Kloster Mariathal

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Erzdiözese Salzburg
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Das ehemalige Kloster Mariathal beherbergt heute eine Sonderschule des Landes Tirol mit angeschlossenem Internat.

Lage

Das Klosterstandort befindet sich in der gleichnamigen Pfarre in der politischen Gemeinde Kramsach im Tiroler Unterland, das kirchlich gesehen zur Erzdiözese Salzburg gehört. Das Kloster Mariathal ist aber nicht nur wegen seiner Zugehörigkeit zur Erzdiözese für Salzburg relevant, es ist auch wegen der schrecklichen Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus mit der Geschichte des Landes Salzburg eng verknüpft.

Die Eckdaten der Geschichte des Klosters bis 1938

Das Kloster wurde im Jahr 1267 als Begräbnisstätte des Geschlechtes der Fruntsberger begründet und dem Orden der Dominikanerinnen übergeben. Nach 200 Jahren ging das Kloster zur Gänze in den Besitz des Ordens über. 1682 fielen die Gebäude einem Brand zum Opfer. 1782 wurde Mariathal wie viele andere Klöster von Kaiser Joseph II. säkularisiert. 1863 übernahm der Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul die Klosteranlage. 1867 gründeten die Schwestern im Kloster Mariathal eine Volksschule für verwaiste Mädchen.

Das Kloster in der Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde der Orden zur Schließung dieser Schule und zur Aufnahme geistig schwerst behinderter und voll pflegebedürftiger Kinder, Jugendlicher und Erwachsener gezwungen. Diese wurden aus verschiedenen Anstalten in Tirol und in Salzburg nach Mariathal verlegt, darunter waren Kinder und Jugendliche aus der Caritas-Anstalt St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße und dem von den Nationalsozialisten bereits im Jahr 1938 geschlossenen Konradinum in Eugendorf.

Im Frühjahr 1941 wurde der Anstaltsleitung behördlicherseits schriftlich mitgeteilt, dass alle Pfleglinge in eine andere Anstalt verlegt würden, in der es ihnen besser ergehen würde. Zwei Tage später – es war der 25. Mai 1941 – kamen zwei große Transportautos, in die alle in Mariathal aufhältigen Pfleglinge vom Begleitpersonal ohne Verzug und teils mit großer Brutalität verladen wurden, um sie in die Tötungsanstalt Hartheim zu deportieren. Laut Augenzeugenbericht wäre ein sechsjähriger Bub noch von seiner Tante abgeholt worden. Im Ausgangsbereich wurde ihr der Bub jedoch aus der Hand gerissen und in eines der Autos gezwungen. Ein anderes der Kinder war zum Zeitpunkt der Abholung schwer krank und bereits dem Tode nahe. Die anwesende Schwester bat darum, den Buben im Kloster zu belassen, da er ohnehin gleich sterben würde. Das todkranke Kind wurde jedoch aus seinem Bett gezerrt und zusammen mit allen anderen in das Transportauto verfrachtet. Von den rund 70 beeinträchtigten Personen, die zwischen 1938 und 1941 aus Anstalten wie dem Konradinum in Eugendorf, der Caritas-Anstalt St. Anton in Bruck an der Großglocknerstraße, aus Fügen und aus Mils in Tirol nach Mariathal zwangsverlegt worden waren, überlebte niemand. Sie wurden Opfer der "Aktion T4", die rund 70.000 beeinträchtigten Menschen den Tod brachte.

Zwei bis drei Wochen später erschienen SS-Leute, erklärten das Heim im Namen des Reichsstatthalters (Gauleiter Franz Hofer) für beschlagnahmt und zwangen die Ordensfrauen, binnen zwei Stunden das Kloster zu verlassen. Es wurde ihnen nur die Mitnahme des Allernotwendigsten gestattet.

Die NS-Behörden verwendeten die geräumten Gebäude des Klosters Mariathal zur Einrichtung eines Erziehungsheimes für Mädchen.

Salzburger Euthanasieopfer aus der Pflegeanstalt im Kloster Mariathal

Nach Recherchen des Vereins "Stolpersteine" befanden sich unter den aus dem Kloster Mariathal deportierten Pflegebedürftigen die Salzburger Wilhelm Höpflinger, Franziska Speckinger, Rupert Zaninelli, Maria Kahlhammer, Rudolf Ortner, Therese Raaber, Georg Schweighofer und Katharina Wagner. Diese Auflistung der aus Salzburg stammenden oder vorher in Salzburg aufhältigen Opfer ist jedoch nicht vollständig, da aus Datenschutzgründen derzeit nicht alle Opfer namentlich aufgezählt werden können.

Das Kloster Mariathal nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Nach Ende der NS-Zeit wurde die Liegenschaft in den Besitz des Ordens rückgeführt. Das in der NS-Zeit begründete Erziehungsheim wurde nun von den Ordensschwestern fortgeführt. 1950 erwarb das Land Tirol das Kloster. 1971 wurde das Erziehungsheim für Mädchen geschlossen und eine Landessonderschule mit angeschlossenem Internat gegründet. Schule und Internat sind bis heute in Betrieb.

Quellen

  • www.mariatal.tsn.at, abgerufen am 9. Juni 2015
  • Reschreiter, Walter, LEBENS(UN)WERT, „NS-Euthanasie im Land Salzburg“, Begleitpublikation zur Ausstellung der Laube sozialpsychiatrische Aktivitäten GmbH, Hallein, 2006
  • Christina Nöbauer, "Opfer der Zeit". Über das Schicksal ehemaliger Bewohnerinnen der Caritas-Anstalt St. Anton in der Zeit des Nationalsozialismus, Innsbruck-Wien-Bozen 2016.