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Kanäle im Naturschutzgebiet Zeller See

Die schnurgeraden, horizontal verlaufenden Linien sind die Kanäle im NSG Zeller See. Von der Bildmitte bis zum linken Bildrand der baumgesäumte Porschekanal, darunter der westliche oder kleine Seekanal und im unteren Bilddrittel der östliche oder große Seekanal, der einen Knick aufweist, der auch hier im Bild deutlich sichtbar ist.
Der Große Seekanal vom Otto-Wittschier-Weg mit Blickrichtung Süden

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Großer Seekanal. Blick vom Thomas-Bernhard-Weg nach Norden.
Zusammenfluss der Seekanäle am Südende des Landschaftsschutzgebietes Zeller Moos. Der Kleine Seekanal (links), der Große Seekanal (rechts).

Dieses kleine Hochgebirgsdorf bildet den eigentlichen Hauptschauplatz meiner Kindheit. [...] Gerne lag ich an einer abschüssigen Stelle des Seeufers oder am Kanal im Moor und schaute lange in die durchsichtige Tiefe. (Alfred Kubin über Zell am See und den Kanal im Moor)

Die drei Hauptkanäle im Naturschutzgebiet Zeller See und in dessen südlichem Teil, dem Landschaftsschutzgebiet Brucker-Zeller-Moos, sind der Porschekanal, der parallel zur Porscheallee verläuft, und die beiden Seekanäle. Letztere verbinden den Zeller See mit der Salzach.

Inhaltsverzeichnis

Verlauf

Die zwei Seekanäle beginnen am Südufer des Zeller Sees, nahe den beiden dort befindlichen Lacken und durchfließen das Naturschutzgebiet Zeller See und das Landschaftsschutzgebiet Brucker-Zeller-Moos in südliche Richtung in einer Gesamtlänge von ca. zwei Kilometern. Der westliche Seekanal wird als Kleiner Seekanal, der östliche Seekanal als Großer Seekanal bezeichnet.

Im Gemeindegebiet von Bruck an der Großglocknerstraße werden beide Kanäle im spitzen Winkel in ein Kanalbett zusammen geführt. Hier mündet der Porschekanal und wenig später auch der Bruckbergkanal ein. Nach einer weiteren, etwa 500 m langen Fließstrecke mündet dieser Sammelkanal mit den Wässern von zuletzt insgesamt vier Kanälen im Ortsgebiet von Bruck an der Großglocknerstraße in die Salzach ein.

Beide in Ost-West-Richtung verlaufenden Wege im Naturschutzgebiet Zeller See – der ehemalige Wirtschaftsweg, heute Otto Wittschier Weg benannt, sowie der Thomas-Bernhard-Weg – kreuzen die in Nord-Süd-Richtung angelegten See-Kanäle und queren sie mittels Holzbrücken.

Errichtung und Hintergrund

Fluss und See standen von jeher durch kleinere Wasserläufe in Verbindung. Die Salzach brach zudem früher in Überschwemmungszeiten im Südwesten bei Bruckberg mehrfach in den Zeller See ein, um ihn im Südosten bei Schloss Fischhorn wieder zu verlassen. Bei großen Hochwässern bildeten Salzach und Zeller See eine riesige Wasserfläche, die zwischen dem im Ort Bruck an der Großglocknerstraße noch aus den Wassermassen herausragenden Kirchbichl und Zell am See mit Booten befahren wurde. Der große Seekanal wurde im Jahr 1863 angelegt. Ab diesem Zeitpunkt endeten die massiven Einbrüche der Salzach in den See. Dazu Josef Lahnsteiner:

„1863 wurde vom See bis zur Wagbrücke ein neuer, gerader Seekanal ausgehoben, der frühere ging in Windungen hinüber. Das kostete 9 000 fl und wurde auf drei Jahre verteilt. Josef Salzmann war da die Triebfeder. Dadurch wurde der Wasserabfluss aus dem See gefördert und die Moosgründe derart verbessert, dass 1871 2 500 fl Pachtzins einging, wogegen es 1861 nur 1 200 fl gegeben hatte. 1864 wurde das Zeller und Schüttbachmoos vom Ärar für Zell angekauft und an alle 86 Häuser des Marktes verteilt. 1901 begann man im Bruck-Zeller Moos eine Torfstecherei, die 1906 auf 46 Tonnen Torferzeugung kam. Heute ist ein Großteil dieser Möser trocken gelegt.“

Maßnahmen zum Hochwasserschutz

1966 drang das Salzach-Hochwasser erneut in den Zeller See ein, was eine Überschwemmungskatastrophe zur Folge hatte. Um solche Ereignisse in der Zukunft zu verhindern, errichtete man 1969 an der Einmündung des Seekanals in die Salzach ein Schleusen-Pumpwerk. Es soll das Eindringen von Salzachwasser in den See verhindern und bietet andererseits die Möglichkeit, gegebenenfalls See-Hochwasser in die Salzach einzupumpen. Der hier installierte Dieselmotor verursachte für die nähere Umgebung eine größere Lärmbelästigung, die durch nachträglich errichtete Lärmschutzbauten eingedämmt werden konnte.

Anmerkungen im Hinblick auf den Naturschutz

1968 wurden in die beiden Seekanäle Stauschwellen eingebaut. Aus ornithologischer Sicht sind sie problematisch, da sie ein Absinken des Wasserspiegels während der Trockenperioden verhindern, was zur Folge hat, dass die Uferbänke überflutet bleiben, anstatt trocken zu fallen.

Das oben stehende Zitat von Josef Lahnsteiner vermittelt die damalige Denkweise, die neben dem absolut notwendigen Hochwasserschutz ausschließlich von den Interessen der Landwirtschaft und der Wirtschaft geprägt waren. Naturschutz war Mitte des 20. Jahrhunderts noch kein großes Thema. Flächen, die einst jährlich überflutet waren, was über die Jahrtausende zur Bildung des Zeller Mooses und im 20. Jahrhundert zur Errichtung des Landschaftsschutzgebietes Brucker-Zeller-Moos als Teil des Naturschutzgebietes Zeller See geführt hat, sind durch die Maßnahmen der letzten 60 Jahre zu Fettwiesen mutiert, die nicht extensiv – wie es aus Naturschutzgründen zu wünschen wäre -, sondern intensiv genutzt werden.

Anmerkenswert ist noch, dass sich die Schlafbäume der Kormorane, die sich im Bereich des Zeller Sees aufhalten, an der Ausmündung des Großen Seekanals befinden.

Bildergalerie

Quellen