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Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg

St. Leonhard, Ansicht von Marktplatz in Tamsweg aus
St. Leonhard, 1421 auf dem Wacholderstrauch aufgefunden
Goldenes Fenster: „Apostelmühle“, 1434 von Konrad Heltzler gestiftet
Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg, Blick von der Empore in das Kircheninnere
Johann Dummel-Orgel
Westempore, darüberliegend die Musikempore
Tamsweg mit der Leonhardskirche
Kirchenfenster
Mesnerhaus

Die Wallfahrtskirche Sankt Leonhard ob Tamsweg[1] ist eine Wallfahrtskirche in der Marktgemeinde Tamsweg im Lungau.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Patroziniumsfest wird am 6. November, dem Leonharditag, begangen, an dem an den hl. Leonhard von Limoges erinnert wird und der Tamsweger Leonhardiritt stattfindet.

Geschichte

Legende und Wallfahrt

1421 setzte mit dem Verschwinden und einer wundersamen Wiederfindung einer Leonhardsfigur am Fuße des Schwarzenberges bei Tamsweg eine Wallfahrtsbewegung ein. Diese Figur war drei Mal aus der Pfarrkirche Tamsweg auf den Schwarzenberg an dieselbe Stelle am Bühel ‚zurückgekehrt‘, wo sie auf einem Wacholderstrauch zwischen zwei Lärchen gefunden wurde, womit der „heilige Ort“ angezeigt war[2] Sie führte Anfangs zum Bau der Kapelle. Die Einnahmen aus dem Zustrom an Wallfahrern ermöglichte später den Bau eines gotischen Bauwerks, das am 20. September 1433 von Bischof Johann Ebser von Chiemsee geweiht wurde.

Baugeschichte

Sie wurde ab 1430 von Baumeister Peter Harperger aus der Stadt Salzburg erbaut und ist eine der wenigen rein gotischen Sakralbauten im Land Salzburg. Aus Angst vor den beginnenden Türkeneinfällen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche zudem eine Befestigungsmauer.

In 17 von 19 Fenstern sind gotische Glasmalereien zu sehen,[3] die aus verschiedenen Teilen Österreichs stammen. Das so genannte „Goldene Fenster“, ursprünglich mittig im Chorabschluss, seit 1912 seitlich im Chor eingebaut[4], hatte um 1440 Erzbischof Johann II. von Reisberg gestiftet, in einer der Glasscheiben ist sein Porträt zu erkennen[5].

Im Lungau waren die Lehren Martin Luthers früh verbreitet gewesen, erste Hinweise datieren aus dem Jahre 1534. In späterer Folge übernahm daher 1633 der Kapuzinerorden die Seelsorge im Lungau, um die Bevölkerung dauerhaft zu rekatholisieren[6]. Die Kapuziner wollten offenbar einer wesentlichen Forderung des Trienter Konzils, nämlich die einer sinnfälligen Anbetung des Herrn im Sakrament, nachkommen. Dabei sollte die siegreiche Wahrheit einen solchen Triumph über Lüge und Häresie feiern, daß ihre Gegner, in dem Anblick eines so großen Glanzes und in eine so große Freude der gesamten Kirche versetzt, entweder entkräftet und gebrochen dahinschwinden oder von Scham erfüllt und verwirrt irgendwann einmal wieder zur Einsicht kommen[7]. Vermutlich in diesem Sinne kam es in der Folgezeit zu einer Umgestaltung des Inneren der Kirche, und damit einhergehend auch zu einer Änderung in der musikalischen Praxis in St. Leonhard: 1676 sorgten die dafür zuständigen Mitglieder des Kapuzinerordens dafür, dass die Orgel auf die Westempore übertragen wurde. Sie verlor dadurch ihren hervorgehobenen Standplatz am Triumphbogen, wo heute der nördliche Seitenaltar steht[8]. Schon 1659 hatte der Tischler und Mesner Ulrich Seitlinger, der 1626 an der Vergrößerung der Orgel mitgewirkt hatte[9] mit der Errichtung eines neuen Hochaltares begonnen[10], dessen Entwurf von dem Salzburger Bildhauer Jakob Gerold stammt. Im Weiteren wurden 1676 am sogenannten Triumphbogen zwei Altäre aufgestellt[11], deren Entwürfe von Georg Haim stammen und die von Jakob Seitlinger getischlert wurden.[12].

In mehreren Bauetappen wurde die Wallfahrtskirche von 2007 bis 2012 aufwändig renoviert.

Personen

Der Maler Gregor Lederwasch I. und Begründer der Malerfamilie Lederwasch war seeit 1665 Mesner. Dieses Amt wird bis heute von den Nachfahren der Familie Lederwasch bekleidet. Aktuell ist Marianne Resch Mesnerin.

Orgel

Die Orgel wurde 1838 von Johann Dummel aufgestellt. 1840 ließ der Pfleger von Tamsweg, Karl von Kürsinger, die Orgel von zweÿ Schullehrern, nämlich Jakob Elmauthaler von St. Michael und Franz Wimmer aus Zederhaus, aufs genauste untersuchen[13]. In ihrer Beurteilung des Instruments vom 6. Dezember 1840, die ungünstig ausfiel, gaben sie die Disposition wie folgt wieder[14].

Disposition

Manual: (56 Tasten C–g3)
Prinzipal 8'
Gampa 8'
Coppel 8'
Flöte 4'
Vocara 4'
Spitzflöte 4'
Quint 3'
Octav 2'
Mixtur IV 2'
Pedal: (18 Tasten C–f0)
Subbass 16'
Octav Bass 8'
Violon Bass 8'
Pedalkoppel

2005–2007 wurde sie von Orgelbau Walter Vonbank restauriert.[15]

Bruderschaft

Seit 1434 ist die Bruderschaft Corporis-Christi an der Wallfahrtskirche nachgewiesen, die 1989 eine Wiederbelebung erfuhr. Es entwickelte sich noch eine zweite Bruderschaft, die St.-Leonhards-Bruderschaft, der bis zum Ende des 15. Jahrhunderts knapp 4 800 Mitglieder angehörten.

Erreichbarkeit

Von der Umfahrungsstraße von Tamsweg zweigt in der Nähe des Bahnhofes eine kleine, schmale und steile Straße ab zur Wallfahrtskirche. Nicht geeignet für Busse. Zu Fuß geht man etwa 30 Minuten.

Siehe auch

Bilder

  Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
  Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Literatur

  • Dehio Salzburg Wien 1986
  • Beitl, Klaus: Der Kult des hl. Leonhard zu Tamsweg und seine Ausstrahlung, in: 550 Jahre St. Leonhard 1433–1983 – Tamsweg, hg. von Georg Neureiter, Tamsweg 1987 (2. Auflage), S. 69–73
  • Dopsch, Heinz: Salzburg im 15. Jahrhundert, in: Geschichte Salzburgs. Stadt und Land, hg. von Heinz Dopsch, Salzburg 1983 (2. verbesserte Auflage), Bd. I, 1. Teil
  • Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958
  • Hatheyer, Valentin: Das 500jährige Jubiläum der Kirche St. Leonhard ob Tamsweg, in: Festschrift 1433–1933. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, 15.–16.–17. September, Tamsweg 1933, S. 2–41
  • Hatheyer, Valentin: Die protestantische Bewegung im Lungau und das Kapuzinerkloster in Tamsweg, in: Jahresbericht des f.e. Gymnasiums am Collegium Borromäum, hg. vom f.e. Kollegium Borromäum, 53. Jg. (1902)
  • Kretzenbacher, Leopold: Die Verehrung des hl. Leonhard in Europa, in: 550 Jahre St. Leonhard 1433 – 1983 – Tamsweg, hg. von Georg Neureiter, Tamsweg 1987 (2. Auflage), S. 45–68
  • Österreichische Kunsttopographie 22: Die Denkmale des politischen Bezirkes Tamsweg in Salzburg (ÖKT 22), Wien 1929
  • Rukschcio, Beate: Die Glasgemälde der St. Leonhardskirche ob Tamsweg/Lungau, Salzburg. in: Das Münster. 27, 1974, S. 411–413
  • Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0 (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Universität Mozarteum 2012).
  • Zaisberger, Friederike: Das Bruderschaftsbuch von St. Leonhard ob Tamsweg 1446 – 1482, in: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 75–80

Quellen

Weblink

Einzelnachweise

  1. die richtige Bezeichnung lt. Internet-Recherchen u. a. mit Quelle www.tamsweg.info
  2. Assmann, Dieter: Wallfahrten in der Erzdiözese Salzburg – ein volkskundlicher Überblick, in: Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch, hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 23.
  3. Beate Rukschcio: Die Glasgemälde der St. Leonhardskirche ob Tamsweg, in: 550 Jahre St. Leonhard 1433–1983 - Tamsweg, hg. von Georg Neureiter, (2. Auflage Tamsweg 1987), S. 87.
  4. Restauration der Filialkirche St. Leonhard 1909–1913; AES: Kasten 9, Fach 56, Faszikel 12.
  5. Johannes Neuhardt: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg, München und Zürich 1982, S. 113.
  6. Hatheyer, Valentin: Festschrift 1433 – 1933, 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 29
  7. Konzil von Trient: Dekret über das Sakrament der Eucharistie. Zitat nach: Denzinger, Heinrich: Kompendium der Glaubensbekenntnisse in kirchlichen Lehrentscheidungen, Nr. 1644, verbessert hg. von Peter Hünermann, 1991 (37. Auflage), S. 531. Zitat nach: Klieber, Rupert: Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient. Ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburg (1600 – 1950), Wien 1997, S. 82
  8. Roman Matthias Schmeißner: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 344
  9. Hatheyer, Valentin: Festschrift 1433 – 1933. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 29
  10. ebenda, S. 9
  11. AES: Kasten 9, Fach 57, Faszikel 7 (Teil 2), betreffend Tamsweg/St. Leonhard (Moosham, 14. Jänner 1676)
  12. Hatheyer, Valentin: Festschrift 1433 – 1933. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 10
  13. SLA, Kreisamt, Karton 577, Faszikel 637/II, betreffend Tamsweg/St. Leonhard, Nr. 111. IV 3. XX, zitiert nach: Schmeißner,, Roman Matthias: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 292f
  14. Das Gebläse ist sehr schwer aufzuziehen; […] Das Manual geht sehr tief und stark, so daß fast unmöglich schnell eine Tonleiter ordentlich zu spielen ist. Was die Stimmung betrifft, so stimmen die Register weder einzeln noch zusammen rein, und die Orgel stimmt auch um einen viertel Ton tiefer als Grenzton. […] Die Orgel hat mit vollen Registern einen hauchenden, rauhen Ton und der Zahl der Register gemäß, wenig Stärke. Die ganze Orgel ist sehr nachlässig ausgeputzt, während der Untersuchung mußte 2 Mal eine Leiter genommen werden, um aus den Ventillen die Scharten und Fasern zu räumen, wodurch das Fortpfeifen verursacht wurde. Auch das Pedal blieb bei der Untersuchung stecken […] In: Pfarrarchiv Tamsweg, St. Leonhard, Orgel, zitiert nach: Schmeißner, Roman Matthias: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 311f.
  15. Fotos und Disposition auf der Website von Walter Vonbank Orgelbau, abgerufen am 23. März 2014.