Raubmörder auf der St. Pöltner Hütte

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Raubmörder auf der St. Pöltner Hütte töteten im August 1934 den Hüttenwirt der St. Pöltener Hütte und einen Gast.

August 1934

Die beiden arbeitslosen Steirer Willibard Bendinger (22 Jahre) und Leo Egger (16 Jahre) haben sich im Winter 1933 kennengelernt. Am 18. August 1934 war dann Bendinger zu Egger gekommen und hat ihn gefragt, ob er nicht Lust zu einer Bergtour hätte. Da Egger kein Geld hatte, erklärte Bendinger, er werde alles bezahlen. Am 20. August 1934 hatten sie sich am Bahnhof von Bruck an der Mur getroffen und fuhren gemeinsam nach Zell am See. Von hier ging es weiter über Mittersill durch das Felbertal und kamen beide am Abend des 21. August in der Hütte an. Noch am Abend besprachen sie den Plan eines Überfalls auf den Wirt. Bendinger war bereits vor drei Wochen in der Hütte gewesen und hatte sich die Örtlichkeiten genau angesehen. Sie hatten eine Steyr Armeepistole, zwei kleinere Pistolen und eine Unmenge an Munition dabei. In der Nacht schlichen beiden ins Gastlokal und stellten fest, das die Geldlade versperrt war. Da Egger in der Nacht vor dem Raub Bedenken bekam, sagte Bendinger zu ihm: "Wenn du nicht mittust, wirst du auch erschossen.

Am 22. August kamen sie gegen 10:30 Uhr ins Gastzimmer und bestellten sich Schmarrn mit Preiselbeeren, dazu einen Liter Rotwein. Sie rechneten damit, dass sich zur Mittagszeit nur wenige Gäste in der Hütte aufhielten. Um 11:30 Uhr waren drei Gäste anwesend und in der Küche waren gerade das Ehepaar Steinberger und der 25-jährige Mittelschullehrer Fürst aus St. Pölten.

Bendinger begab sich in die Küche und eröffnete sofort das Feuer gegen Fürst und den Wirt Friedl Steinberger. Fürst erlitt einen Bauchschuss, an dem er zwei Tage später im Krankenhaus Schwarzach verstarb. Der Wirt warf sich Bendinger entgegen, um diesen zu überwältigen, wurde aber von mehreren Kugeln getroffen und blieb tot am Küchenboden liegen. Gleichzeitig hatte Egger auf die anderen beiden Gäste in der Wirtsstube das Feuer eröffnet. Sie wurden von fünf Schüssen getroffen. Der Versicherungsbeamte Lamminger erlitt drei Verletzungen, der Student Erwin Widermann Streifschüsse an der Stirn und unter der Achsel, der niederländische Lehrer Scheuervogel aus Rotterdam einen Streifschuss am linken Arm. Lamminger hatte zur Abwehr die Tischplatte wie einen Schild emporgehoben. Eine Kugel durchschlug sie und drang ihm in den linken Oberschenkel.

Als Egger sein Magazin leer geschossen hatte und nachladen musste, nutzten die drei Gäste die Feuerpause zur Flucht ins Freie. Auch die Wirtin Anna Steinberger (39 Jahre) lief hinaus und sie versteckten sich in den Felsen bei der Hütte.

Mit einer Beute von 120 Schilling, die Bendinger aus der Geldlade entwendet, nachdem sie diese mit einem Eispickel aufgebrochen hatten, flohen die beiden Täter. Sie versperrten die Hüttentür und warfen den Schlüssel weg.

Um 12 Uhr kam ein Touristenehepaar in die Hütte und kehrte mit der Wirtin, der Kellnerin Berta Stöger und den drei verwundeten Gästen zur Hütte zurück. Berta Stöger eilte dann zum Matreier Tauernhaus, von wo aus sie telefonisch den Gendarmerieposten von Matrei verständigte. Der Posten gab die Meldung an den Gendarmerieposten Mittersill weiter. Aufgrund der Personenbeschreibung liefen die beiden Täter dem Revierinspektor Josef Belkel und seinen beiden Kollegen direkt in die Arme. Nach anfänglichem Leugnen gestanden sie die Tat und man fand auch noch eine scharf geladene Repetierpistole bei einem der beiden. Als Bendinger vom Gendarm visitiert wurde, wollte er noch die geladene Pistole ziehen, der Gendarm konnte sie ihm aber entreißen.

Bei der Vernehmung gaben sie die Verabredung der Tat zu, gestanden, dass es ihr Ziel war, den Wirt und die Gäste zu ermorden, um sich des Bargeldes in der Hütte bemächtigen zu können. Die beim Prozess als Zeugin aussagende Witwe des Wirts stellte fest, dass sie trotz dem getrunkenen Alkohol keinen betrunkenen Eindruck machten. Sie schilderte, wie Bendinger die Küche betrat und zu ihrem Mann sagte: "Herr Wirt, es ist alles recht schön und gut..." und in demselben Moment begann er zu schießen.

Am 4. September begann dann der Prozess, der mit der Urteilsfällung am Nachmittag desselben Tages endete: beide wurden des Raubmordes schuldig erkannt, Bendinger zum Tode, Egger als Jugendlicher zu neueinhalb Jahren strengen Arrest verurteilt. Die Todesstrafe wurde noch am Tag der Urteilsverkündung um 17:20 Uhr vollzogen.

Quellen