Friedrich Idam

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Dipl.-Ing. Dr. Friedrich Idam (* 1962) ist UNESCO-Beauftragter für das Weltkulturerbe Salzburger Altstadt.

Leben

Idam absolvierte in Hallstatt eine Ausbildung zum Holzbildhauer. Ab 1980 arbeitete er hier als Totengräber. 1987 legte er die Studienberechtigungsprüfung ab und absolviert danach an der Technischen Universität Wien ein Architekturstudium mit dem Schwerpunkt Denkmalpflege und im Anschluss an dieses ein Doktoratsstudium im Bereich der Industriearchäologie (Promotion 2003).

Neben einer freiberuflichen Tätigkeit in den Bereichen architektonische Baudenkmalpflege und Bauphysik unterrichtet er als Professor an der Höheren technischen Bundeslehranstalt für Möbel- und Innenraumgestaltung in Hallstatt mit dem Schwerpunkt Holz-Restauriertechnik sowie mit einem Lehrauftrag an der Universität Salzburg.

Seit 2013 ist er ständiges Mitglied des Denkmalbeirates beim Bundesdenkmalamt, seit 2015 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Denkmalpflege und seit 2016 Mitglied der Beobachtergruppe von ICOMOS Österreich mit Zuständigkeit für die Salzburger Altstadt.

Porträt

Haben wir das Bauen verlernt?

Ja, sagt Friedrich Idam. Er ist der neue Beauftragte der UNESCO für das Weltkulturerbe Altstadt und geht mit moderner Architektur hart ins Gericht.

Friedrich Idam ist ein Herr, der immer freundlich schaut. Auch wenn er etwas sagt, lächelt er, und wirkt wie ein Mensch, der sich in allen Dingen zurückhält und nicht gern in der ersten Reihe steht.

Nun aber ist der Hallstätter offizieller UNESCO-Beauftragter für das Welterbe Salzburger Altstadt, und die Verteidigung dieses Welterbes ist kein Auftrag für konfliktscheue Wegducker. Bei einem Spaziergang durch die Salzburger Altstadt wird dann auch nach wenigen Minutenklar, wie viel Kampfgeist in dem höflichen 54-Jährigen steckt, der nicht nur Architekt ist. Sondern auch Industriearchäologe und Holzbildhauer, und der sogar einmal als Totengräber gearbeitet hat.

Besagter Spaziergang mitten durch die Architekturjuwele Salzburgs ist Teil der heurigen Sommerakademie, mit von der Partie sind neben Studenten etwa Tourismusforscher Kurt Luger, die Salzburger Kunsthistorikerin Jana Breuste und Architektin Heide Mühlfellner – sie hat etwa den Umbau der Neuen Residenz und des DomQuartiers mitgestaltet.

Zu Beginn wandert das Grüppchen durch das Foyer der Geisteswissenschaften der Universität Salzburg am Rudolfskai. Da ist das alte Gebäude der Handelsschule, an das rückwärtig ein moderner Trakt angebaut wurde. Es geht durch den Innenhof der Neuen Residenz, hinauf auf die Dachterrasse der Neuen Residenz, durch die Bürgerstadt, hinauf zur Festung. Man wandelt zwischen der Baukunst vergangener Jahrhunderte – und diskutiert doch stärker über die großen Bauprojekte der Moderne, die in Salzburg stets so umstritten waren.

Das geplante Hallenbad neben dem Kongresshaus. Die heiß umfehdete Bebauung des Dr.-Franz-Rehrl-Platzes. Die Granitplatten, die den Mozartplatz zieren sollen. Der Unipark im Nonntal. Noch immer schaut Friedrich Idam freundlich drein, aber seinen Worten fehlt es nicht an Deutlichkeit: All dem kann er wenig abgewinnen. Beim geplanten Hallenbad zeigt er sich froh, dass es aufgrund seiner Konstruktion wohl nach 30 Jahren abbruchreif sein werde. Beim Unipark seien peinliche „Anfängerfehler“ passiert. Und zum Rehrlplatz-Projekt sagt er nur, dass er froh sei, dass sich mit dem misslungenen Entwurf gottlob sein Vorgänger habe beschäftigen müssen.

Friedrich Idam liebt die Bauensembles des Barock. Das geplante Hallenbad von Berger+Parkkinen liebt er eher weniger. Da muss man ihn schon fragen: „Haben wir Ihrer Meinung nach in der Moderne das Bauen verlernt?“ Überraschend schnell kommt die Antwort: „Ja, durchaus.

Idam selbst hat es mit der Kunstgeschichte, mit Fachwissen in Statik und Baumaterial, mit der künstlerischen Arbeit seiner eigenen Hände, und mit der Zurückhaltung von Architekten und Bauherren. Und all diese Eigenschaften vermisst er zu oft bei jenen, die moderne Architektur in Auftrag geben, und noch mehr bei jenen, die sie gestalten und ausführen. „Man lernt das Handwerk, den Hochbau, im Architekturstudium gar nicht mehr“, sagt Idam. „Da geht es nur noch darum, möglichst ausgefallene eigene Projekte zu konzipieren und professionell zu präsentieren.

Ja gut, aber das ist eben der Job von Architekten, oder? Ganz und gar nicht, findet Idam. Er ist gegen den scharfen Kontrast von Alt und Neu, gegen Kontrapunkte und Selbstverwirklichungs-Bauten. Es komme stattdessen darauf an, die Umgebung eines Bauwerks zu studieren. Die Formensprache der Architektur, aber auch der Natur, die Baustoffe und ihre Oberfläche, aufzugreifen und harmonisch weiterzuführen. „Ein Architekt braucht Demut“, fasst Idam sich zusammen.

Ganz wollen ihm Architektin Mühlfellner und Kunsthistorikerin Breuste da nicht zustimmen. Vor allem glauben sie, dass die Architektur der Moderne schon ihre ganz eigene Qualität habe – und es ganz normal sei, dass viele Bürger sie hässlich fänden und über „moderne Schuhschachteln“ schimpften. „Auch die Bauten anderer Epochen sind von Zeitgenossen kritisiert worden, selbst jene der Gründerzeit. Und erst recht jene des Jugendstils“, sagt Breuste. „In der Moderne ist uns einfach das Dekor abhandengekommen. Und die Menschen haben noch Phantomschmerzen.“ Mühlfellner assistiert: „Die schlichte Form der Moderne wird man wohl erst viel später zu schätzen wissen.

Da hält Icomos-Mann Idam dagegen: „Wir wären heute dazu aufgerufen, die Denkmäler für das 22. Jahrhundert zu bauen. Aber unsere Bauten sind nach wenigen Jahrzehnten kaputt – eben, weil wir gar nicht mehr so bauen können wie früher.“ Das wiederum glaubt Mühlfellner nicht. Neue Baumaterialien seien für viele Generationen beständig. Wenn man sie nur richtig einsetze.

In einem sind Idam, Breuste und Mühlfellner sich aber einig: Dass es tatsächlich ein Merkmal der Moderne sei, dass für Gestaltung und gute Architektur, für hochwertige Materialien zu wenig Geld da sei. Stattdessen regierten zu oft der Kommerz, die Interessen von selbstverwirklichungssüchtigen Politikern und Baulobbyisten, die Maximierung von Kubatur und Gewinn. Und zwar überall. „Da ist Salzburg noch eher ein positives Beispiel“, sagt Idam mit sogar noch etwas freundlicherem Gesicht. „Wir jammern da auch ein bisschen auf hohem Niveau.

Quellen

Weblink