Radfahren auf der Großglockner Hochalpenstraße

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Radfahren auf der Großglockner Hochalpenstraße lockt alljährlich rund 20 000 Radfahrer, etwa zwei Prozent aller Besucher, auf die Großglockner Hochalpenstraße.

Allgemeines

Bei der Eröffnung der Hochalpenstraße im Jahr 1935 kassierte die damalige Mautnerin Hella Dick einen Schilling je Radfahrer. Dies entspricht 2011 umgerechnet etwa dem Wert von 22 Cent. Ab 1967 war dann die Straße für Radfahrer mautfrei zu befahren. Im Sommer 2011 sollte wieder eine Radfahrer-Maut eingehoben werden.

Radfahrermaut-Debatte 2011

Da die Anzahl der Unfälle mit Radfahrern auf der Großglockner Hochalpenstraße in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hatte, wollte die Großglockner Hochalpenstraßen AG mit einer Maut von fünf Euro pro Radfahrer während der Hauptreisezeit von 9 bis 15 Uhr dieses Problem mindern. Diese Maßnahme sollte Radfahrer dazu bringen, die Panoramastraße nur während der Tagesrandzeiten zu benützen. Die Mautgebühr beinhaltete eine Unfallversicherung und Sicherheitstipps.

Zwei Prozent der jährlichen Besucher wollen nicht bezahlen

Doch daraus wurde vorerst nichts. Heftige Proteste und prophezeite "Tourismusschädigung" bewogen die Großglockner Hochalpenstraßen AG zu einem Rückzieher. Die Diskussion in den letzten Tage habe gezeigt, dass die erforderliche Akzeptanz für eine solche Maßnahme zu gering sei, sagte am 11. Februar 2011 der Aufsichtsratsvorsitzende und stv. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP).

Nun wird nach neuen Lösungen gesucht, wie die rund 20 000 Radfahrer ungefährdet in der Masse von rund 900 000 Besuchern jährlich den Berg rauf und runter kommen.

Jährlich drei schwere Radlerunfälle

Im Schnitt registrierte die Großglockner Hochalpenstraßen AG jährlich drei schwere Radunfälle, sowie weitere Unfälle mit glimpflicheren Verläufen. Neben dem Unfallsrisiko stellen die Radfahrer zeitweise auch eine nicht unbeträchtliche Behinderung an engeren Straßenstellen für den PKW- und Busverkehr dar. Was zu Rückstaus führt und zu manch unüberlegten Überholmanövern, wie Peter anlässlich seiner letzten Auffahrt im Herbst 2010 mehrmals festgestellt hatte.

Reaktionen auf die Rücknahme der Maut

  • Auszug Leserbrief in den SN vom 23. Februar 2011 von Univ.-Prof. Dr. Andreas Jungwirth, Salzburg:

... Die GROHAG versucht durch die gut gemeinte Idee der Verkehrsentflechtung, die Radfahrer auf der Großglockner Hochalpenstraße in die Randzeiten zu verschieben - das ist eine gute Sache und dient der Sicherheit aller ... Nur die von den Benzindämpfen in ihrer Kritikfähigkeit eingeschränkten Radsportler fahren zu den Spitzenzeiten auf dieser faszinierenden Straße. Trotzdem werden schnell einmal 2 000 Unterschriften gesammelt, der Fremdenverkehr fürchtet um den Verlust von zehn holländischen Radfahrern, und schon kommt das Nein aus der Landesregierung. Es wäre besser, die Gebühr als Idiotensteuer zu titulieren denn als Straßenmaut - das würden dann alle verstehen.

  • Auszug Leserbrief in den SN vom 24. Februar 2011 von Dr. Wolfgang Hinterberger, Bad Hofgastein:

Dieser kurzfristige Rückzug einer meiner Meinung nach vollauf gerechtfertigten Maßnahme ist wieder einmal typisch für eine politische Einmischung[1] in eine Maßnahme, die längst fällig war ... Jedem Menschen mit Hausverstand müsste eigentlich klar sein, dass das Befahren einer sehr aufwendig zu erhaltenden Mautstraße nicht völlig gratis und franko sein kann, auch wenn es "nur" Fahrräder betrifft! Umso mehr, als es sich bei diesen Fahrrädern meist um sehr hochpreisige Fortbewegungsmittel handelt, deren Besitzer dafür mehrere Hundert bis Tausend(e) Euros ausgegeben haben und daher durchaus in der Lage sind, den geplanten, eher bescheiden angesetzten Betrag von fünf Euro zu leisten...

  • Leserbrief SN online vom 7. Februar 2011 von Peter Schernthaner, Leogang:

Sehr geehrter Vorstand der GROHAG. Ich kann ihrer Argumentation zur Einführung der Maut für Radfahrer auf der Glocknerstraße einfach nicht folgen. Das Argument der Sicherheit ist meiner Meinung nach sehr an den Haaren herbeigezogen, erstens werden es ja nicht weniger Radfahrer und in den Verkehrsreichsten Monaten Juli, August fahren wegen der Hitze die meisten Radfahrer sowieso vor 9 Uhr auf den Berg und in der Mittagszeit wieder ab. Wenn es ihnen so sehr um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gehen würde dann könnten Sie sich ja Gedanken machen wie Sie denn Vehrkehr am Glockner einschränken könnte anstatt mit immer neuen Marketingstrategien noch mehr Autos und Motorräder (Mauteinnahmen ) auf den Berg zu locken. Nur mehr den Kopf schütteln kann man aber über Hr. Lhst. Haslauer der das noch begrüßt obwohl er bei jeder Gelegenheit betont wie wichtig der Radtourismus für Salzburg ist. Als begeisterter Radfahrer kann Ich mir das ungefähr ausmalen was es für das Image einer Radfahrdestination ausmacht Weltweit die erste Straße zu haben die für Hobbyradfahrer eine Maut einhebt. Jeder der sich in der Radszene auskennt weiß das Österreich im Gegensatz zu Italien, Schweiz und Deutschland jetzt schon das Schlechteste Image hat und diese Maut ist nur ein weiterer Mosaikstein zum Negativimage. Man kann sich einfach nicht bei jeder Sonntagsrede als Radfahrdestination präsentieren, man muss das auch Leben.

  • Leserbrief SN online vom 7. Februar 2011 von Herber Bernegger, Siezenheim:

Eine Maut für Radfahrer zu ihrer Sicherheit? Diese Maut geht in eine völlig falsche Richtung. Die Radfahrer zu reduzieren während der Hauptverkehrszeiten ist der falsche Ansatz Die Autofahrer zu reduzieren wäre der richtigere Ansatz. Dies würde auch die „gefährlichen Situationen" reduzieren (weniger Autos = weniger Gefahrensituationen). Der Umweltschutz sollte im Fordergrund stehen und die Lust an der körperlichen Bewegung anstatt diejenigen dafür noch zu bestrafen. Die Mautgebühr für die Autos, Motorräder und Busse um den Anteil erhöhen, den man sich von den Radlern holt, würde weniger motorisierten Verkehr bringen, bei gleich hohen Einnahmen und somit die „Sicherheit" der Radler wiederum erhöhen. Man sollte mehr an Elektroautos/-busse denken, mehr alternative Möglichkeiten prüfen (Sammelbusse statt daß jeder einzeln fährt, das Angebot von Elektrobikes erhöhen, etc.,) um den Umweltgedanken mehr zu fördern. Zahlen wir dann auch bald beim Spazieren gehen, beim Bergwandern oder beim Joggen?

Servicepaket 2011

Ab Anfang Mai bietet die Großglockner Hochalpenstraßen AG Radfahrern Umkleidemöglichkeiten, Duschen, Safes, Sicherheitstipps sowie ein freiwilliges Versicherungspaket um einen Euro pro Tag. Wie will, kann eine Zeitnehmung ab Mautstelle Ferleiten um zwei Euro inkl. Urkunde haben - allerdings nur vor 9 Uhr in der Früh oder nach 15 Uhr am Nachmittag. Das Radfahrer-Pickerl gibt es für alle Radfahrer kostenlos an der Kassenstelle[2].

Weblinks

Quellen

  • SN-online

Fußnoten

  1. Anmerk. der Aufsichtsrat in der GROHAG ist politisch durch die Länder Salzburg und Kärnten besetzt
  2. Quelle auto touring Ausgabe 3/2011