Güterweg

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Historische Hinweistafel, einst am Eingang zum Mühlbachtal, Bramberg, jetzt im Museum Bramberg
Güterweg Sonnseite Uttendorf
Güterweg von Thumersbach zum Mitterberg
Bachseit-Güterweg in Bruck an der Großglocknerstraße
Güterwegbau zur Almerschließung im Wildkogelgebiet
Güterwege im Alm- und Skigebiet Resterhöhe

Ein Güterweg ist eine meist private oder genossenschaftliche Zubringerstraße zu abseits gelegenen Gehöften, Wohnhäusern und Alm- und Forstgebieten im Salzburger Bergland. Zunehmend werden Güterwege auch als Zufahrt in Skigebiete bis in Höhen über 2 000 m ü. A. geführt.

Allgemeines

Bis in die Mitte des 20. Jahrhundert waren vor allem in den Bezirken inner Gebirg - im Pinzgau, im Pongau und im Lungau - abgelegene Bergbauerngüter meist nur zu Fuß erreichbar. Benötigte Waren wurden entweder von Menschen oder von einem Noriker Pferd oder einem Haflinger Pferd (früher auch manchmal von einem Hausesel) auf einem Fußweg zu den Höfen getragen oder – wo es vom Wegverlauf und von der Wegverfassung her möglich war - von einem Pferd auf einer sogenannten „Naochschloapf“ gezogen. (Eine Naochschloapf ist ein Gefährt mit einem kleinen Radpaar im vorderen Teil, dessen hinteres Ende schlittenartig am Boden nachschleift. Die Naochschloapf wurde von einem Pferd, das zwischen den zwei Deichseln eingespannt ging, gezogen. Auf der Naochschloapf, deren Boden aus hölzernen Querverstrebungen zwischen zwei Langhölzern besteht, ist ein sog. "Kranz" befestigt, das ist ein Geviert aus Brettern, das das Herausfallen der transportierten Waren verhindert.) In wenigen Fällen existierte ein unasphaltierter Fahrweg, der im Sommerhalbjahr mit einem Pferdefuhrwerk und im Winterhalbjahr mit einem Pferdeschlitten befahren werden konnte.

Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg

Um den Einstieg der Bergbauern in die Marktwirtschaft zu ermöglichen und dadurch die Bewirtschaftung der Bergbauernhöfe und die Ernährung der Bevölkerung zu sichern, ging man in der 2. Hälfte des 20. Jahrhundert nach und nach daran, die Infrastruktur zu verbessern. Das betraf zuerst Stromzuleitungen zu noch nicht elektrifizierten Höfen, darauf folgte die Errichtung von Zufahrten und zuletzt von Telefonleitungen. In allen Fällen kamen öffentliche Fördermittel zum Einsatz und die Bauern mussten je nach Anteilen Eigenleistungen in Form von Arbeitsschichten und auch Geldleistungen erbringen. Der Errichtung von Güterwegen ging meist die Gründung einer Weggenossenschaft voraus, die als Rechtsträgerin Fördermittelempfängerin war, über die zu leistenden Arbeitsschichten und Geldleistungen bestimmte und bis heute Entscheidungsträgerin für Ausbau- oder Erhaltungsarbeiten ist und somit eine Art Selbstverwaltung der Interessenten bildet.

Revolution in der Berglandwirtschaft

Durch die verkehrsmäßige Erschließung der Bergbauernhöfe wurde eine Wende eingeläutet, die die Berglandwirtschaft revolutionierte. Sie ermöglichte den Eintritt in die Marktwirtschaft und bedeutete das Ende der bis dahin praktizierten Subsistenzwirtschaft (Selbstversorgungswirtschaft).

Es konnte nun Milch geliefert und daraus ein regelmäßiges Einkommen erzielt werden. Ein regelmäßiges Einkommen ermöglichte Kraftfutterzukauf und die Anschaffung von Maschinen. Der unproduktive, aber arbeitsintensive Getreideanbau wurde eingestellt, um die dadurch gebundenen Flächen für die einträglichere Milchwirtschaft zu gewinnen. Die durch das nun regelmäßig erzielte Einkommen und die damit verbundene Kreditwürdigkeit mögliche Mechanisierung ersetzte die fehlenden Arbeitskräfte. Die Milchproduktion wurde mit allen Mitteln gesteigert: züchterische Maßnahmen, Kraftfuttereinsatz, Flächenvergrößerung, Einschränkung des Eigenverbrauchs und Fütterung der Kälber mit im Lagerhaus erhältlichem Trockenmilchpulver. Die verkehrsmäßige Anbindung ermöglichte auch den Bergbauern einen Zuerwerb oder Nebenerwerb und die weichenden Bauernkinder konnten ebenfalls hoffremde Arbeitsplätze erreichen und annehmen.

Der Güterwegbau hat somit jahrzehntelang die Erhaltung vieler kleiner und an sich wenig ertragreicher Berglandwirtschaften durch deren Eingliederung in die allgemeine Marktwirtschaft ermöglicht und die Bergbauern konnten einen nicht unerheblichen Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung und zur Erhaltung der Berglandschaft leisten.

Exkurs: Raumordnung

Der Güterwegbau hat aber auch dazu geführt, dass mittels Sondergenehmigung rund um bestehende Höfe von weichenden Bauernkindern auch Wohnhäuser errichtet wurden, deren Bewohner mit der Landwirtschaft nichts mehr zu tun haben. Dabei wurden essentielle Bereiche wie Wegerecht oder Wassernutzungsrechte nicht immer ausreichend klar geregelt, da es sich ja ursprünglich um Familienmitglieder handelte. Mittlerweile ist es aber auch so, dass die Nachfolgegeneration ehemaliger weichender Bauernkinder aus unterschiedlichen Gründen ihr Wohnhaus an gänzlich Hoffremde verkauft und somit plötzlich direkt neben Berglandwirtschaften in Alleinlage in- oder ausländische Bewohner mit völlig unterschiedlichen Interessen und Erfahrungs- und Wissensstand existieren, was unter Umständen zu Nutzungskonflikten führt. Ein weiteres Problem sind Wasserversorgung, Kanalisation und Müllentsorgung, die den Kommunen aufgrund der langen Wege finanziellen Mehraufwand bescheren.

Globalisierung

Die großen Herausforderungen der Gegenwart liegen in der Globalisierung, die auch an der Landwirtschaft nicht spurlos vorübergeht. Zahlreiche Höfe wurden trotz verkehrsmäßiger Anbindung stillgelegt und je nach Weiterentwicklung der europäischen Landwirtschaftspolitik wird die Berglandwirtschaft und damit auch die für Salzburg eigentümliche Kulturlandschaft in den Berggebieten Bestand haben oder untergehen.

Gegenwart

Ein ausgebautes ländliches Wegenetz mit seinen mittlerweile zahllosen Güter-, Alm- und Wirtschaftswegen benötigt in der Gegenwart so gut wie keine Erweiterung mehr, erfordert aber die Erhaltung und damit die laufende Sanierung. Dafür sollen allein im Jahr 2015 10 Millionen Euro ausgegeben werden. Da das Wegenetz laut Landesrat Sepp Schwaiger (ÖVP) einen Gesamtwert von rund einer Milliarde darstellt, machen die 10 Millionen nur ein Prozent des Wertes aus. Sie werden für zeitgerechte Wartungen ausgegeben, die verhindern sollen, dass gesamte Weganlagen Schaden nehmen und deren Wiederherstellung in der Folge eine Vervielfachung der Kosten verursachen würde.

Quellen

Siehe auch