Fritz Pfleumer

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Dr. Fritz Pfleumer (* 20. März 1881 in Salzburg; † 29. August 1945 in Radebeul bei Dresden, Deutschland) war der Erfinder der Magnetbandaufzeichnung.

Leben

Fritz Pfleumer war der Sohn des Salzburger Druckereibesitzers Robert Pfleumer (* 1848; † 1934) und seiner Frau Minna, geborene Hünich (* 1846; † 1932). 1897 verlegte er seinen Wohnsitz nach Dresden in Sachsen und absolvierte dort sein Ingenieurstudium. Er beschäftigte sich zunächst mit Gebieten, die nichts mit seiner späteren Erfindung zu tun hatten. Als Berater der Dresdner Zigarettenmaschinenfabrik Universelle übernahm er 1927 die Aufgabe, für das Papier der Zigarettenmundstücke einen haltbaren Überzug aus goldfarbenen Bronzelack zu entwickeln. Vielleicht brachte ihn das auf die Idee, auf einen Papierstreifen mit Lack gehärteten Stahlstaub zu fixieren und damit einen Tonträger zu erfinden. Auf einen 16 mm-Papierstreifen (Filmbreite) brachte der die Beschichtung auf und dieses Band erwies sich dem bisherigen Verfahren der Aufzeichnung auf Tondrähten aus Stahl deutlich überlegen.

Patent Lautschriftträger

Auf seine Lautschriftträger wurde Pfleumer am 31. Jänner 1928 unter der Nummer DRP 544 302 mit der Bezeichnung Verfahren zur Herstellung von Stahlpulver ein Patent erteilt. Um diese Erfindung kommerziell zu verwerten, baute er im Frühjahr 1928 ein Magnetbandgerät, mit dem er die hergestellten Bänder vorführte. Das Gerät war bereits zweispurig, die Bandgeschwindigkeit 25 cm/s. Mit einem Aufsehen erregenden Versuch überzeugt Pfleumer die Experten: Nach der Erstpräsentation zerreißt er das Tonband in Stücke und klebt sie wieder zusammen. Nur ein leichtes Knacken an den Schnittstellen unterscheidet das neu zusammengefügte Band von der Originalaufnahme. Mit dem Tonband verlängert Pfleumer nicht nur die Spieldauer der Aufzeichnungen, er schafft auch die Basis für einwandfreie Aufnahmen. Aus Gründen der Festigkeit und Feuchtesicherheit wurde später mit Kunststoff als Trägermaterial weitergearbeitet.

Trotz eines positiven Widerhall in der Presse, welche 1931 die guten Ergebnisse rühmte, fand sich kein Unternehmer für die praktische Umsetzung der epochalen Erfindung.

Nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen fand er in der AEG am 1. Dezember 1932 einen interessierten und attraktiven Vertragspartner. Nachdem 1935 Eduard Schüller (* 1904; † 1976) die Laborleitung bei AEG für die Magnetbandgeräteentwicklung übernommen hatte konnte auf Pfleumers Vorarbeit basierend im August 1935 auf der 12. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin ein praxisreifes erstmals in der Welt serienmäßig produziertes Magnetbandgerät vorgestellt werden. Das Magnetophon K1 von AEG verwendete Bänder vom Typ C der IG-Farben als Tonspeicher.

Trotz Patentanfechtungen waren seine Erfindungen aus den Lizenzgebühren lukrativ. Pfleumer starb am 29. August 1945 in Radebeul[1] bei Dresden und konnte den richtigen Durchbruch seiner Erfindung nicht mehr erleben.

Leistungen

Mit seiner Erfindung schuf Pfleumer die Voraussetzungen für die Magnetbandepoche, die um 1935 einsetzte. Er löste damit die bisherigen Aufzeichnungsverfahren des Schnittes in Wachszylinder (daher noch die heutige Bezeichnung „Mitschnitt“) von Thomas Alva Edison (* 1847; † 1931), der Schallplatte von Emil Berliner (* 1851; †1929) und des magnetisierbaren Stahldrahtes von Valdemar Poulsen (* 1869; † 1942) ab. Die Entwicklung ab 1900 war langsam, da es an geeigneten Verstärkern, Laufwerken, akustischen Wandlern, Magnetköpfen und eben tauglicheren Speichermedien mangelte.

Aber bereits 1934 wurden 50 000 Meter von Pfleumers Magnetband hergestellt.

1942 wurde die Magnetophon GmbH gegründet, AEG fertigte die Geräte, IG-Farben Werk Ludwigshafen produzierte auf 6,5 mm breiten Azetylcelluloseträgern mit Carbonyleisen beschichtete Bänder. Jeder Partner hielt die Hälfte der Geschäftsanteile.

Audiotechnik

Am 19. November 1936 wurde die erste öffentliche Konzertaufzeichnung mit dem Magnetophon K1 in der Konzerthalle Ludwigshafen vorgenommen, Sir Thomas Beecham spielte mit dem Londoner Symphonieorchester den 3.Akt von Mozarts Symphonie Nr. 39. Benutzt wurde ein Eisenoxidband mit besserer Langzeitstabilität und höherer Dynamik.

Nach 1945 erhielt die Entwicklung der Tonbandtechnik einen gewaltigen Aufschwung.

Der Totalverlust des deutschen Patentbesitzes ermöglichte allen anderen nun deren Nutzung. So wurden in den USA sehr rasch eine Menge billiger Tonbandgeräte für den Heimgebrauch entwickelt.

Das erste Heimgerät war das Modell „Soundmirror“, das von Brush Development Co., Cleveland (Ohio) 1947 auf den Markt gebracht wurde, die ersten Audio-Bänder dazu produzierte in den USA die Firma 3M in Minnesota.

Compactcassette

Da die Handhabung der Spulen der Tonbänder Sorgfalt und auch Platz voraussetzte, begannen Entwicklungen das Speichermedium zu verkleinern. In ihrer Urform wurde die Compact-Cassette (MC) 1963 vom holländischen Philips-Konzern patentiert und weltweit genormt. Bis zu 2 Stunden Laufzeit sind möglich. Die Verbreitung der Cassette war am Anfang nur sehr spärlich, wurde aber mittels ausgedehnter Werbekampagnen und fallender Verkaufspreise zum Renner. Zur endgültigen Etablierung der Cassette, als eigenständiges Medium neben der Schallplatte, kam es durch die Einführung der Leerkassette und entsprechender Aufnahmegeräte durch die Firmen Philips und Sony. Seit den achtziger Jahren (dem Start des „Walkman“), besitzt in den westlichen Industrienationen fast jeder Haushalt mindestens einen Kassettenrecorder.

Bitteres Ende

Die Technikgeschichte hat viele Opfer, eines davon ist die AEG. Am 26. September 1996 holte der Kran die drei Buchstaben vom Firmengebäude in Frankfurt, 113 Jahre elektrotechnische Entwicklungen und viele Erfolge, so auch das Tonbandgerät, sind Geschichte.

Die rasante Entwicklung machte aber auch vor dem ersten Produzenten des Magnetbandes nicht Halt. Die Nachfolgefirma der IG Farben Werk Ludwigshafen, die Badische Anillin- und Sodafabrik (BASF), lange Zeit „der“ Qualitätsbandlieferant, gründete die Magnetbandaktivitäten in die EMTEC aus, diese musste aber 2003 den Betrieb einstellen.

Das digitale Bandsystem DAT ist kein Massenprodukt mehr.

Videotechnik

1954 fanden erste Fernsehaufzeichnungen mit Scotch-Bändern statt.

Datentechnik

Voraussetzung für die Datenspeicherung sind leistungsfähige und vor Datenverlust sichere Medien. Ab den frühen 1970er Jahren wurde mit Bändern und anderen Formen der magnetischen Speicherung probiert. 1971 brachte IBM die Erfindung Alan Shugarts, eine 8 Zoll Diskette, auf den Markt, 1976 entwickelte er die 5 ¼ Zoll Diskette. 1981 folgte Sony aus Japan mit der 3,5 Zoll-Diskette. Späteren Entwicklungen wie der ZIP-Disk war nur geringe Bedeutung beschieden, in der Zwischenzeit war die optische Speicherung mit CD und DVD für die nunmehr hohen Datenmengen entwickelt worden.

Ähnlich erging es Datenbändern (seit 1972 am Markt), deren Nische war noch längere Zeit die Datensicherung.

Die heute verwendeten Festplatten (Harddisks) verwenden nach wie vor ein Speichermaterial, das auf Pfleumers Erfindung beruht.

Scheckkarte

Für das Bankwesen wurden ab 1968 Debitkarten eingeführt, welche mit Magnetstreifen und darauf gespeicherten Kundendaten versehen waren. Ohne Pfleumers Erfindung wäre das nicht möglich gewesen. Zusätzliche Funktionen kamen später durch die Ergänzung mit einem elektronischen Chip hinzu, einer Erfindung von Jürgen Dethloff (* 1924; † 2002) und Helmut Gröttrup (* 1916; † 1981).

Weblink

Quellen

Einzelnachweis

  1. die Heimat von Karl May, dem berühmten Buchautor