Kuh-Attacken

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Die Zahl von Kuh-Attacken auf Almen auf Wanderer nahm im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts im Land Salzburg zu.

Gründe

Mögliche Gründe der Zunahme von Attacken könnten in der immer besseren Erschließung von Wanderwegen in Almgebiete sowie Unkenntnis bzw. Unerfahrenheit von Urlaubern sein. Gäste aus Herkunftsgebieten, in denen Kühe fast schon exotische Tiere darstellen (Ballungszentren in Europa), möchten dann die Tiere "hautnah" erleben, ihren Kindern das Streicheln von Kälbern ermöglichen. Gerade jedoch Kälber im Beisein von Mutterkühen (Mutterkuh-Haltung) können diese zu Aggressionen (Verteidigung) reizen.

Auch Unvernunft im Umgang mit eigenen Hunden führen immer wieder zu Angriffen. Frei laufende Hunde nähern sich Kühen und reizen diese so zu Angriffen. Grundregel hier: Hunde sind bei Wanderungen an der Leine zu führen (frei laufende Hunde können in Jagdrevieren von Jägern erschossen werden!).

Rechtlicher Stand 2019

Nach dem Schadenersatz-Urteil[1] wegen einer tödlichen Kuh-Attacke in Tirol hatte Agrarlandesrat Max Hiegelsberger (ÖVP) im Sommer 2019 erklärt, ein generelles Hundeverbot auf Almen zu prüfen. Das Ergebnis: Es wird nicht kommen, teilte er am 10. Juli 2019 in einer Pressekonferenz in Linz mit. Es sei weder rechtlich umsetzbar noch im Sinne eines guten Miteinanders, meinte auch Tourismuslandesrat Markus Achleitner (ÖVP).

Als wachsendes Problem wurde vor allem die Verkotung und Vermüllung entlang der Wanderwege angesehen. Daher wurden die Ende April vom Umweltministerium vorgestellten zehn Verhaltensregeln in einer eigenen oberösterreichischen Broschüre zu dieser Thematik ergänzt.

Eine Versicherungslösung für Wanderwege inklusive Unfälle mit Weidevieh wurde schon nach dem ersten Runden Tisch geschaffen. In die bereits bestehende Wege-Erhalter-Haftpflichtversicherung wurden explizit auch "Schadensfälle durch Weidevieh" aufgenommen. Die Kosten für die Ausweitung trägt das Land. Diese Versicherungsregelung besteht bereits.[2]

Fälle

2019

Juli: Kuh-Attacke in Hüttschlag

Ein junges Pärchen wurde am Vormittag des 17. Juli 2019 auf einem Wanderweg Hüttschlag (Pongau) von mehreren Kühen attackiert. Die beiden wurden dabei teils schwer verletzt.[3]

Kuh verletzte Wanderin schwer

Eine 62-jährige Frau ist am 12. Juli 2019 von einer Kuh schwer verletzt worden. Die Wienerin war laut Polizei gegen Mittag mit ihrem gleichaltrigen Begleiter in Richtung Grüneggalm in Dienten am Hochkönig unterwegs. Die beiden gingen gerade an einer am rechten Wegrand liegenden Kuh vorbei, als das Tier plötzlich aufsprang und die Frau erfasste. Die Urlauberin wurde nach der Erstversorgung mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Schwarzach im Pongau geflogen. Ein Hund dürfte nicht der Auslöser gewesen sein, hieß es von einer Sprecherin auf Anfrage.[4]

Kuh schleuderte Urlauber in einen Fluss

Ein deutscher Urlauber wurde am 22. Juni 2018 in Bramberg am Wildkogel (Pinzgau) von einer Kuh über eine rund 1,5 Meter hohe Böschung in die Habach gestoßen worden. Der 56-jährigeWanderer trieb einige Meter ab, konnte sich aber selbst aus der Habach retten. Er wurde leicht verletzt.

Die Kuh hatte den Mann bei seiner Wanderung mit seiner Ehefrau und zwei Enkelkindern entlang des „Smaragdwanderweges“ gleich zwei Mal attackiert. Zunächst versperrte das Rindvieh dem Wanderer bei einer Engstelle den Weg. Als der 56-Jährige an der Kuh vorbeiging, erfasste sie ihn mit ihren Hörnern im Bauchbereich. Bei der zweiten Attacke schleuderte sie ihn mit den Hörnern in den hochwasserführenden Fluss.[5]

2016

Wie ein Pfarrer eine Kuhattacke verkraftete.[6]

Im Jahr 2016 griff eine Mutterkuh die Bäuerin an und zwei Tage später eine Pilgergruppe. Zwei Menschen wurden schwer verletzt. Ein Opfer und der Besitzer des Rindviehs erzählen über den Schock und wie man sich verhalten sollte.

Der Angriff der Mutterkuh ereignete sich auf einer Wallfahrt in St. Johann im Pongau: Pfarrer Franz Lindorfer erinnert sich noch sehr genau an die dramatischen Augenblicke, als das Tier die Zaunabsperrung durchbrach und den heute (2019) 57-Jährigen mit dem Kopf zu Boden stieß. "Ich war damals mit einer blinden Frau und anderen Pilgern unterwegs. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass die Kuh so aggressiv reagiert, ohne dass ich einen Anlass gegeben hätte", erzählt der Pfarrer der Gemeinde Sarleinsbach im oberösterreichischen Mühlviertel. "Es war ein Schrecken für mich. Ich bin selbst auf einer Landwirtschaft aufgewachsen, mit den Tieren."

Der sportliche Geistliche spricht von "viel Glück, es ist relativ wenig passiert". Lindorfer stürzte die Böschung hinunter. Er hatte eine Schulterluxation erlitten, nach einer ambulanten Behandlung im Krankenhaus Schwarzach trug er seinen Arm länger als eine Woche in der Schlinge. Wirklich schlimm habe es zwei Tage davor die Frau des Bauern erwischt, die von derselben Kuh schwer verletzt worden sei.

Das bestätigt auch der betroffene Landwirt und Gastwirt: "Es war eine junge Kuh, die ihr erstes Kalb bekommen hat. Sie hat meine Frau niedergestoßen, die dabei unglücklich gefallen ist." Die Bäuerin sei eine Woche lang auf der Intensivstation gelegen, habe sich mehrere Rippen gebrochen und am Becken verletzt. Ob sie völlig wiederhergestellt ist? "Sie hat sich zu 90 Prozent erholt. Aber sie hat Respekt vor den Kühen, das ist schon klar", erzählt der Bauer, der den Pfarrer nach dem Unfall noch besucht hat. Der Kuh war nur ein kurzes Leben beschieden, sie landete nach der zweiten Attacke im Schlachthaus.

Der Landwirt hatte seine Weide damals wie heute eingezäunt. 100 Prozent Sicherheit kann er dennoch nicht garantieren. "Es gehen Wanderwege durch die Weide. Notfalls müssten wir diese sperren." Und er betont, dass sich Muttertiere anders verhalten als Kühe ohne Kälber. "Wanderer wissen oft nicht, wie sie sich zu verhalten haben. Hunde sind immer ein Problem, bei den meisten Vorfällen sind Hunde beteiligt", sagt der Bauer.

Pfarrer Lindorfer ist seit seinem Unfall wieder durch Viehweiden gewandert. Aber vorsichtig, mit Respektabstand. "Ich schaue genau, wie sich die Tiere verhalten. Und ich nehme jetzt immer einen Stock mit, wenn ich Gefahr vermute. Damit kann man sich wehren."

Der 57-Jährige weiß von einem weiteren Angriff zu berichten: Sein Bruder, der den Hof zu Hause übernommen hat, wurde auch einmal von einer Mutterkuh niedergestoßen. "Er hat sich auch geschreckt", so Lindorfer.

Der Geistliche sieht die Ursache vermehrter Attacken darin, dass die Muttertierhaltung für die Bauern weniger aufwendig ist und diese daher immer beliebter wird. "Dadurch ist es für alle gefährlicher. Muttertiere, die ihre Jungen beschützen, gehen nicht nur auf Fremde los, sondern auch auf die Besitzer."

Der Landwirt wurde nach den beiden Vorfällen nicht vor Gericht gestellt, die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren eingestellt. Pfarrer Lindorfer hat auch zivilrechtlich keine Schadenersatzansprüche gefordert.

Vor dem Runden Tisch im Februar 2019 nach einer tödlichen Kuhattacke hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter auf eine Versicherungslösung gedrängt. "Niemand, der nach bestem Wissen und Gewissen seine Tiere auf der Alm hält, soll Gefahr laufen, in seiner Existenz bedroht zu sein, oder sich gezwungen sehen, das Vieh im Stall zu lassen oder Wege zu sperren."

Kuh ging in Hüttschlag mehrmals auf Landwirt los

Schwer verletzt wurde ein Landwirt aus Hüttschlag am Dienstagnachmittag, den 6. September 2016. Er wollte mehrere seiner Kühe auf die Weide zurücktreiben, weil diese zuvor ausgebrochen waren. Plötzlich wurde der 44-Jährige von einer Kuh attackiert und zu Boden gestoßen. Die Kuh ließ von dem Landwirt nicht ab und rammte ihren Schädel mehrmals gegen den Oberkörper des Landwirtes. Mit letzter Kraft konnte sich der Bauer von der Kuh befreien und schleppte sich zu seinem Fahrzeug.

Da er beim Sturz sein Handy verloren hatte, fuhr er schwerverletzt mit seinem Fahrzeug nach Hause ins Tal. Dort angekommen, verständigten Urlaubsgäste die Rettung. Nach der Erstversorgung wurde der Landwirt mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. Er erlitt bei der Attacke mehrere Rippenfrakturen und eine Bauchprellung.

Attacke in Vordermuhr

In Vordermuhr im Salzburger Lungau wurde am 24. Oktober 2016 eine 76-jährige Frau von einer Kuh attackiert und verletzt.[7]

2011

Am 28. Juli 2011 attackierte eine aggressive Kuh bei Filzmoos ein Ehepaar im Alter von 79 und 80 Jahren sowie einen 53-jährigen Mann. Zunächst konnte keine Auffälligkeit der vier Kühe im betroffenen Weidegebiet festgestellt werden. Jedoch anhand einer Zeugenaussage konnte das aggressive Tier ermittelt werden und wurde vom Besitzer von der Weide genommen[8].

Ebenfalls am 28. Juli 2011 wurde eine 51-jährige Pinzgauerin in Saalbach-Hinterglemm von einer Kuh auf einer Alm angegriffen. Sie konnte sich trotz ihrer Verletzungen noch nach Hause schleppen und wurde dann mit dem Rettungshubschrauber Martin 6 zum Schockraum des Salzburger Landeskrankenhauses geflogen.

Verhaltensregeln

Im Sommer 2010 ließ Landesrat Sepp Eisl einen Folder mit Hinweisen zum richtigen Verhalten gegenüber Weidetieren drucken, der 2011 erneut aufgelegt wurde. Daraus die wichtigsten Hinweise:

  • weidenden Rindern sollte man nicht zu nahe kommen
  • Kälber weder füttern noch streicheln
  • Wenn eine Herde Unruhe zeigt oder Wanderer durch einzelne Tiere bereits fixiert werden - unbedingt Abstand halten und lieber einen Umweg in Kauf nehmen
  • Sollte ein Hund mitgeführt werden: den Rindern nicht zu nahe kommen
  • Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu gefährlichen Situationen kommen: Ruhe bewahren - nicht davonlaufen, wenn möglich, mit dem Wanderstock Drohgebärden machen, laute Zurufe machen - diese können aggressive Rinder zum Umkehren bewegen
  • Im Fall des Falles: langsamer Rückzug, ohne dabei den Tieren den Rücken zuzukehren!

Umkehrung: Menschen attackieren Kühe

siehe: Mountain Biking

Im Juli 2001 wurde eine Kuh aus Gaudi von einer Gruppe von Mountainbikern 15 Kilometer zu Tal gehetzt.

Weblinks

Quelle

Einzelnachweise

  1. Am 28. Juli 2014 war im Tiroler Pinnistal eine 45-jährige Deutsche, die mit ihren Hund unterwegs war, von Kühen zu Tode getrampelt worden. Nach jahrelangem Rechtsstreit erging im Februar in einem Zivilprozess das Urteil, wonach der Bauer dem Witwer und dem Sohn rund 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente zahlen muss. Das Urteil in erster Instanz hat zu Verunsicherung bei Bauern und Freizeitaktiven geführt. Quelle [https://www.sn.at/panorama/oesterreich/nach-kuh-attacke-regierung-will-von-wanderern-mehr-eigenverantwortung-fordern-68360578 Salzburger Nachrichten, 5. April 2019
  2. Quelle Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2019
  3. Salzburg24 vom 17. Juli 2019
  4. Quelle Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2019
  5. Salzburger Nachrichten vom 23. Juni 2018
  6. Salzburger Nachrichten vom 27. Februar 2019
  7. Quelle Salzburger Nachrichten vom 25. Oktober 2016
  8. Salzburger Nachrichten, 30. Juli 2011