Mauthaus Guttal

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Aufbau Mauthaus Guttal im Zeitraffer, Video
das Mauthaus Guttal mit historischer Mobil-Tankstelle
und so sah es an seinem Originalplatz an der Panoramastraße aus
durch die Türe im Keller gelangt man in den Jausenraum
der Technik-Raum
Blick in die Ausstellung im ersten Stock

Das Mauthaus Guttal ist ein historisches Mauthaus, das auf Kärntner Seite der Großglockner Hochalpenstraße im Guttal stand und seit Sommer 2013 im Salzburger Freilichtmuseum zu sehen ist.

Geschichte

Die Großglockner Hochalpenstraße verläuft im südlichen Teil des Guttals vom Kreisverkehr kommend für einige hundert Meter neben dem Guttalbach, bevor sie im Norden in östliche Richtung weiterführt. Wenige Meter nordöstlich des heutigen Kreisverkehrs befand sich im Guttal das historische Mauthaus Guttal. Es wurde von 1935 bis 1993 zur Kontrolle der Benutzer der Panoramastraße, aber auch als Tankstelle genutzt. Es befand sich auf 1 868 m ü. A..

Zum besseren Verständnis: Die Südrampe der Großglockner Hochalpenstraße war bereits am 1. September 1932 dem Verkehr übergeben worden. Zu jenem Zeitpunkt endete die Nordrampe noch im Bereich des Hochmais - der sogenannte Variantenstreit über die Scheitelstreckenführung zwischen dem damaligen Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl und Franz Wallack, dem Erbauer der Straße, war noch lange nicht entschieden. Daher wurde Maut für die Strecke von Heiligenblut auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (ab des - damals noch Kreuzung - heutigen Kreisverkehrs Gletscherstraße genannt) an der Mautstelle in Heiligenblut eingehoben. Nach der durchgehenden Eröffnung der Straße am 3. August 1935 war die Mautstelle Guttal für die Benutzer der Scheitelstrecke errichtet worden.

2012 wurde es dort abgetragen und im Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain für die Nachwelt wieder originalgetreu aufgebaut.

50 Meter Großglockner-Straße im Freilichtmuseum

Am Sonntag, den 4. August 2013, wurde dieses Mauthaus als 93. Gebäude des Salzburger Freilichtmuseums in einem Festakt offiziell eingeweiht. Vom Museumseingang fuhr eine Abordnung des Motor Veteranen Clubs Salzburg mit historischen Fahrzeugen der 1930er Jahre, ein Citroën, ein Steyr 50 („Steyr Baby“), Steyr 200 u. a., dem Festzug voraus, der von den beiden Trachtenmusikkapellen der Großglockner-Hochalpenstraßen-Anrainergemeinden Fusch an der Großglocknerstraße (Salzburg) und Heiligenblut am Großglockner (Kärnten) begleitet wurde. Der Festzug benutzte dann auf den letzten 50 Metern „echte“ Großglockner-Hochalpenstraße-Straße: gewalzte Sandstraße, begrenzt durch große Steinblöcke und dem früheren markanten blau-weißen Straßenbegrenzungsgeländer.

"Da haben wir so manchen Mautpreller erwischt"

Das historische Mauthaus Guttal wurde von 1935 bis 1993 zur Kontrolle der Benutzer der Panoramastraße, aber auch als Tankstelle genutzt. Damals lebten die Mautner während der nur wenige Monate dauernden Öffnungzeit der Straße im Mauthaus Tag und Nacht. Sie waren Wetter- und Straßenzustandsmelder nach Salzburg, bedienten die Tankstelle, an der manchmal bis zu 4 000 Liter täglich noch mit Hand in die Tanks der Fahrzeuge gepumpt wurden und sie mussten die Fahrzeuge auf die korrekte Bezahlung der Maut kontrollieren oder eben auch Maut kassieren. Manche Busfahrer und Reiseleiter versuchten den Mautnern weiß zu machen, sie hätten in ihrem 50-Sitzer-Bus nur 40 Fahrgäste. Wurden nach einer Kontrolle allerdings mehr Fahrgäste gezählt, mussten die Busfahrer und Reiseleiter obendrein noch Strafe zahlen.

Anlässlich der Eröffnung des Gebäudes im Salzburger Freilichtmuseum berichteten Zeitzeugen von ihren Erlebnissen. Der heute 68-jährige Johannes Schachner war der letzte Mautner von 1968 bis 1993 in diesem Haus gewesen. Er erzählte davon, wie er in Reisebussen die Zahl der Fahrgäste nachzählte, so manchen Mautpreller erwischte, wie einmal ein Tank beim Nachfüllen – auf Verlangen des deutschen Autobesitzers „volltanken – 50 Liter“ – schon nach zehn Litern überlief, weil der Deutsche die Tankanzeige durch die Talfahrt fälschlicherweise als „leer“ gesehen hatte. Da es noch keine Tankuhr gab, wurde die Literanzahl anhand der Hebelbewegungen „gemessen“.

Ein anderer Zeitzeuge, Ambros Unterkirchner, war als Sohn der ersten Mautnerin zur Eröffnung nach Großgmain gekommen. Er war damals, am 3. August 1935, am Tag der Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße, gerade einmal zwölf Tage alt.

Eines der ersten Fertigteilhäuser Österreichs

Dr. Michael Becker, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, führte in seiner Rede aus, dass für ihn dieses Mauthaus unter anderem auch deshalb erhaltenswert ist, weil es sich um eines der ersten Häuser Österreichs handelt, das in einem Fertigteil-System hergestellt worden war. Nach Begrüßungsworten von Dr. Johannes Hörl, Generaldirektor und Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG, freute sich Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Großglockner Hochalpenstraßen AG ist, dass die Großglockner Hochalpenstraße nun auch anschaulich im Salzburger Freilichtmuseum präsentiert wird. Josef Schachner, Bürgermeister von Heiligenblut am Großglockner, meinte auf die Frage, die ihm Fritz Schwärz stellte, der den Festakt moderierte, ob er nicht etwas traurig wäre, dass nun ein Kärntner Original nach Salzburg versetzt wurde: „Solange die Salzburger viele Besucher nach Heiligenblut schicken, darf das Mauthaus auch gerne in Salzburg stehen!“. Und der Bürgermeister der Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße, Leonhard Madreiter, meinte, eigentlich müsste die Maut ja drei Mal so hoch sein, denn was man da an einem Tag alles entlang dieser Panoramastraße erleben kann, wäre diesen Preis allemal wert.

Der Pfarrer von Großgmain, Herbert Schmatzberger, nahm dann die Segnung des Mauthauses vor.

Jausenraum im Keller des Mauthauses

Das Mauthaus diente bis Mitte der 1970er Jahre als Mautstelle, bis das Mautsystem der Großglockner Hochalpenstraße umgestellt wurde und es als Zahl- und Kontrollstelle nicht mehr notwendig war. Es blieb aber noch bis 1993 eine Servicestation mit einer Mobil-Tankstelle.

Im Freilichtmuseum Großgmain ist nun im Obergeschoß des Mauthauses eine Dauerausstellung über die Großglockner Hochalpenstraße mit dem Titel "Auto halt! Straßenmaut!" zu sehen, wo u. a. verschiedene Kurzberichte aus einem Autoradio zu hören sind. Zu ebener Erde ist neben dem Arbeitsraum auch der Wohnbereich der Mautner sowie der „Technik-Raum“ mit historischer Telefonanlage zu sehen. Im Kellerbereich, der sich originalgetreu an einen Hang schmiegt, befindet sich neben dem „Heizungsraum“ der Jausenraum, der über eine eigene Tür auch von außen erreichbar war. Vor dem Mautthaus wurden die historischen Verkehrszeichen „Maut – Zahlstelle“, der Mautschranken, die Mobil-Tankstelle sowie eine Notrufsäule aufgebaut. Begrenzt ist der Bereich um das Mauthaus mit einem früher an der Glocknerstraße üblichen blau-weiß-blauen Metallgeländer.

Bildergalerie

Quelle