Salzburger Bauernkalender 2015

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Salzburger Bauernkalender 2015.jpg
  • Buchtipp Salzburger Bauernkalender 2015, Vorausschauen und Zurückblicken
  • Herausgeberin: Gertraud Steiner
  • Verlag: Verlag Anton Pustet
  • Erscheinungsjahr: 2014
  • ISBN 978-3-7025-0770-1

Rezension 1

Vorausschauen und Zurückblicken als Motto des Jahreskalenders 2015 erlaubte einen weit gespannten Themenbogen, der von den Autoren und Autorinnen mit interessanten Beiträgen zu recht unterschiedlichen Themen genutzt wurde.

Neben den alljährlich gleichbleibenden Informationsblöcken (Kalender, Patrozinien, Viehmarktkalender, Adressen) steht daher in mehr als 30 Beiträgen zu den mit Lebensinhalt Bauersein, Erlebte Geschichte im 20. Jahrhundert, Altes Brauchtum neu gesehen, bis zu Natur beobachten, erleben, schützen übertitelten Kapiteln Interessantes zu lesen. Die Kalenderfrau Gertraud Steiner spricht in ihrem Vorwort von einem historischen Rundgang, dessen Schwerpunkt im 19. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert liegt.

Aber nicht nur die Erinnerung an Vergangenes und Althergebrachtes wie Theresia Oblassers Beitrag Von Brunnstuben, Futterküchen, Mach- und anderen Hütten, eine heute weitgehend abgekommene historische Bauernhof-Architekturlandschaft, und Schlackenputz - Eine Zierde an Flachgauer Bauernhäusern von Monika Brunner-Gaurek, wird thematisiert, der Fokus wird auch auf Kommendes gerichtet. Schülerinnen der landwirtschaftlichen Fachschulen Bruck an der Großglocknerstraße und Kleßheim schreiben über ihre Absichten und ihre Wünsche an die von ihnen erhoffte berufliche bäuerliche Zukunft.

Auch der Blick über den heimischen Tellerrand kommt nicht zu kurz. Arno Müller entführt die Leser und Leserinnen bis nach Neuguinea. Walter Gumpold erinnert an jene Zeiten, in denen Gastarbeiter aus dem Salzburger Land bei den Nachbarn und in Übersee als Holzarbeiter tätig waren. Dazu passend führt Sepp Eder, auch er ein ehemaliger Gastarbeiter in Sachen Holzgewinnung, mit seinem Text Der lange Weg zur Motorsäge durch sechs Jahrtausende Werkzeuggeschichte bis zur Gegenwart.

Was wären ländliche Regionen und die Landwirtschaft ohne die Belebung durch Wild- und Nutztiere. Günter Jaritz, ein in Theorie und Praxis versierter Fachmann mit Eigenerfahrung als Halter von vom Aussterben bedrohter Nutztierrassen berichtet über Seltenes Nutzgeflügel in den Alpen. Ebenfalls mit Tieren, aber mit deren Abbildung setzt sich Gertraud Steiner in ihrem Beitrag Die Tiermaler auseinander. Beginnend mit den prähistorischen Malereien in der Höhle von Lascaux, über die ausdrucksstarken Tierportraits des 19. Jahrhunderts, bis in die Zwischenkriegszeit, in der die Fotografie endgültig die Malerei abgelöst hat.

Lyrische Texte und historische - aber auch erstklassige Fotos der Gegenwart - tun im Salzburger Bauernkalender 2015 nicht als Lückenbüßer Dienst, sondern runden ab und ermöglichen Empfindungen und Augenblicke, die über die fachlichen Inhalte hinaus führen.

Rezension 2

Vielfältige Themen, da ist wohl für jedes etwas dabei

Manchmal wäre es mir lieber, wenn Rezensionsportale auch mal keine Bewertung zuließen. Nicht, weil dieses Buch schlecht wäre, sondern weil es für den einen hervorragend sein kann, aber für den anderen mäßig ist. Denn wie in so einem alljährlich erscheinenden Bauernkalender ist, gibt es in einem Jahr viele Themen, die auch mich interessieren, in einem anderen eben weniger. Die Ausgabe 2015 ist so ein „weniger“ für mich, was aber eben nicht heißen soll, dass die Ausgabe schlecht ist.

Weniger interessiert hat mich persönlich beispielsweise das Kapitel über den „Top-Nachwuchs für die Landwirtschaft“, in der Steiner über die Salzburger Landwirtschaftsschulen berichtet. Der Beitrag über Schlackenputz an Flachgauer Bauernhäuser von Monika Brunner-Gaurek war dann wieder interessant für mich, weil hier in der Umgebung, wo ich wohne, in Neumarkt am Wallersee, immer wieder solche Schlackenputz-Fassaden zu sehen sind (die übrigens, wahrscheinlich, von italienischen Maurern ihren Weg nach Salzburg gefunden hatten).

Von Brunnstuben, Futterküchen, Mach- und anderen Hütten schreibt Theresia Oblasser. „Der Bauer als Ernährer“ hat zumindest ein schönes Blumenfensterbild für mich und „der lange Weg bis zur Motorsäge“ wird wohl auch seine Leser finden. Über den ersten Kriegswinter 1914/15 berichtet Gerald Hirtner nicht uninteressant, Oblasser beschäftigt sich mit „Advent und Weihnachten auf einem Bergbauernhof im Pinzgau“ während des Zweiten Weltkriegs. Von Christina Nöbauer ist der auch für mich interessante Beitrag „Beherzte Frauen, unbotmäßige Bäuerinnen und Dienstmägde in der NS-Zeit“.

Agrarpolitik in der Zweiten Republik, Erinnerungen an die Ministrantenzeit, oder „Internat Rupertinum 1950er Jahre Wohnschule oder Schülerkaserne?“ waren dann für mich wieder weniger interessante Themen. Franz Fuchsberger aus Koppl ging als Missionar nach Neuguinea, die Wurzeln von Frau Percht - wieder interessant für mich, ebenso „von Wetterkerzen und Hagelflieger“; dass derDistelfalter in Massen über die Alpen in sein Winterquartier fliegt kann man auf fünf Seiten nachlesen und ausführlich wird über die Rückkehr von Wildtieren durch Wiederansiedlung in Österreich berichtet. Von der Geschichte des Weißdorns schreibt Hans Werner Krafft, „Der Tiermaler“ im Laufe der Geschichte und über den Pleier, einem Salzburger Dichter des Mittelalters sowie von Haubenhühnern und Martinigansln kann man lesen. Alles andere (Kalender, Patrozinien, Mondscheibe, Adressen usw.) wie in früheren Ausgaben.

Quellen