Neue Residenz

Aus Salzburgwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Neue Residenz vom Residenzplatz aus gesehen
Karte
Neue Residenz von der Festung Hohensalzburg
Neue Residenz, Innenhof
Tugendensaal
Die Stuckdecke im Tugendensaal
Gloriole im Gloriensaal
Ständesaal
Feldherrenzimmer
Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau (Mitte)
Bischofssaal
Die Neue Residenz ist eine der beiden historischen fürsterzbischöfliche Residenzen in der Altstadt von Salzburg. Sie befindet zentral an zwischen Mozart-, Residenzplatz und Kaigasse.

Geschichte

Aus seiner Errichtungszeit kennen wir die Gebäudebezeichnungen "Neupaw", "Neubau" oder "palazzo nuovo" (Vincenzo Scamozzi). Im Gebäude waren über Jahrhunderte Verwaltungseinrichtungen und das Landesgericht (bis 1909) untergebracht, worauf die lange Zeit gebräuchliche Bezeichnung "Dikasterialgebäude" zurückzuführen ist. Ab dem späten 19. Jahrhundert bürgerte sich der Name "Residenz-Neugebäude" ein. 2002 wurde es offiziell in Neue Residenz umbenannt.

Die Neue Residenz wurde von Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau errichtet. Schon 1588 hatte der Fürst mit der Demolierung der dortigen Bürger- und Domherrenhäuser begonnen. Die von Fürsterzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy in der alten Kirchgasse erst um 1580 fertig gestellte Salzburger Münze wurde ab 18. August 1605 abgerissen, um mit dem Neubau der Neuen Residenz beginnen zu können.

Die geplante Nutzung ist nicht genau bekannt. Anfangs diente die Neue Residenz wohl als Wohnsitz für die Brüder des Fürsterzbischofs und als repräsentative Herberge für fremde Fürsten. Vielleicht war dieses Gebäude auch als Ersatzquartier für den Fürsterzbischof während des langwierigen Umbaus der Alten Residenz gedacht. Der Bau erfolgte in mehreren Etappen und mit zahlreichen Planänderungen.

Ursprünglich befand sich der Turm an der Ostseite des Innenhofs, wurde dort verbaut und wohl noch unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich ein neuer Turm der Westfassade zum Residenzplatz vorgesetzt. Dieser Turm wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aufgestockt und dort ein in den Niederlanden erworbenes Glockenspiel eingebaut.

Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg ließ ab 1674 einen West- und einen Südflügel - die Hofbibliothek errichten. In diesen Anbauten befindet sich auch der Kuenburgsaal.

Fürsterzbischof Colloredo ließ 1786 das Zeughaus im Trakt an der Kaigasse räumen und diesen größtenteils zu Verwaltungsräumen umbauen.

Alte Ansichten

Prunkräume

In den Prunkräumem im zweiten Obergeschoß sind die Stuckdecken, die weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben sind, besonders sehenswert. Der gefärbte Stuck, in den vier Farben blau-grün-ockergelb-rotbraun, auf weißem Grund und schwarzen Linien, in allen Prunkräumen wird Elia Castello zugeschrieben, von dem auch die Gabrielskapelle im Sebastiansfriedhof stammt und ist mit der Jahreszahl 1602 (im Ständesaal, über der Tür) datiert .

Tugendensaal

Der Tugendensaal, der zwischen den zwei Repräsentationsräumen 'Gloriensaal' und 'Bischofssaal' gelegen ist und in dem ein Stiegenaufgang endet, hat die Funktion eines Vorzimmers (Antecamera). In der Stuckdecke sind sieben Tugenden als allegorische Figuren dargestellt. Es sind die drei christlichen Tugenden Glaube (lat. fides), Hoffnung (lat. spes) und Liebe (lat. caritas), sowie die vier Grundtugenden Gerechtigkeit (lat. iustitia), Mäßigung (lat. temperantia), Stärke (lat. fortitudo) und Weisheit (lat. sapientia). In symbolisch bester Gesellschaft präsentiert sind das Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau und das Salzburger Landeswappen.

Gloriensaal

Der Gloriensaal war ursprünglich wohl ein Empfangssaal, dessen Deckenstuck an die geistliche Autorität des Erzbischofs erinnern soll. Die Mitte der Decke schmückt eine quadratische Gloriole, in der Engelschöre um das hebräische Wortsymbol JHWH (Jahwe) herum schweben und Gott loben und preisen. In vier rechteckigen Stuckbildern, die seitlich die Gloriole umgegeben, sind vier Szenen von der Geburt Jesu dargestellt: Mariä Verkündigung durch den Erzengel Gabriel, Herbergssuche in Bethlehem, Geburt im Stall zu Bethlehem, Jesus wird von Maria und Josef in den Tempel gebracht, damit dieser von einem Hohen Priester beschnitten werde. Die Ecken sind mit Ranken aus Blumen- und Obstgirlanden, sowie Bändern verziert, die sich aus Vasen herausranken und mit Engelsköpfen und Serafinen (Engel mit weit schwingenden Flügeln) durchsetzt sind.

Ständesaal

In diesem großen Saal traten - erst nach dem Tod von Wolf Dietrich - ab 1620 die drei Salzburger Landstände, weshalb er bis heute den Namen "Ständesaal" trägt. Der Deckenstuck nimmt Bezug auf die weltliche Macht des Erzbischofs als Fürst. Die Bilder der Stuckdecke zeigen staatstreues und aufopferndes Verhalten aus der römischen Königsgeschichte nach Titus Livius: Horatius Cocles verteidigt die Tiberbrücke (Oval Mitte), Mucius Scaevola legt seine Hand ins Feuer und Opfertod des Marcus Curtius.

Feldherrenzimmer

Das Feldherrenzimmer zeigt um das Wappen von Wolf Dietrich von Raitenau herum vier Halbreliefe von Heerführern, die Wolf Dietrich als Vorbilder galten:

Karl der Große (784-814), Gottfried von Bouillon (um 1060-1100), Kaiser Karl V. (1500-1558) und Don Juan d'Austria (1547-1578)

Eine Besonderheit ist die Ausstattung des anschließenden Baderaumes mit farbigem Stuck und Mosaik. Ein Heizkessel im Nebenraum versorgte das Badezimmer mit Warmwasser.

Bischofssaal

Der Bischofssaal, mit einer Holzdecke und dem geschnitzten Wappen Wolf Dietrichs im Mittelfeld, bildete ursprünglich den Abschluss der fürstlichen Prunkräume auf der Westseite. Die heutige Bezeichnung des Saales kam erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf, nachdem man die Porträts der Fürsterzbischöfe von Markus Sittikus bis Hieronymus Graf Colloredo aus der alten Universität hier angebracht hatte.

Salzburg Museum

Hauptartikel Salzburg Museum

Heute beherbergt die Neue Residenz das Salzburg Museum , früher Salzburger Museum Carolino Augusteum, das in diesem Gebäude seit 1. Juni 2007 geöffnet ist. In der Neuen Residenz ist in einem getrennten Bereich am Residenzplatz auch das bekannte Sattler-Panorama zu sehen, das Johann Michael Sattler mit Hilfe von Friedrich Loos (Landschaft) und Johann Schindler (Figuren) malte. 1829 war das große Rundgemälde, das als Großbild die Architektur der Stadt und Umgebung der Zeit minutiös festhielt, fertig. Auf den Glockenspielturm bietet das Salzburg Museum jeden Donnerstag um 17:30 Uhr und jeden Freitag um 10:30 Uhr Führungen an.

Des weiteren befindet sich im Erdgeschoß zur Dom-Seite das Salzburger Heimatwerk.

Institutionen im Gebäude

Hier befindet sich das Hauptpostamt Salzburg (5010).

Bildergalerie

Bilder

 Neue Residenz – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Quellen

  • Beitrag Altstadt von Salzburg
  • Erich Marx, Peter Laub (Hg.), Die Neue Residenz in Salzburg, Jahresschrift des SMCA 47-48, 2001/2002, Salzburg 2003.