Kapelle beim Pilznergut

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Außenansicht der Kapelle
Das letzte Abendmahl
Fresko der Mariazeller Basilika

Die Kapelle beim Pilznergut in Gschwendt in der Gemeinde Strobl ist ein Kulturdenkmal im Besitz der Pilznerbauern Maria und Theresia Linortner.

Vorgestellt

Bei den Fischergütern zu Niedertrum am Schilfufer des Abersees steht eine einsame Feldkapelle. Einst waren hier die reichen Fischgründe des Stiftes Salzburg und deren Klöster. Der Abersee war hauptsächlich wegen des Fischfanges und der dazugehörigen Jagd von großem Interesse für die Salzburger. Von hier aus wurde auch der wöchentliche Fischmarkt in Salzburg beliefert. Der Landstrich unterhalb der Zinkenbachmündung hat ja noch immer die alte Bezeichnung "Abersee"; dort führt auch der schöne Wanderweg entlang der alten Bahntrasse durch diese uralte Kulturlandschaft.

In Gschwendt, bei den "Pilzen Gütern", dessen Name schon 1350 auftaucht, dem Erbhof der Lienardtner oder Linortner, dessen Geschlecht seit 1603 auf dem Gut ist und dessen Nachkommen bis heute das Stammhaus bewirtschaften, steht eine Flurkapelle mit einem eigenartigen, für diese Gegend artfremden Fresko.

Die Bäuerin erzählte von dem reichen Kindersegen auf diesem alten Hof. Sechzehn, vierzehn und zehn Kinder von einer Frau waren hier keine Seltenheit. So waren auch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts neun Söhne und fünf Töchter am Hof. Der jüngste dieser neun Buben wurde 1862 geboren. Einem Gelübde nach gingen fünf dieser neun Burschen zu Fuß zur damals bedeutendsten Wallfahrtsbasilika Mariazell, welche eine der größten Glanzpunkte des Abendlandes ist. Viele Wunder schildern die Mirakeldarstellungen auf dem Großen Mariazeller Wunderaltar und seit 1893 wird die jährliche Männerwallfahrt zur Basilika in Mariazell durchgeführt. Ob dies mit ein Grund für die fünf Aberseer zur Pilgerfahrt war,lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Eingekleidet waren die fünf Wanderer in der alten Festtagstracht von St. Gilgen mit den braunen kurzen Jankern und den roten Westen darunter. Auch die alte aberseeische, zylinderartige Hutform, die es auch in Plüsch ausgeführt, mit breitem Seidenband gab, ist deutlich zu erkennen. Auf dem Fresko in der Hofkapelle ist diese Pilgerreise sehr anschaulich dargestellt. Die Wallfahrer wählten der Legende nach die am Wegesrand vorhandenen Herbergen, Trinkwasserstationen, Kapellen, und Kirchen, die im Abstand von Tagesetappen an der ca. 300 km langen Route seit alters her aufeinander folgten. Die althergebrachten Pilgerrouten waren immer gut organisiert. Neben den fünf Männern wurde das Ziel, die große Basilika von Mariazell, dargestellt. Der Heilige Ägidius, der Patron der heimischen Kirche St. Gilgen, durfte natürlich nicht fehlen, wie auch das Gnadenbild der Mariazeller Muttergottes mit Kind die Szenerie vervollständigt. Zusätzlich ist der Heilige Sebastian als Namensgeber eines der Ahnen des Hofes als Bekrönung der auf Wolken schwebenden Heiligen zu sehen.

Diese Begebenheiten wurden vom heimischen Maler Berger aus Strobl nach Angaben der Bäuerin und einer Inschrift am Türbalken am 9. September 1930 "aufs Neue" fertig gestellt.

Das Marienbild über dem Altartisch hat nach alter Erzählung die Bäuerin um 1852 in Bad Ischl erworben und "händisch" von dort an den Wolfgangsee zur neuen Kapelle getragen. Die alte Altarnische wurde dem Bild angepasst. Auf der gegenüberliegenden Seite des Kapellenraumes ist vom gleichen Maler die Abendmahlszene in Halbfresko dargestellt.

Der Zulauf zu Wallfahrtsorten nicht nur von frommen Wanderern ist neuerlich wieder sehr beliebt. Viele besinnen sich auf ihre historischen Wurzeln und suchen fern vom Alltag, auf bescheidene, einfache Weise zu sich selbst zu finden. Der nicht enden wollende Strom auf der Suche nach dem Weg der Erkenntnis hält nach wie vor an und ist zurzeit im Frühling auch rund um den Wolfgangsee auf den Wegen zu den mystischen Kultstätten im "Aberseeischen Gepyrg" wieder stark im Zunehmen. Schon im Mittelalter fand sich auf jeder Pilgerkarte neben Rom, Aachen, Einsiedeln auch St. Wolfgang als eine der berühmtesten Wallfahrtsstätten. Die Kraft dieser Kultstätte mit uralter St. Petrischer Tradition trägt der tief verwurzelte Glaube, mit naturverbundenen Bräuchen in der einst mönchisch, bäuerlich geprägten Naturlandschaft rund um den Wolfgangsee.

Weblinks

Quelle

Verfasser

  • Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt.