Walter Reschreiter

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Walter Reschreiter

Walter Reschreiter (* 30. Dezember 1960 in Linz, Oberösterreich; † 18. Jänner 2017) in Hallein, war zweiter Vizebürgermeister der Stadt Hallein und verhalf in seiner Arbeit bei der Laube GmbH psychisch Kranken zu Arbeit.

Leben

Reschreiter kam wegen des Psychologie-Studiums nach Salzburg, das er jedoch nach wenigen Semestern abbrach, um im Sozialbereich zu arbeiten. Später ließ er sich zum Psychotherapeuten ausbilden und belegte den Universitätslehrgang Sozialmanagement.

Mit Herbst 2010 wurde Walter Reschreiter zum geschäftsführenden Stadtparteivorsitzenden der SPÖ Hallein gewählt.

Von 14. Juni 2012 bis zu seinem Tod war er Vizebürgermeister der Stadt Hallein.

Bei der Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahl 2014 erzielten die SPÖ mit 24,5 % (-1 %) und Reschreiter als Bürgermeisterkandidat mit 21,1 % ein schwaches Ergebnis, Reschreiter wurde abermals Vizebürgermeister.

Am 30. November 2015 trat er aus der SPÖ aus, da die Partei seine Forderung, mehr Flüchtlinge in Hallein unterzubringen, nicht mittragen wollte. Den Vizebürgermeisterposten stellte er aber nicht zur Verfügung.[1]

Reschreiter war mit Uta, einer Volksschullehrerin (der besten, wie er sagt), verheiratet und Vater von Bernhard, Allan und Leonie-Delphine.

Er verstarb überraschend in den Morgenstunden des 18. Jänner 2017.

Vorgestellt

Walter Reschreiter schien nichts so schnell aus der Ruhe zu bringen, nicht einmal der Verlust eines Großkunden. Reschreiter war bei der gemeinnützigen Laube GmbH dafür zuständig, 200 psychisch kranken Salzburgern Arbeit zu besorgen.

Mehr als die Hälfte des Auftragsvolumens im Tennengau fiel bislang auf Johnson & Johnson in Hallein. Doch dort wurde im März die Produktion eingestellt. Reschreiter sah das dennoch gelassen und meinte damals: "Wir werden andere Auftraggeber suchen. Wir sind ansonsten bestens ausgelastet. Wir können nicht jammern."

Seine Kollegen bei der Laube beschreiben Reschreiter als "ausgeglichen" und "kreativ". Diese Eigenschaften sind wohl auch nötig bei der täglichen Arbeit mit psychisch Kranken. Es sei nicht immer einfach, gab der dreifache Familienvater zu bedenken. Andererseits werde hier der Erfolg unmittelbar sichtbar. "Arbeit ist etwas ganz Wichtiges für psychisch kranke Menschen. Es gibt ihnen Identität zurück."

Mit dem "Anders sein" von Menschen wurde Reschreiter schon früh konfrontiert. Sein Großonkel Leopold war geistig schwer behindert, entkam aber der Vernichtungsindustrie der Nationalsozialisten. "Er wurde von Bauern versteckt und hat so überlebt." Die Erinnerung an den Großonkel war mit ein Grund, dass Reschreiter während des Psychologie-Studiums begann, sich mit der NS-Euthanasie auseinander zu setzen. Ein weiteres Motiv war die bequeme österreichische Art des Umgangs mit der Vergangenheit. "Die Täter wie Heinrich Gross kamen nach dem Krieg schnell wieder zu gesellschaftlichen Ehren", sagt Reschreiter. "Die Euthanasie-Opfer dagegen waren bis 1995 keine anerkannte NS-Opfergruppe."

So begann der Nike-Preisträger in den 1980er Jahren, Akten zu studieren, Quellen zu sammeln, mit Angehörigen von Opfern des NS-Euthanasieprogramms zu reden. Viele Jahre später gestaltete er - inhaltlich unterstützt vom Historiker Johannes Hofinger und der Dipl. Sozialarbeiterin Christina Nöbauer - aus dem gesammelten Material eine Gedenk-Ausstellung, die 2006 im Halleiner Keltenmuseum eröffnet wurde und am Allerseelentag 2008 im Salzburg Museum zum letzten Mal zu sehen war.

Reschreiter, der das Kanufahren auf schwedischen Seen zum "Abschalten" nützte, hatte indes schon ein neues Ziel vor Augen: die Politik. Er, der sich selbst einen "zugeheirateten Halleiner" nannte, kandidierte an 9. Stelle auf der SPÖ-Liste für den Halleiner Gemeinderat. In gewisser Hinsicht schien seine Annäherung an die Politik auch prophylaktischer Natur zu sein. O-Ton: "Ich habe die Tendenz gesehen, dass ich sonst zum Dauernörgler werden könnte."

Seit 1. März 2009 war er tatsächlich als Sozial- und Kultursprecher der SPÖ in der Halleiner Gemeindevertretung und hatte bereits einigen Schwung in die Stadtpolitik gebracht. "Langsam wird es mit ihm mühsam!", zeigte sich das mit absoluter Mehrheit regierende Stadtoberhaupt Dr. Christian Stöckl (ÖVP) von seinem Engagement und den vielen Anträgen schon etwas genervt. Und so wundert es nicht, dass Theresia Kaserer, Redakteurin des Tennengauer Bezirkblatts, "Walter" und "Reschreiter" zu den Unwörtern des Jahres 2009 für den Halleiner Bürgermeister erklärt hat.

Mit Herbst 2010 wurde Walter Reschreiter zum neuen geschäftsführenden Stadtparteivorsitzenden der SPÖ Hallein gewählt und seit 14. Juni 2012 war er Vizebürgermeister der Stadt Hallein. In diesen Funktionen konnte Walter Reschreiter noch mehr bewegen.

Am Mittwoch, dem 18. Jänner 2017, starb Walter Reschreiter unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts. Er hinterlässt nicht nur in seiner Familie eine große Lücke, sondern wird all jenen, die seine Pionierarbeit im Bereich der Erinnerungskultur begleitet und geschätzt haben, unvergesslich bleiben.

Veröffentlichungen

  • Reschreiter, Walter: Lebensunwert. Wiedergefundene Lebensgeschichten von Opfern der Rassenhygiene. Ausstellung NS-Euthanasie im Land Salzburg., unter Mitarbeit von Johannes Hofinger und Christina Nöbauer, Edition Tandem, Salzburg 2007, ISBN 978-3-9501570-8-6
  • Verein Hallein.bunt: Hallein.287x382 - Bildband zur Ausstellung, Eigenverlag, Hallein 2011

Quellen