Lucas Suppin

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Selbstportrait von Lucas Suppin, 1939

Professor Lucas Suppin (* 2. Juli 1911 in Untertauern im Pongau; † 24. Februar 1998 in Salzburg) war akademischer Maler und kritischer Kopf in Salzburg.

Leben

Lucas Suppin war der zweite von fünf Söhnen des Volksschullehrers Georg Suppin. Er gehört einer Generation an, deren Werdegang durch Faschismus und Krieg behindert wird. Seine Studienzeit in Wien steht im Zeichen politischer und wirtschaftlicher Krisen, im Künstlerischen herrscht restriktive Bevormundung. Suppin kommt in den Genuss einer soliden akademischen Ausbildung, innerhalb der die „Moderne“ konsequent ausgeblendet ist. Der mit dem markanten Selbstportrait von 1939 viel versprechend einsetzenden freischaffenden Tätigkeit wird durch den Kriegseinsatz ein jähes Ende bereitet.

Nach dem Krieg zeigt sich schon bald eine Hinwendung zu französischem Farb- und Formempfinden. Sein erfahrener Kollege Max Peiffer Watenphul weist ihm den Weg zu Bonnard, dessen Vorbild Suppin zu einer Verfeinerung und Vertiefung seiner Palette veranlasst. Es zeigen sich auch Ansätze zu einer dekorativen Auflösung des Gegenständlichen in gleichwertige Flächenstücke, was auf eine Auseinandersetzung mit Matisse schließen lässt.

Bald wird deutlich, dass Suppin mit der sanften Spielart der Moderne, die sich in Salzburg etabliert hat, nicht sein Auslangen findet. Mit 39 Jahren bricht er nach Südfrankreich auf, um sich neue Ausdruckswelten zu erobern.

Suppin lässt sich zuerst in Marseille, dann, 1952, in dem malerischen Künstlerdorf Saint-Paul de Vence an der Côte d'Azur in Südfrankreich nieder, das bis 1967 sein Domizil bleibt. Er findet mühelos Zugang zu den illustren Künstlerkreisen der Côte d’Azur, stellt mit vielen prominenten Kollegen aus und lernt auch die Pariser Kunstszene kennen. 1955 malt Suppin seine ersten abstrakten Bilder, die sich kubistisch-geometrisierender Formen bedienen. Er kommt in Berührung mit den aktuellen „informellen“ Tendenzen, deren Ziel es ist, die unbewussten, verschütteten Kräfte der Kreativität zu aktivieren und zu einer vollkommen voraussetzungslosen Bildsprache zu gelangen. Es entstehen kraftvoll gespachtelte Ölbilder, die teilweise von Landschaftseindrücken inspiriert sind, aber auch frei erfundene, mystisch anmutende Kompositionen, die der „lyrischen Abstraktion“ nahe stehen.

Die Botschaft der abstrakten Kunst hat damals noch etwas von einer neuen Heilslehre, die Künstler fühlen sich nahe am Ursprung des Schöpferischen und im Besitz einer kulturübergreifenden „Weltsprache“. Suppin wird ein enthusiastischer Parteigänger der von Paris ausgehenden Kunstströmung. In Michel Tapié, dem einflussreichsten Wortführer der École de Paris, findet er einen prominenten Fürsprecher.

Noch in Frankreich beginnt Suppin, Blattgold und Blattsilber in seine gespachtelten Kompositionen einzubeziehen – eine Idee, die er konsequent ausbaut, so dass der Einsatz von „Edelmetall“ geradezu ein Markenzeichen seiner Kunst wird. Er steigert damit die magische Anziehungskraft seiner Bilder, setzt sich aber auch dem Vorwurf kunstgewerblicher Effekthascherei aus. Sein Anliegen ist es, an ein archaisches Materialverständnis anzuschließen und dieses mit einer sinnlich-barocken Freude an Oberflächenreizen zu verbinden.

Als er sich 1968 wieder in Salzburg niederlässt, sorgen seine „goldenen Bilder“ für Aufsehen und polarisieren das Publikum. Suppin geht aber noch einen Schritt weiter, indem er die Oberflächen wie ein Relief behandelt und mit teilweise sehr opulenten plastischen Akzenten versieht. Eine Aura des Geheimnisvollen, aber auch eine surreale Befremdlichkeit geht von diesen wuchtigen Bildtafeln aus, bei denen man an mittelalterliche Reliquiare oder kostbare Fundstücke verschollener Kulturen denkt. Am Ende dieser Schaffensphase stehen strenge Kompositionen mit zurückgenommenem Relief, denen gerade diese Sparsamkeit eine feierlich bedeutungsvolle Note verleiht.

Mit seiner Vorliebe für unkonventionelle Materialien kann Lucas Suppin selbst Richtungen wie Pop Art und Arte Povera, die seit den späten 1960er Jahren die Ästhetik des „schönen Bildes“ bombardieren, etwas abgewinnen – obwohl sie im Gegensatz steht zu der von ihm bevorzugten Aura des kostbaren Glanzes. Auch Suppin bezieht nun „unedle“ Werkstoffe wie Wellpappe, Zeitungspapier und Sand, aber auch sperrige Alltagsrelikte – einen Fußabstreifer, einen zerbrochenen Teller, einen alten Bettpfosten – in seine Bildschöpfungen mit ein. Vor allem am Werkstoff Sand, von dem er verschieden gefärbte und gekörnte Sorten verwendet, entzündet sich seine Experimentierfreude.

Etwa zur selben Zeit entdeckt er das gestische Verfahren des direkten Abklatsches von Fingern, Händen und Füßen für sich, von dem er einfallsreichen Gebrauch macht. Bezeichnend für die Aufnahme solcher avantgardistischer Gestaltungsmittel in sein Repertoire ist, dass sie bei Suppin in den Dienst einer symmetrisch ausgewogenen, „klassischen“ Bildordnung treten.

Nach seinen „Materialexzessen“ konzentriert sich Suppin seit den frühen 1980er Jahren wieder auf die eigentlichen malerischen Werte, auf Fläche und Farbe in ihrer gegenseitigen Bedingtheit. Er lotet dieses Terrain nach verschiedenen Richtungen aus, wobei er insbesondere für den abstrakten Expressionismus und die amerikanische Farbflächenmalerei ein offenes Auge hat. Immer deutlicher erweist sich Suppin als eigenwilliger „Grenzgänger“ zwischen den „ismen“, der Anregungen unterschiedlichster Herkunft mit seinem Selbstverständnis als „peintre méditerranéen“ und „Barockmensch“ in Einklang zu bringen weiß.

Sahara, 1997

Seine Spannweite reicht von monochromen und geometrisierenden Tafeln bis zu einem üppigen Ornamentalismus und kaleidoskopischen Bildmustern. Die Formate werden größer, gleichzeitig schwächt sich die zentralisierende Bildkomposition ab, ergibt sich eine Annäherung an textile Gestaltungsformen. Suppins vordringliches Anliegen bleibt es, das primäre Material der Farbe zu ultimativer Leuchtkraft zu steigern. Die Werke, die im Anschluss an seinen Aufenthalt in Algerien entstehen und das ekstatische Erleben der Wüste verarbeiten, können dies am eindrucksvollsten bezeugen.

Salzburgbezüge

Suppin wohnte einige Jahre im Schloss Freisaal.

Werke

  • Mosaik Salzburger Bürger am Wohnhaus Guritzerstraße 29 in Salzburg (1965)

Ausstellung

Weblinks

Quellen