Rebeller, Opfer, Siedler

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Titelbild Buch Rebeller, Opfer, Siedler

Buchtipp Rebeller, Opfer, Siedler, die Vetreibung der Salzburger Protestanten.

Autor: Christoph Lindenmeyer
Verlag: Verlag Anton Pustet
Erscheinungsjahr: 2015
ISBN 978-3-7025-0786-2

Beschreibung vom Verlag

Mehr als 22 000 evangelische Bürgerinnen und Bürger des Kirchenstaats Salzburg verloren durch das Reichsemigrationspatent des ­Salzburger Fürsterzbischofs Firmian 1731 ihre Heimat. Nur eine kleine Gruppe war zur Übersiedlung nach Amerika bereit. In mehreren Transporten zogen die Salzburger erst staatenlos durch Deutschland. Das Spendenaufkommen und die Gastfreundschaft der Bevölkerung gegenüber den Vertriebenen waren unbeschreiblich groß. Ganz Europa nahm am Schicksal der Salzburger teil.

Anhand von Briefen, Tagebüchern des geistlichen Anführers der Vertriebenen, Johann Martin Boltzius, einem gebürtiger Norddeutscher, und anderer his­torischer Quellen zeichnet das Buch den Weg der aus Salzburg vertriebenen Protestanten und den Aufbau ihres neuen Lebens in Amerika nach, wo sie unter großen persönlichen Opfern ihre Stadt "Eben-Ezer" am Savannah-Fluss errichteten und eine bleibende Heimat fanden.

Rezension 1

Grausame Katholiken, hoffende Protestanten und ergreifende Zeitdokumente

Mit dem Reichsemigrationspatent vom 31. Oktober 1731 begann der leidvolle Exodus von rund 20 000 Salzburgern, die zum evangelischen Glauben konvertiert waren. Mit unglaublicher Argumentation (sie planen den Sturz des Fürsterzbischofs und schmieden Waffen in den Wäldern) und unvorstellbarer Brutalität (Folterung, Vertreibung vom Feld weg im Hemd wie sie dort angetroffen wurden und das Anfang Winter, Trennung von Ehepartnern und Kindern u. a.) griff Fürsterzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian gegen die „Teufeln“, die Andersglaubenden, durch. Katholische Pfarrer entlang des Weges bespuckten die Auswanderer, bayerische Orte verweigerten den Durchreisenden Wasser und Essen, verlangte überhöhte Nächtigungssteuern u. a.

Weil Kriegsgerüchte im Land Salzburg auftauchen, werden die Wachen verstärkt. Bauernhöfe werden nach Lutherischen Büchern durchsucht. Niemand der katholischen Bevölkerung bezweifelt, dass die „lutherischen Höllenhunde“ den Untergang des Salzburger Staates vorbereiten. Evangelische Mütter versuchen verzweifelt, ihre Kinder mitnehmen zu können, die der Fürsterzbischof ihnen wegnahm, um sie „im rechten Glauben“ erziehen zu lassen. Bauern müssen ihre Höfe verlassen ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten. Sie sind Rebellen in den Augen des Fürsterzbischofs und müssen aus dem Land, schnell. Fürsten, Könige aus ganz Europa protestieren, der Kaiser in Wien will es sich nicht mit dem Fürsterzbischof vertun und schweigt.

Der Autor schildert an Hand von zeitgenössischen Dokumenten einerseits die mühevolle Wanderung aus dem Salzburger Erzstift nach Ostpreußen, wo ihnen König Friedrich Wilhelm I. eine neue Heimat angeboten hatte. Andererseits berichtet der Autor, gestützt auf die Tagebücher des Johann Martin Boltzius, der als evangelischer Seelsorger die Salzburger nach Amerika begleitete, vom schwierigen, fast aussichtslosen Aufbau der Salzburger Kolonie Eben-Ezer in Georgia. Die englische Krone hatte die Ausreise der Salzburger nach Georgia ermöglicht.

Es ist kein Buch, das auslegt oder interpretiert, sondern aufgrund von Tatsachenberichten die Vertreibung und Neubeginn der Salzburger Protestanten schildert. Die Informationen stammen aus den Tagebüchern Boltzius, der diese regelmäßig nach Deutschland an Samuel Urlsperger in Augsburg schickte. Urlperger war in England Hofprediger gewesen und hatte großen Einfluss in London und sammelte unermüdlich Geld für die Salzburger in Amerika.

Der Leser erlebt die Verzweiflung der Siedler in Eben-Ezer, wenn wieder die Ernte durch Sturm oder Hochwasser verdorben, die kleinen Kuhherden durch Wölfe oder Bären dezimiert wurden und durch das ungute Klima ein Salzburger nach dem anderen stirbt. Sie überlebten nur durch vom Gouverneur zugeteilte Essensrationen und ihrem eisernen Willen, dem Urwald fruchtbaren Boden abzugewinnen. Der Stil des Buches wechselt zwischen sachlich beschriebene Fakten und Begebenheiten und Originalausschnitten aus den Tagebüchern von Boltzius. Letztere sind mitunter etwas mühsam zu lesen, da Schreibweise und Ausdrucksweise im 18. Jahrhundert von heutigen manchmal sehr voneinander abweichen.

Das Buch schildert ungeschönt das wahrscheinlich dunkelste Kapitel in der Salzburger Geschichte, in der Geschichte der katholischen Kirche in unserem Land. Es ist kein Buch, das man sofort in einem Zug liest. Ich habe immer nur ein oder zwei Kapitel gelesen und erst Tage später wieder weitergelesen. Auf jeden Fall ist es ein aussagekräftiges und erschütterndes Buch mit vielen Details.

Rezension 2

Protestanten – im Erzbistum Salzburg unerwünscht

Die gesamte Menschheitsgeschichte ist geprägt von der Emigration einzelner Bevölkerungsgruppen oder ganzer Völker. Auch die aktuellen Ereignisse rund um die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten zeigt diese historische Tatsache auf tragische Weise.

Keine Ausnahme dabei bildete auch Salzburg oder vielmehr das ehemalige Erzbistum Salzburg. Hier kam es vor rund 300 Jahren zu einer Massenemigration, die nicht gerade ein rühmliches Licht auf die Geschichte des Fürsterzbistums wirft. Unter Erzbischof Firmian mussten im Jahr 1731 über 22.000 evangelische Salzburger das Land verlassen. Ungefähr 300 von ihnen emigrierten nach Nordamerika und siedelten sich in der Neuen Welt in der Nähe von Savannah in Georgia an. Diesen 300 zur Auswanderung gezwungenen Salzburgern hat Christoph Lindenmeyer mit seinem Buch „Rebeller, Opfer, Siedler – die Vertreibung der Salzburger Portestanten“ nach beinahe 400 Jahren eine Stimme gegeben. Auf anschauliche und eindringliche Weise schildert der Autor die schwierige Situation der Protestanten in Salzburg und wie sie letztendlich dazu gezwungen wurden, das Erzbistum zu verlassen. Sie mussten alles zurücklassen, wobei es heutzutage schier unglaublich erscheint, dass sie ihre eigenen Kinder nicht mitnehmen durften und diese bei neuen Familien in Salzburg blieben.

Zudem berichtet Christoph Lindenmeyer, mit welchen Problemen die Auswanderer in ihrer neuen Heimat Amerika zu kämpfen hatten und wie sie den Alltag trotz aller Widrigkeiten meisterten. Der Autor begab sich anhand von Briefen, Tagebüchern und weiteren historischen Quellen auf die Spur der vertriebenen Salzburger Protestanten und ihres Schicksals. Es gelingt ihm, ein realistisches Bild der Verhältnisse im Salzburg des frühen 18. Jahrhunderts sowie der Bewältigung des neuen Lebens der Vertriebenen jenseits des Atlantiks zu zeichnen.

Ein hochinteressantes Buch für jene, die etwas über ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Salzburger Erzbistums erfahren wollen. Aber auch für all jene, die einfach eine spannende Lektüre zu schätzen wissen.

Quellen

  • Verlag Anton Pustet
  • Rezension 1 von Peter Krackowizer
  • Rezension 2 von Diego Alterbach