Severin

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Darstellung des Severin von Noricum. Detail aus dem Severinaltar in Neapel, um 1470
„Predigt des heiligen Severin“ von Sebastian Stief, 1863
Steinguss-Statue des heiligen Severin an der Tauglbrücke, die 1954 von Hans Pacher geschaffen wurde

Severin von Noricum (Severinus; * um 410; † 8. Jänner 482 in Favianis, vermutlich dem heutigen Mautern bei Krems, Niederösterreich) war ein Heiliger, der als Missionar und Klostergründer in Noricum wirkte.

Vita sancti Severini

Die bedeutendste Quelle über sein Wirken ist die Vita sancti Severini ("Das Leben des heiligen Severin") von Eugippius, einem Abt aus einem Kloster, das Severin gründete. Die Vita liefert wertvolle sozialgeschichtliche Informationen, doch wird ihre Glaubwürdigkeit in der Forschung teilweise skeptisch beurteilt.

Eugippius

Der Verfasser der Lebensbeschreibung schrieb diese 511 im Kloster Lucullanum bei Neapel – fast 30 Jahre nach Severins Tod 482. Der wohl aus einer römischen Familie stammende Eugippius trat in die von Severin gegründete Gemeinschaft von Favianis/Mautern (NÖ) ein und übersiedelte 488 mit der Klostergemeinschaft nach Italien, unter Mitnahme des Leichnams Severins, wie dieser es angeordnet hatte. Der Vorgänger des Eugippius als Abt der Mönchsgemeinde in Lucullanum hieß Marcianus, laut „Vita“ ein Bürger von Cucullis (Kuchl), der später Priester und Abt wurde. 902 wurde Severins Leichnam nach Neapel umgebettet, seit 1807 ruhen seine Gebeine in Frattamaggiore nördlich von Neapel.

Leben

Aus verschiedenen Indizien lässt sich schließen, dass Severin aus einer vornehmen italienischen Familie stammte. Seine Ausbildung als Mönch erhielt er im Osten des Reichs. 453 kam er von Pannonien nach Ufernoricum (das römische Gebiet nördlich der Ostalpen bis zur Donau), das zu jener Zeit bereits durch den Zerfall des Weströmischen Reiches infolge der Völkerwanderung bedroht war. Severin hielt sich hauptsächlich im Donauland zwischen Carnuntum im Wiener Becken und der Gegend von Passau auf. Severin sei am Ende des Weströmischen Reiches nicht nur Vertrauensperson gewesen, sondern sogar Hoffnungsträger: Im Kapitel 11 der Vita wird erwähnt, dass die einzelnen Ortschaften Severin „um die Wette zu ihrem Schutz zu sich einluden; sie glaubten nämlich, ihnen werde kein Unheil widerfahren, wenn er anwesend sei.“

Severin hatte in Zeiten äußerster Not die Christen der Donauländer mit aller Kraft unterstützt – als Persönlichkeit von hoher Bildung und streng asketischer Lebensführung, als früherer Spitzenmann am römischen Kaiserhof, der 461 nach der Hinrichtung Kaiser Majorians nach Oberägypten floh, seine Bekehrung erlebte und 467 wieder nach Noricum kam, anfangs noch in amtlicher Mission.

Nach dem Ende des Reichs 476 wurde er geistliches Oberhaupt und weltlicher Führer der hart bedrängten Bevölkerung von Ufer-Noricum, die unter Germaneneinfällen, herumziehenden Räuberbanden und materieller Not zu leiden hatte. Selbst weder Priester noch Mönch, gründete er Mönchsniederlassungen, als wichtigste Favianis (Mautern), die als Verwaltungszentren, Magazine, Hospitäler usw. dienten.

In Favianis ist er auch gestorben, beim Abzug der romanischen Bevölkerung wurden seine Gebeine nach Italien mitgenommen. Seit 1807 liegen die Gebeine Severins in der Pfarrkirche von Frattamaggiore in Kampanien, Italien.

Severin und Salzburg

Unter den 45 Kapiteln der „Vita Severini“ fällt auf, dass neben „Tatorten“ des Severin zwischen Passau und Wien nur zwei „Kastelle“ in „Binnennoricum“ erwähnt werden, und zwar in den Kapiteln 11 und 12 Cucullis (Kuchl) und in den Kapiteln 13 und 14 eine Klosterkirche „nahe der Stadt Juvao“ (Iuvavum - Salzburg). Franz Ortner nennt diese vier Kapitel „die schönsten Zeugnisse für das frühchristliche Leben in Salzburg“.

Die beiden Kapitel über Severin in Kuchl, er kam „gerufen durch die Verehrung, welche die Einheimischen für ihn hatten“, berichten vom „Kerzenwunder“, bei dem die Bürger, die noch an alten „frevelhaften Opferbräuchen“ festhielten, „durch ein Gottesurteil bezeichnet wurden“. Im nächsten Kapitel wird beim „Heuschreckenwunder“ über einen Bauern berichtet, der sich vom Gebet abwendet, seinen von den Heuschrecken kahlgefressenen Acker vorfindet und reumütig auf Initiative Severins die Hilfe seiner Mitbürger erfährt.

Wunder

Lichtwunder

Severin erfuhr, dass ein Teil der Bevölkerung um Kuchl noch immer heidnischen Bräuchen anhing. Er versuchte mit vielen Ansprachen dies zu ändern und schließlich forderte er ein dreitägiges Fest, zu dem aus allen Häusern Kerzen gebracht und an den Kirchenwänden befestigt werden müssten. Nach Psalmengesang und inbrünstigem Gebet ...wurde plötzlich der größte Teil der Kerzen, welche die Gläubigen herbei gebracht hatten, durch göttliche Fügung entzündet; unangezündet blieb hingegen der Rest der Kerzen, nämlich die jener Leute, die den erwähnten heidnischen Riten verfallen waren, dies aber in dem Wunsche, unbekannt zu bleiben, geleugnet hatten...[1].

Heuschreckenwunder

Die Bewohner von Kuchl erfuhren von einer drohenden Heuschreckenplage und Severin riet der Bevölkerung, sich in der Kirche zu versammeln: ...keiner soll auf sein Feld hinausgehen, als ob er durch menschliches Bemühen den Heuschrecken Einhalt gebieten könnte, damit Gottes Unmut nicht noch mehr herausgefordert wird". Bis auf einen Mann folgten auch alle diesem Rat. Dieser arme Mann, der voll Angst den ganzen Tag mit größtem Eifer die über seinem kleinen Acker schwebende Wolke von Heuschrecken verscheuchte war aber der einzige, dessen Feld bis auf den Grund kahlgefressen war, dagegen alle umliegenden Saatfelder unversehrt blieben[1].

Im Kuchl von heute

Mehrfach wird in Kuchl an den heiligen Severin erinnert: In der Pfarrkirche hängt das Bild, das Sebastian Stief 1863 geschaffen hat, an der linken Wand im rechten Seitenschiff, von dem auch der Abgang in die Severin-Krypta führt. Pfarrer Gerhard Mühlthaler schätzt diese als Raum des Gebets besonders. Josef Zenzmaier schuf 1960 das Relief „Predigt des hl. Severin“ an der Salzachbrücke, Hans Pacher schuf 1954 die Steinguss-Statue des Heiligen an der Tauglbrücke, die gerade restauriert wird.

Im Museum Kuchl wurde auf Initiative von Museumsvereins-Obmann Josef Egger ein Raum für „die Römer in Cucullis“ gewidmet, darin findet sich auch mancher Hinweis auf den hl. Severin, u.a. ein Modell der frühchristlichen Kirche des Kastells auf dem Georgenberg. Egger ist Severins Wahlspruch „Faste, bete, sei barmherzig!“ besonders wichtig.

Severin, sein Leben und sein Werk genießen in Wien und Mautern, in Enns/Lorch und Passau besondere Aufmerksamkeit. In der Stadt Salzburg wurde 2006 die Pfarrkirche St. Severin im Stadtteil Langwied dem „Apostel Noricums“ geweiht.

Gedenktag und Verehrung

  • Katholisch: 8. Jänner (Nicht gebotener Gedenktag im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet)
  • Severin gilt als Schutzpatron von Bayern, der Gefangenen, Winzer und Leinenweber sowie für Fruchtbarkeit der Weinstöcke. *Außerdem ist er Diözesanpatron von Linz.
  • Besonders gefeiert wird sein Gedenktag im Stadtteil Heiligenstadt im Wiener Bezirk Döbling.

Weblinks

Literatur

  • Gerhard Ellert: Der Goldschatz im Römerlager, (Jugendbuch)-leider nur mehr antiquarisch
  • Wolfgang Kauer: Venezianische Maskenkomödie, Schlüsselgeschichte mit dem hl. Severin
  • In: Funken regen. Historische Prosa und filmisches Epos. Arovell Verlag Salzburg/Gosau/Wien 2010

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Quelle Buch von Ernst Penninger, Georg Stadler Hallein, Ursprung und Geschichte der Salinenstadt, bearbeitet von Pert Peternell, 1970, Salzburger Nachrichten Verlag