Wasserschloss Freisaal

Aus Salzburgwiki
(Weitergeleitet von Schloss Freisaal)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Das Wasserschloss Freisaal von Westen, im Hintergrund der Gaisberg (Bereich Judenberg).
Das Wasserschloss Freisaal, Nordansicht.
Das Wasserschloss Freisaal von Südwesten.
Das Wasserschloss Freisaal auf dem Sattler Panorama um 1829.
Das Wasserschloss Freisaal vor 1905.

Das Wasserschloss Freisaal ist ein Schloss im Süden der Stadt Salzburg im Stadtteil Nonntal.

Einleitung

Von hier aus zogen die neu gewählten Salzburger Erzbischöfe, nachdem sie den Treueschwur geleistet hatten, feierlich in die Stadt selbst ein. Das Schloss liegt in Freisaal am Freisaalweg und in unmittelbarer Nähe zur Hellbrunner Allee. Es zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.

Unterschutzstellung

Der Salzburger Landeskonservator Eduard Hütter ließ im März 1924 das Wasserschloss unter Schutz stellen, gemeint unter Denkmalschutz stellen. Dabei hielt er in dem Dokument fest, das die Erhaltung des im zweiten Stock gelegenen Saales mit seinen aus dem Jahr 1557 stammenden Fresken im öffentlichen Interesse gelegen sei. Jede Veränderung an demselben bedürfe der Zustimmung des Bundesdenkmalamtes. Es war dies eines der ersten Denkmalschutzverfahren im Bundesland Salzburg gewesen. Das einzig bemerkenswerte an dem damaligen Verfahren war, dass nur ein Teilbereich des Schlosses - der zweite Stock - unter Schutz gestellt wurde.

Erst mit einem Bescheid vom Oktober 1974 wurde das gesamte Wasserschloss unter Denkmalschutz gestellt.

Geschichte

Schloss Freisaal wurde 1392 vom Mönch von Salzburg, der sein Liebeslied dem allerlibsten schönsten weib im Freudensal widmete, erstmals erwähnt. Erbaut wurde die Wasserburg von Fürsterzbischof Pilgrim II. von Puchheim in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sein Name leitet sich von Freudensaal ab. Das deutet darauf hin, dass bereits dieses erzbischöfliche Lustschloss einen größeren Saal enthielt, der für gesellschaftliche Zusammenkünfte benutzt wurde.

Treueschwüre der Salzburger Erzbischöfe

Später gelangte es in privaten Besitz und wurde 1491 vom damaligen Besitzer Georg Zandl an Fürsterzbischof Friedrich V. von Schaunberg verkauft. Ernst von Bayern bestimmte das Schloss zum Ort des Gelöbnisses für alle neu gewählten Erzbischöfe. Hier hatten diese ihre Treueschwüre abzulegen. Anschließend ritten sie in einer feierlichen Prozession zum Nonntaler Tor, wo sie von den Vertretern des Domkapitels und der Stadtverwaltung erwartet wurden. Auch der letzte regierende Fürsterzbischof von Salzburg, Hieronymus Graf Colloredo, hielt sich noch 1772 an diesen Brauch.

Über den Einzug von Fürsterzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg im Jahr 1519 in die Stadt Salzburg ist eine genaue Schilderung eines Chronisten (noch nicht von Freisaal aus) erhalten. Dabei sollen unter dem Donner der Kanonen und dem Geläute aller Glocken eine endlose Reihe von Bürgern mit gewappneten (mit Wappen versehene) Fähnlein mit dem Kardinal in die Stadt eingezogen sein. Dabei gewesen waren auch die Zünfte in ihren Festtrachten, die Bruderschaften in verschiedenfarbigen Kutten, der Hof mit Beamten und Lakaien, die Domherren, Pröpste und Äbte der Klöster und Stifte und der Erzbischof selbst im Kardinalpurpur auf einem weißem Zelter[1], der von Edelknaben und Suffraganbischöfen sowie den Lehensträgern des Benediktinerstifts St. Peter im Prunkharnisch, Carabinieri und Trabanten[2] begleitet wurde.

Renaissance-Wandmalereien

1549 wurde Schloss Freisaal unter dem Administrator Ernst Herzog von Bayern im manieristischen Stil neu erbaut. Der große Saal wurde von Fürsterzbischof Michael von Kuenburg 1557 mit Wandmalereien ausgestattet. Er ließ auch den Garten anlegen. In den späten 1550er-Jahren stellte Hans Bocksberger der Ältere aus Mondsee in einer der schönsten Wandmalerei aus der Renaissance-Zeit in Österreich den Einzug (lat. Adventus) in die Stadt Salzburg als Inszenierung der politischen Herrschaft der Salzburger Erzbischöfe im Festsaal von Schloss Freisaal szenisch dar. [3]

Seit dem 19. Jahrhundert befindet sich das Wasserschloss in privatem Besitz. 1907 wurde es baulich sehr stark verändert und fast nichts mehr zeugt von seinem ursprünglichen Aussehen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wohnten in dem damals nicht sehr gepflegten Gebäude zahlreiche Mieter, u. a. auch der Künstler Lucas Suppin. Erst in den 1990er-Jahren, als alle Mietparteien ausgezogen waren, wurde das Schloss von Grund auf restauriert und auch der Park wieder in einen guten Zustand gebracht. Nachdem die Stadt Salzburg es trotz mehrfacher Versuche des Eigentümers Suppin verabsäumte, das Schloss zu erwerben, blieb das Schloss in private Hand.

Von Herbst 1966 bis Mai 1990 bewohnte der Maler Lucas Suppin mit seiner Familie das Schloss. Auch der Schriftsteller Peter Handke war hier zu Gast.

Das Wasserschloss im 21. Jahrhundert

Freisaal befand sich Anfang des 21. Jahrhunderts wieder in einem erstklassigen Zustand. Es wurde 2006 an den deutschen Zeitungsbesitzer Erich Schuhmann[4] verkauft. Seine Lebensgefährtin Hewig Wenzl ließ die Fresken im Großen Saal (Freudensaal?) renovieren, die zu bedeutendsten Wandmalereien der Renaissance im heutigen Österreich gehören.

Schlossweiher und -garten als Versorgungslieferant

Freisaal war neben den Hellbrunner Weihern und jenen in Glanegg, Rif, Liefering und dem Leopoldskroner Weiher eines jener Gewässer, in denen das Hoffischhaus seine Fangüberschüsse zwischenlagerte. Kleinere Fische aus hochgelegenen (Berg)Seen wurden hier zur Fanggröße herangefüttert.

Über etwa 350 Jahren bestand der Freisaaler "Kuchlgarten", der bis Anfang des 19. Jahrhunderts den fürsterzbischöflichen Hof mit Fischen, Obst und Felderträgen versorgte.

Aus der Zeittafel des Schlosses

Blick über den Weiher, der das Wasserschloss umgibt.
Das Wasserschloss im Winter.
Das Wasserschloss im Winter.
  • 1392: Mögliche Erwähnung des Schlosses im Lied W 7 des Mönchs von Salzburg.
  • 1452: Erste belegte Einritt eines neu gewählten Erzbischofs von Freisaal durch Sigmund I. von Volkersdorf.
  • 1786: Der Kämmerer und Vice-Oberstjägermeister Christoph Baron von Gemmingen bekommt Freisaal als Wohnsitz angewiesen.
  • 1809: Verpachtung des Erdgeschoßes und Gartens an den Strumpfhändler Joseph Götschner.
  • 1811: Verkauf an Schiffswirt Wolfgang Mayr in der Stadt Salzburg.
  • 1841: Verkauf an den Oberförster Anton Ritter von Koch-Sternfeld.
  • 1861: Verkauf an Anton Freiherr von Lilien und Gattin, geborene Freiin von Berwordt.
  • 1879: Verkauf an Leopold Müller in München.
  • 1880: Zunächst Übergang an Anna Flach aus München, dann Verkauf an Wilhelmine Fischer aus Marburg.
  • 1881: Zwangsversteigerung und Erwerb durch Erhart Hohenner.

Es folgen weitere Verkäufe und nochmals eine Zwangsversteigerung.

  • 1970: Das Land Salzburg erhält ein Vorkaufsrecht, das es aber nicht nutzt. Im selben Jahr wird ein Dokumentarfilm über das Schloss gedreht.
  • 1985: Peter Handke dreht im Schloss den Film "Das Mal des Todes".
  • 1988: Johann Linsmayr kauft das Schloss. Im selben Jahr kommt es zu Konflikten mit den Mietern.
  • 1995: Konkurs der Bauträgerfirma Linsmayr. Im selben Jahr entsteht ein Film zu einer Führung der Freunde der Salzburger Geschichte im Schloss.
  • 2006: Übernahme des Schlosses durch die SFS Immobilienverwaltungs GmbH & Co KEG.

Bilder

 Wasserschloss Freisaal – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Wasserschloss Freisaal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

Quellen

Einzelnachweise

  1. Als Zelter bezeichnete im Mittelalter ein leichtes Reitpferd oder Maultier, das den besonders ruhigen und für den Reiter bequemen Zeltgang (die Spezialgangarten Pass und Tölt) beherrschte, Quelle: Wikipedia Zelter
  2. Trabanten waren dienende Begleiter, Leibwächter zu Fuß und dienten teils als Schutzwache fürstlicher Personen und hoher Beamten, Quelle Wikipedia
  3. www.bda.at/Bundesdenkmalamt/Fürsteneinzug und Tugendspiegel/Die Restaurierung der Wandmalereien im Großen Saal von Schloss Freisaal bei Salzburg
  4. 2007 verstorben, er leitete 500 Publikationen, darunter 38 Tageszeitungen mit insgesamt 16 000 Mitarbeitern; zuletzt betrug der Jahresumsatz mehr als zwei Milliarden Euro,Quelle: Salzburger Nachrichten vom 29. August 2008