arbeitete Johanna Kral, nunmehr ausgebildete Ärztin für Allgemeinmedizin, als praktische Ärztin in Lend im Pinzgau, ab 1947 war sie auch Sprengelärztin. Zu ihrem Sprengel gehörten neben dem Hauptort auch Embach und Dienten am Hochkönig. Ihre Hauptordination befand sich in Lend und eine zweite in Dienten. 1973 ging sie nach 28 Jahren als Sprengelärztin in den Ruhestand, den sie in der Stadt Salzburg verbrachte. Während der Zeit ihres Ruhestandes holte sie jene Reisen in alle Erdteile nach, die während ihres Berufslebens aus zeitlichen Gründen nicht möglich waren.

Vorgestellt

Sie war eine kleine, zierliche Person, der man nicht auf den ersten Blick ansah, zu welchen Strapazen sie fähig war. Sie setzte sich mit vollem Herzen und all ihren Kräften für ihren Aufgabenbereich ein und es kam mehrmals vor, dass sie anlässlich eines Notfalles zu Fuß nach Dienten ging, weil die Straße wegen eines Muren- oder Schneebrettabganges gesperrt war. Dazu gibt es folgende Erzählung:

Sie geriet eines Tages auf dem Weg zu einem Dientner Patienten mit dem Auto in einen Lawinenausläufer, kroch unversehrt aus dem Fahrzeug und über die Schneemassen hinweg und setzte ihren Weg zum Hausbesuch nach Dienten zu Fuß fort. Wie häufig, ließ sie auch dieses Mal den Zündschlüssel im Auto stecken. Als sie zurück kam, hatte der legendäre Postbuschauffeur „Eder-Schurli“ ihr Auto ausgebuddelt und – was Frau Dr. Kral besonders erfreute – das Fahrzeug auch gewendet, sodass sie ohne weiteren Verzug einsteigen und zurück nach Lend fahren konnte.

Über Frau Dr. Kral erzählt man sich auch noch diese Anekdote:

Im Zweiten Weltkrieg, während eines der Bombenangriffe auf die Stadt Salzburg, waren Enge und Angst in den Luftschutzkellern für Frau Dr. Kral nicht mehr auszuhalten. So beschloss sie, nicht mehr in den Unterstand zu flüchten, und zog es vor, während der folgenden Angriffe auf dem Mönchsberg spazieren zu gehen.

Eine weitere Anekdote ist aus ihrer Ordination in Lend bekannt, wo sie auch eine Hausapotheke führte:

„Die Ordinationshilfe füllte nach Rezept aus einem großen Salbentiegel eine kleine Menge in eine Dose um und sagte dem Bauern, der im Wartezimmer wartete, er könne sich seine Salbe nehmen, sie stünde in der Hausapotheke. Als sie wieder kam, war der große Tiegel weg, der kleine stand noch da. Sie rannte ihm nach, um die Sache aufzuklären. Er hatte sich aber nichts Böses dabei gedacht. Der kleine Tiegel, meinte er, diene dazu, die entsprechende Salbe nachkaufen zu können.“

Die ärztliche Versorgung der Landbevölkerung nach Kriegsende

Johanna Kral in einem Beitrag in der Ortschronik von Lend über die Bedingungen ihrer ärztlichen Arbeit in den Nachkriegsjahren:

Ich kam Anfang 1945 nach Lend und übernahm die Praxis von meinem Vorgänger. Er überließ mir für den Anfang seine eingerichtete Ordination und Hausapotheke, was für mich sehr vorteilhaft war, da ich außer Büchern und einigen Instrumenten nichts besaß und man auch nichts kaufen konnte. Ich hatte eine sechsjährige Ausbildung am Landeskrankenhaus hinter mir, aber der Betrieb einer Landpraxis stellte mich doch vor einige Probleme: Ich hatte kein Auto zur Verfügung, sondern fuhr acht Jahre lang mit einem Sachs-Motorrad aus den Beständen des NSKK, bis ich 1953 den ersten Volkswagen kaufen konnte. Man musste damals viel improvisieren, Medikamente waren nur beschränkt lieferbar. Ich musste z. B. selbst Hustensäfte kochen oder aus vier Ingredienzien die guten, schmerzstillenden Marburgpulver in Brieferln erzeugen. Schwierig war für mich auch die eindeutige Feststellung, wer vor allem die begehrten Sonderzuteilungen an Milch und Butter notwendig hatte. Bei den ausgemergelten Heimkehrern war es ja klar.

Ärztlich musste ich fast alles selber machen und diagnostizieren (Fachärzte in der freien Praxis gab es fast keine), die häusliche Geburtshilfe, kleine Chirurgie und Unfälle, Labor, Zähne ziehen. Der Sanitätssprengel Lend-Dienten, für den ich im Dezember 1947 zur Sprengelärztin bestellt wurde, war ein Sprengel III, also ein terrainmäßig schwieriger. Die Straßen waren schlecht, wurden nur händisch geräumt, die Dientnerstraße war oft von Lawinen verlegt, die Bauernhöfe kaum auf ordentlichen Straßen erreichbar. (Anm.: Damals gab es noch kaum einen Güterweg.) Allerdings gab es auch fast keinen Autoverkehr. Ich habe mich auf alle mögliche Weise fortbewegt, sehr oft zu Fuß, per Schi oder mit Materialseilbahn.

Im Laufe der ersten Jahre konnte ich verschiedene Einrichtungsgegenstände aus Heeresbeständen bekommen, sogar einmal 100 Phiolen Morphium von dem aufgelassenen Lazarett in der Hauptschule Lend. Die Bezahlung durch die Krankenkasse war auf viele Jahre sehr bescheiden. Allmählich besserten sich die allgemeinen Verhältnisse, ich konnte die Ordination einrichten und schaffte medizinische Geräte an.

Das Spektrum der Krankheiten, mit denen man sich zu befassen hatte, hat sich mit dem Lauf der Jahre geändert. Durch den Siegeszug der Antibiotika sind die früher gefürchteten Infektionskrankheiten behandelbar geworden. Die Geburtshilfe, die sich im Lauf der Zeit fast ausschließlich in die Spitäler verlagerte, war früher für den Arzt sehr verantwortungsvoll, oft mussten bei schlechter Beleuchtung – nicht überall gab es elektrisches Licht – Eingriffe wie Dammnähte, Plazentalösungen, Lageanomalien und Narkosen gemacht werden unter möglichster Sterilität. Durch tatkräftige Hilfe der guten Hebammen haben wir alles zu einem guten Ende gebracht, und es gab auch viel Freude.

Johanna Kral starb am 11. Mai 2011 im 98. Lebensjahr.

Auszeichnungen

Am 10. Mai 1971 erhielt Dr. Kral der Berufstitel Medizinalrätin.

In Anerkennung ihrer Verdienste wurde ihr die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Lend und die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Dienten verliehen.

Quellen