Votiv

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Diverse Votive, Wallfahrtsmuseum Maria Kirchental

Neben Votivtafeln geben mitgebrachte Gegenstände der Wallfahrer Zeugnis von der erlangten Gebetserhöhrung. Sie wurden aufgrund eine Gelübdes bzw. Verlöbnisses als Opfer dargebracht, oder aufgrund der wundersamen Errettung aus einer Notlage oder eines heil überstandenen Unfalls. Dieser Gegenstand wird Votiv oder Votivgabe genannt, der Überbringer des Gegenstandes Votant, ein diesbezügliches Verlöbnis Votation. Ein Votiv wurde früher meist öffentlich im Rahmen einer Zeremonie im Zuge einer Wallfahrt überbracht, bei der die Wallfahrtskirche und der Gnadenaltar umrundet, und das Votiv dabei ‚geopfert‘ wurde.
Votivgaben waren in Wallfahrtskirchen früher massenhaft vorhanden gewesen. Eine erste Vernichtungswelle von Votiven setzte in der Zeit der Aufklärung unter Erzbischof Hieronymus ein, aber noch bis in die 1950er-Jahre waren einzelne Wallfahrtsstätten voll mit Votivgegenständen. Sie wurden Opfer von Souvenierjägern, oder im Zuge von Kirchenrenovierungen entsorgt, da das Verständnis für dieser Art der Volksfrömmigkeit abhanden gekommen war. Spärliche Reste aller Art von Votiven sind nur mehr museal in Sammlungen bzw. Volkskundeabteilungen vorhanden, vor allem in Berlin, Nürnberg, München, Wien und Salzburg.

Identifikationsopfer

Identifikationsopfer sind Gegenstände, die mit dem Leiden der hilfesuchenden Person zusammenhängen. Sie können aus edlem Metall, Eisen, Holz, Ton oder Wachs bestehen und beziehen sich auf die Körperteile, die geheilt wurden. Dazu gehören z. B. Fruchtbarkeitsvotive, die in Form einer Kröte dargebracht wurden. In Maria Kirchental hat sich eine Votivkröte erhalten, sie ist aus getriebenem Silber, ziseliert und stammt aus der Zeit um 1850; wenn eine Ehe kinderlos blieb, so opferten Frauen Kröten, denn man hielt die Gebärmutter für ein Tier, das im Körper hin und her wandert.
Suchte man die Kinderlosigkeit beim Mann, wurden Morgensterne geopfert, aber auch Amulette aus Marderknochen getragen, denn diese stärkten im Volksglauben die Manneskraft.
Zur Erleichterung der Geburt wurden der Wöchnerin ein Malachitkreuz oder ein herzförmiger Malachit aufgelegt und nach überstandener Geburt in der Wallfahrtsstätte geopfert. Da Malachit im damals salzburgischen Kirchberg bei Kitzbühel gewonnen wurde, waren diese Gebäramulette aus Malachit in der Gegend um Kitzbühel (Dekanat St. Johann in Tirol) verbreitet.[1]

Krankheitsvotive

Als Ausdruck der Dankbarkeit über die Heilung eines Körperteils oder Organs brachten Votanten Nachbildungen derselben bei einer Wallfahrt mit, z. B. geschnitzte Extremitäten (Arme und Beine, erhalten in Maria Hollenstein, Kendlbruck) oder geschnitzte Lungen (erhalten in Maria Kirchental), aber auch Holzkrücken. Von großer Seltenheit sind Tonkopfurnen, die zur Heilung von Kopfleiden, Geisteskrankheiten oder der Fraisen verehrt wurden (erhalten in der Kolomanskirche und in St. Alban).
Gegen Kopfschmerzen stand in Mehrn (Brixlegg) nebst eine Heilquelle in der Bartholomäuskirche (das Vierzehn Nothelfer Wasser hinter dem Altar)[2] eine geschnitzte Johanneshauptschüssel in kultischer Verehrung: diese wurde in schweren Fällen mit dem Kopf berührt und um den Altar getragen.
Verbreitet waren auch Weihegeschenke in der Form eines mit Salz gefüllten und umwickelten Löffels: Löffelopfer hatten bei Hals- Mund oder Zahnschmerzen geholfen.
Bis in die Zeit um den 1. Weltkrieg waren gegen Kopfschmerzen auch kunstvoll geflochtene Haaropfer gebräuchlich, die in Glaskästen verehrt wurden.[3]

Eisenvotive

Votivgaben, St. Leonhard am Wonneberg, vor 1496

Votive zum hl. Leonhard waren häufig geschmiedetes Eisen in Form von Ketten, da der hl. Leonhard als Kettenlöse, als Befreier aus Gefangenschaft verehrt wurde.[4] Das verehrte Eisen wurde auch anders dargebracht: da der hl. Leopold aus Schutzpatron der Nutztiere, insbesondere der Hauspferde galt, in Form von Hufeisen, aber auch eherne Sporen, Schlüssel, Haken etc. (erhalten u.a. in Wonneberg und St. Leonhard ob Tamsweg)

Lebende Tiere

Votive für die Wiederbelebung toter Kinder, Fraisen und Epilepsie waren auch lebende Opfer, insbesondere schwarze Hühner, die während der Messe von den Votanten dreimal um den Hochaltar getragen wurden. In Großgmain sperrte man sie dann hinter dem Altar in eine hölzerne Voliere. Der Brauch hielt sich dort bis 1870, später, bis um 1900, wurde es üblich, die ‚geopferten‘ Hühner gleich im Pfarrhof abzuliefern.[5] In Maria Kirchental wurden auch Kühe und Kälber geopfert.[6]

Wachsvotive

Da Wachs ein wertvoller Stoff war, waren Wachsvotive stark verbreitet. Diese Votive wurden später häufig eingeschmolzen und zur Kerzenproduktion verwendet, weswegen nur wenige erhalten geblieben sind. Im Schwange waren auch sog. Gewichtsopfer aus Wachs: die geheilte Person spendete eine Wachskerze in Höhe ihres Eigengewichtes. Begüterte Gläubige ließen sich als Gewichtsopfer manchmal selber modellieren.

Amulette und Talismane

Menschen, die an einem Wallfahrtsort Heil suchten und fanden, wollten durchwegs auch Mitbringsel von diesem mit nach Hause nehmen. Oft waren das Miniatur-Nachbildungen des Gnadenbildes, oft aus Metall gegossen, emailliert oder in Silber gefasst. An den Verkaufsständen der Wallfahrtsorte wurden auch Amulette angeboten, das bekannteste ist das Wolfgangshackl, eine Nachbildung der Hacke, die der hl. Wolfgang der Legende nach geworfen hat.

Quellen

  • Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958.
  • Neuhardt, Johannes: Die Wallfahrt im Leben der Christenheit, in: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, hg. von Johannes Neuhardt (Katalog der 11. Sonderschau des Salzburger Dommuseums), Salzburg 1986, S. 7–20.
  • Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982.

Einzelnachweise

  1. Johannes Neuhardt: Die Wallfahrt im Leben der Christenheit, in: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, Salzburg 1986, S. 13.
  2. Wikipedia, Mehrner Heilquelle: [1], aufgerufen am 23. Juli 2017.
  3. Johannes Neuhardt: Die Wallfahrt im Leben der Christenheit, in: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, Salzburg 1986, S. 14.
  4. Klaus Beitl: Der Kult des hl. Leonhard zu Tamsweg und seine Ausstrahlung. In: 550 Jahre St. Leonhard 1433–1983 - Tamsweg, hg. von Georg Neureiter (2. Auflage), Tamsweg 1987, S. 72.
  5. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 165.
  6. Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Wien 1958, Band 5, S. 169f.