Hermann Delacher

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OSR Hermann Delacher (* 7. Dezember 1918 in Burgfrieden, Osttirol; † 13. März 2004 in Salzburg) war Volksschuldirektor, Chorleiter, Komponist und Volksliedpfleger.

Leben

Kindheit, Ausbildung und Beruf

Delacher erblickte das Licht der Welt in einem kleinen Gasthaus in der Osttiroler Gemeinde Burgfrieden (heute Teil der Gemeinde Leisach) südlich von Lienz. Der Vater war Holzknecht, Bergführer und Schilehrer, die Mutter Wirtin und Bäuerin. Hermann war eines von neun Kindern. In der Familie wurde viel gesungen und musiziert.

Delacher besuchte die Volksschule Leisach, die Hauptschule Lienz und die Lehrerbildungsanstalt Innsbruck, an der er im Jahr 1938 mit Auszeichnung maturierte. Im Jahr 1936, mit 17 Jahren schuf er seine erste Komposition: das Marienlied. Sein erster Dienstort als Lehrer war eine einklassige Volksschule, die Filialschule Berg-­Seinitzen etwas nördlich von Matrei in Osttirol. Sehr bald wurde er aber nach St. Veit in Defereggen, in die höchst gelegene Gemeinde Osttirols versetzt, jedoch vor dem Ende seines ersten Dienstjahres, am 1. April 1939, zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen und kam in das RAD­-Lager von Neumarkt bei Salzburg. Auch hier war seines Bleibens nicht lange, denn am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, und Delacher musste zur deutschen Wehrmacht einrücken. Im Gebirgsjäger­-Regiment 98 stieg er zum Hauptmann auf, war bis zum Kriegsende Frontsoldat, erkrankte an Paratyphus und Malaria und wurde neun Mal verwundet. Obwohl der Ideologie des Nationalsozialismus nicht abgeneigt, war Delacher nicht Mitglied der NSDAP, wurde daher nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft nicht als belastet eingestuft und unterlag daher keinem Berufsverbot.

Sein Wunsch, an eine Volksschule des Raumes Neumarkt, den er während seiner Zeit beim Reichsarbeitsdienst zu lieben gelernt hatte, versetzt zu werden, wurde dem Tiroler nicht abgeschlagen. Die Leiterstelle der Volksschule Hochfeld hatte Delacher von 1945 bis 1949 und vom 1. September 1967 bis zum 12. Februar 1971 inne.[1] Danach wechselte er in die Nachbargemeinde Neumarkt am Wallersee an die Volksschule Sighartstein, der er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1979 vorstand.

Musikpädagoge, Musiker und Volksliedpfleger

Im Jahr 1948 gewann Delacher beim ersten Salzburger Landesjugendsingen mit seinem Hochfeld-Chor den ersten Preis und wurde somit dazu ausersehen, das Land Salzburg beim Bundesjugendsingen in Wien zu vertreten. Zum Landesjugendsingen 1950 trat er mit der Volksliedgruppe Straßwalchen an und erzielte wieder die beste Bewertung.

Bald nach Kriegsende begann Delacher eine nahezu zwei Jahrzehnte umspannende Tätigkeit als freier Mitarbeiter in der Abteilung Heimatfunk des Senders Rot-Weiß-Rot und dann bei Radio Salzburg. Er war Programmverantwortlicher und Aufnahmeleiter zahlreicher Volksmusiksendungen.

Einen Namen machte sich Delacher als Komponist und Arrangeur, als virtuoser Gitarrist, als Gesangs-­ und Instrumentallehrer, als Chorleiter und als Interpret von Volksliedern. Er war im Laufe der Zeit Gründer oder Leiter von nicht weniger als 24 Chören und Gesangs­- oder Instrumentalgruppen:

Als Gitarrist beherrschte er das dreistimmige Melodiespiel.

Es gelang ihm, bedeutende Persönlichkeiten für seine Initiativen zu gewinnen, insbesondere

Hingegen bestand mit Tobi Reiser (* 1907; † 1974), der ihn offenbar als Konkurrenten betrachtete, eine dauerhafte Rivalität.

Delacher sammelte überlieferte Volkslieder und komponierte selbst in deren Stil. Für rund dreißig seiner Lieder verfasste er auch den Text. Er schrieb zwei Messen auf Mundarttexte:

  • „D’Salzburga Arme-­Leut’Mess’“ (1959, Text: Wilhelm Steiner) und
  • die „Henndorfer Mundartmesse“ (1974, Text: Pfarrer Johann Desch).

Umfangreich ist Delachers Werk als Musikpublizist:

  • 1958 erschien in Salzburg „In die Berg bin i gern. Alpenländische Lieder“, Delachers erstes Liederbuch
  • 1979 erblickte das Buch „Unsa Hoamat is schön – Alte und neue Lieder in bayrisch-­österreichischer Mundart, gesammelt und gesetzt für gemischten Chor von Hermann Delacher“ das Licht der Öffentlichkeit.
  • 1980 kam das Notenbuch „So sang der Salzburger Vierklang. Ein buntes Gemisch von 61 alten und neuen Liedern für Männer­Viergesang“ heraus.
  • Es folgte „Singen zur Gitarre. Gebt der Jugend unsere Lieder wieder!“ Dieses Buch versandte er kostenlos an alle Pflichtschulen des Landes Salzburg.
  • 1981 erschien das Werk „Heilige Nacht. Zwischengesänge zur Weihnachtslegende von Ludwig Thoma. Für gemischten Viergesang und eine Hackbrettmusik“.
  • 1981 entstand das Büchlein „So spielt das Pinzgauer Gitarrentrio. Zwei Gitarrensoli und 18 Stücke für drei Gitarren im alpenländischen Stil“.
  • 1982 brachte er „Brüderchen und Schwesterchen. Märchen­Singspiel für gemischten Chor und Klavier (Horn) nach den Brüdern Grimm“ heraus.

Nahezu alle Druckwerke gab er auf eigene Kosten im Eigenverlag heraus.

Prof. Harald Dengg, langjähriger Leiter des Volkskultur-Referates des Amtes der Salzburger Landesregierung, würdigte in einem Brief vom 28. Dezember 1989 Delachers Verdienste:

Dass es dir auch gelungen ist und immer noch gelingt, unserer Volksliedschatztruhe neue Lieder in Fortführung der Tradition hinzuzufügen, ist eine besondere Gabe, über die sich heute jeder, dem unser Volkslied etwas bedeutet, freut, weil nur die Zeit, die dem Alten Neues hinzufügt, von lebendigem Volkslied sprechen kann.

Die letzten 33 Jahre seines reichen Lebens verbrachte Delacher, bis zuletzt musikalisch aktiv, in seiner Wahlheimat Neumarkt am Wallersee.

Quellen

Fußnote

Zeitfolge
Vorgänger

Ludwig Wallner

Direktor der Volksschule Sighartstein
1971–1979
Nachfolgerin

Edith Glas

Zeitfolge
Vorgänger

Franz Weingartner

Direktor der Volksschule Hochfeld
1967–1971
Nachfolger

Josef Voithofer