Josef Schlömicher-Thier

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Überreichung der Goldenen Festspielnadel an Festspielarzt Dr. Josef Schlömicher-Thier am 22. August 2021, von links: Lukas Crepaz, Kaufmännischer Direktor, Helga Rabl-Stadler, Festspiel-Präsidentin, Josef Schlömicher-Thier mit seiner Frau Luise.

Professor Dr. Josef Schlömicher-Thier (* 20. März 1954 in Vorau in der Steiermark) ist ein Politiker der SPÖ. Von 2009 bis 2013 war er Abgeordneter zum Salzburger Landtag. Von Beruf ist er Hals-Nasen-Ohren- und Salzburger Festspiele-Arzt.

Leben

Josef Schlömicher-Thier wuchs in Vorau auf. Nach seiner Schulzeit begann er eine Lehre als Bierbrauer bei der Brauerei Puntigam. Nach Abschluss der Ausbildung studierte er an der Universität Graz Gesang und Medizin. Seine Fachausbildung (HNO) absolvierte er in Salzburg. In Neumarkt am Wallersee eröffnete er 1996 seine Praxis. Seit 1996 ist Schlömicher-Thier medizinischer Betreuer der Salzburger Festspiele.

Politisch engagierte er sich bereits in der Gewerkschaftsjugend und später während seines Studiums als Studierendenvertreter. In Köstendorf ist er seit 2004 als Gemeinderat für die SPÖ tätig. 2009 wurde er in den Salzburger Landtag gewählt. Schlömicher-Thier war Bereichssprecher für Gesundheit und Krankenanstalten. Er ist der Gründer des International Voice Center Austria in Neumarkt.

Ehrungen

Professor-Titel

Im Oktober 2021 erhielt er den Berufstitel Professor verliehen.

Goldenen Festspielnadel

Am 22. August 2021 wurde Dr. Josef Schlömicher-Thier mit der Goldenen Festspielnadel ausgezeichnet. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler überreichte dem Festspiel-Arzt im Namen des Festspieldirektoriums das Ehrenzeichen im Anschluss an die Festveranstaltung des Austrian Voice Institute „Voicecare on Stage – from the Past to the Future“ in der Fördererlounge des Großen Festspielhauses.

Dazu Helga Rabl-Stadler in ihrer Laudatio: „Festspielarzt ist für Dr. Schlömicher-Thier Beruf und Berufung zugleich. Er fühlt sich für akute Notfälle genauso zuständig wie für die vielfältigen Wehwehchen unserer Künstler, Gäste und Mitarbeiter. Ganz gleich ob es sich bei der Patientin um die Netrebko oder um eine Sommeraushilfe handelt, alle erhalten von ihm die gleiche rasche, kompetente und mitfühlende Behandlung.“

Festspieldoc Josef Schlömicher-Thier begeht in dieser Saison sein 25-jähriges Dienstjubiläum bei den Salzburger Festspielen. Er ist für die auftretenden Künstler sowie die Mitarbeiter erster Ansprechpartner in allen gesundheitlichen Fragen. Mit Schwerpunkt auf die Stimmgesundheit hat er mit dem von ihm gegründeten Austrian Voice Institute ein internationales Experten-Netzwerk geschaffen, von dem alle profitieren. Seit der HNO-Arzt für die Festspiele im Einsatz ist, musste keine szenische Produktion abgesagt werden. Er war an der Ausarbeitung des von Direktor Lukas Crepaz entwickelten und verantworteten Covid-Präventionskonzepts beteiligt, das laufend adaptiert wird.

Dr. Josef Schlömicher-Thier ist ausgebildeter Opernsänger und Stimmspezialist. Aufbau und Leitung der Stimm- und Sprachambulanz an der HNO-Abteilung im Landeskrankenhaus Salzburg, Arbeitsmediziner, HNO Facharzt in Neumarkt am Wallersee, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Austrian Voice Institute und seit 1996 betreuender Arzt der Salzburger Festspiele, wo er u. a. internationalen Künstlern mit seiner medizinischen wie musikalischen Erfahrung mit Rat und Tat zur Seite steht. Nach einer Bierbrauerlehre studierte er Medizin und Gesang.

25 Jahre Stimmgesundheit

17. August 2021: „Josef Schlömicher-Thier wirkt als Ganzheitsmediziner im besten Sinne des Wortes und unterstützt Künstler und Mitarbeiter bei stimmlichen Problemen bis hin zu psychotherapeutischem Bedarf. Und das seit 25 Jahren“, leitet Lukas Crepaz, Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele seine Begrüßung zum Pressegespräch mit Festspieldoc Josef Schlömicher-Thier und dem Stimmpädagogen Reinhard Schmid ein.

„Das funktioniert deswegen schon so lange“, antwortet Josef Schlömicher-Thier, „aufgrund der wundervollen Zusammenarbeit mit der Direktion und dem gesamten Haus. Es hat noch nie eine szenische Produktion aufgrund einer Erkrankung eines Künstlers abgesagt werden müssen. Da werden Probenpläne umgestellt und alles erdenklich Mögliche getan, um dem stimmlich Angeschlagenen wieder zurück auf die Bühne zu helfen.“

Er erinnere sich an seinen ersten Patienten noch ganz genau, das war Plácido Domingo – seine Feuertaufe als Festspiel-Arzt. Als Schlömicher-Thier ein Vertrag mit den Festspielen angeboten wurde, gründete er parallel dazu das Austrian Voice Institute, um ein internationales Netzwerk an Experten aufzubauen, von denen in den vergangenen 25 Jahren zu den jährlich veranstalteten Fachtagungen 5 000 nach Salzburg zum Austausch gekommen sind.

Das Austrian Voice Institute ist Ansprechpartner für jeden, der Stimmprobleme hat. Reinhard Schmid zählt die Aspekte auf, die bei der Stimmgesundheit zusammenspielen: „Die Körperkonstitution kann mit Physiotherapie unterstützt werden, ebenso eine Rolle spielen klassische medizinische Behandlungsformen, Psychotherapie, Stimmtherapie oder Unterstützung durch Korrepetition.“ Diese unterschiedlichen Zugänge können nur durch ein großes Netzwerk an Experten abgedeckt werden, um ein „erhelltes Feld“ zu schaffen. Die Stimmgesundheit zu stärken, trage zur Volksgesundheit bei.

Josef Schlömicher-Thier vergleicht die Sänger, die bei den Festspielen zu Gast sind, mit Hochleistungssportlern – bestens stimmphysiologisch und mental trainiert. Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten an anderen Häusern wie etwa der Metropolitan Opera begleite er international agierende Künstler. Dafür tauschen sie Informationen und diagnostische Details aus. Für Sänger sei es die größte Belastung, wenn sie ihre Ruhezeiten nicht einhalten können und in mehreren Produktionen parallel engagiert seien. Das müsse auf jeden Fall vermieden werden, so der Festspieldoc.

Josef Schlömicher-Thier geht auf die aktuelle Corona-Situation in diesem Sommer ein: „Wir alle lernen im Gehen, das Virus ist da und wir wissen, wie wir es fernhalten können: mit der FFP2-Maske, die uns zumindest in diesem Jahr noch bleiben wird. Ich bin sehr froh, dass alle bei den Veranstaltungen der Salzburger Festspiele Masken tragen.“ Das Sicherheitskonzept bezeichnet er als „Covid-Firewall“, mit denen die „Künstler geschützt werden, damit sie arbeiten können, das Publikum, weil es bezahlt hat und die Angestellten, damit sie nicht in Quarantäne müssen“. Den Mitarbeitern der Salzburger Festspiele spricht er ein großes Lob für ihre Disziplin aus. Wirklich alle helfen zusammen, um einen ungehinderten Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Doch das Maskentragen verursache auch Begleiterscheinungen: „Das häufige Tragen der Maske trocknet den Mundinnenraum aus. Und wenn nicht genug getrunken wird, dann kann das zum Problem werden, vor allem für sprechende und singende Menschen.“

Reinhard Schmid geht auf die psychische Komponente des zurückliegenden Pandemiejahrs für Laiensänger ein: „Das Singen in Chören stärkt die mentale Gesundheit. Dieses Gemeinschaftserleben ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt und schenkt Lebensenergie“.

Schlömicher-Thier ist es ein persönliches Anliegen, die derzeit schwierige Situation für junge Sänger zu erwähnen: „Nach vielen Monaten ohne Auftritten, also ohne Einnahmen, der erschwerten Suche nach Engagements, weil das gerade so viele tun, führt das bei manchen, bei entsprechend psychischer Disposition zu Depressionen.“

Eine weitere Gefahr seien die Auswirkungen von Long Covid, weil es u. a. Kurzatmigkeit hervorruft, was bei Sängern zu verkürzten Phrasierungen führe, so der ausgebildete Sänger und Mediziner, Schlömicher-Thier. Es habe sich schon herumgesprochen, dass die sogenannte „Sängeratmung“ in der Behandlung von Covid-Patienten gute Erfolge erziele. Durch diese Technik werde mehr Sauerstoff zugeführt und das bringe Kraft. Um die effektive Atmung und das Zwerchfell zu trainieren, verwenden Schlömicher-Thier und sein Team ein Gerät, das der Arzt Ilter Denizioglu in der Türkei entwickelt hat.

Quellen

vom 17. August 2021 → www.salzburgerfestspiele.atpdf download
vom 22. August 2021 → www.salzburgerfestspiele.atpdf download