Kirche des heiligen Andreas

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Begriffsklärung
Dieser Artikel beschreibt die nicht mehr bestehende Andräkirche. Über die bestehende Andräkirche informiert der Artikel Stadtpfarrkirche St. Andrä.
Karte
Gedenktafel für St. Andreaskirche in der Linzer Gasse
Martin Reuter ließ die Andräkirche 1418 errichten. Sein Epitaph ist nunmehr außen an der Südseite der Margarethenkapelle angebracht

Die Kirche des heiligen Andreas, die Vorläuferkirche der heutigen Stadtpfarrkirche St. Andrä, ist eine nicht mehr existierende Kirche in der rechtsseitigen Altstadt der Stadt Salzburg, gelegen an der Straßenecke von Linzer Gasse und Dreifaltigkeitsgasse.

Geschichte

Als markantes Gebäude ist die Kirche des heiligen Andreas bereits in der ältesten Ansicht der Stadt Salzburg um 1460 zu finden. Sie wurde 1418 mit Genehmigung des Fürsterzbischofs Eberhard III. von Neuhaus durch den Salzburger Stadtrichter Martin Reuter, seinen Bruder Viktor Johann Reuter, Doktor der Rechte und Johann Kraft, Domherr und Kustos von St. Stefan in Wien, erbaut. Laut dem erhaltenen Stifterbrief hatte der Stadtrichter Martin Reuter den Auftrag dazu gegeben, der damit dem Wunsch seines bereits verstorbenen Onkels Hans Reuter nachkam: Eine Andreaskirche zu errichten und darin eine sogenannte "ewige Messe" halten zu lassen. Martin Reuters Grabmal selber, mit Stifterbild, wurde später mittig in der Kirche aufgebaut.[1] Der Fürsterzbischof und das Domkapitel bestätigten die Stiftung. Die von Meister Georg Bauer errichtete Kirche wurde am 29. November 1418 durch Engelmar Chrel, Bischof von Chiemsee konsekriert und dem heiligen Andreas geweiht.

In der Kirche las ein angestellter Priester täglich eine Messe für die Stifter und deren Angehörige.

1588 installierte Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau darin eine Stadtkaplanei, 1610 ließ er die gotische Kirche zu einem Renaissancebau umgestalten.

Die Kirche stand mit der Apis zur Linzer Gasse und dem Eingang in Richtung des erst später entstandenen Sauterbogens, heute das Haus Linzer Gasse 1. Die Kirche hatte ein hohes Pultdach mit einen breiten geschweiften Giebel, darüber ein kleines viereckiges Türmchen. Auf dem Giebel in der Mitte erhob sich ein Kreuz, am Ende eine Vase. Die Eingangstüre war mit Marmor eingerahmt. Über dem Eingang befanden sich die Statue des heiligen Andreas und darüber ein Uhrschild. Der Innenraum umfasste, etwa 22 Meter im Geviert. Das Deckengemälde stellte in nicht sonderlich künstlerischer Ausführung das Leben des heiligen Andreas dar. Die Kirche hatte fünf Altäre. Am Boden wie an den Seitenwänden befanden sich Grabsteine u. a. die der beiden Reuter. 1663 wurde die Kirche durch einen Sturmwind schwer beschädigt und der Glockenturm auf das nächste Haus geschleudert. Im nächstfolgenden Jahr wurde sie wieder hergestellt.

Unter Fürsterzbischof Andreas Jakob Graf von Dietrichstein war die Kirche erneut baufällig, so ordnete er 1750 einen aufwändigen Umbau im barocken Stil an. Davon kündete die Inschrift[2][3] am neuen Eingangsportal:

lateinisch:
"Sanctus Andreas Christi Apostolus Trecentis Triginta Octo Annis Huius Eccclesiae Patronus - De Novo Instauratum Sub Suavi Fortunatoque regimine Andreae Archiepiscopi Juvaviensis"
Übersetzung:
"(gewidmet) dem Heiligen Andreas, Apostel Jesu Christi, der im Jahr (dreihundert + dreißig + acht) 338 (starb) und der Schutzheilige für diese Kirche ist − Von Grund auf neu hergestellt unter Kuss sowie Glück- und Segensgabe während der Regierungszeit von Andreas Erzbischof von Salzburg"

Der Umbau war 1751 fertiggestellt.

Als man 1811 die Pfarre St. Andrä gründete, wurde sie Pfarrkirche. Die in der Nähe stehende St. Sebastianskirche war stets Filialkirche von St. Andrä gewesen und diente, wenn notwendig, als Ersatzkirche.

Die Kirche wurde 1818 beim großen Stadtbrand, obwohl sie so nahe dem Brandherd im Südflügel des Priesterhauses lag, nicht in Mitleidenschaft gezogen. Schwer beschädigt durch den Brand wurde allerdings das Pfarrhaus St. Andrä, das sich anschließend an das Gablerbräuhaus in der Priesterhausgasse befand, bis dahin auch die Volksschule für den rechten Stadtteil beherbergte und dann Anfang der 1820er-Jahre abgebrochen wurde.

Die Kirche des heiligen Andreas diente dann bis 1860 der Stadtpfarre Salzburg-St. Andrä als Pfarrkirche für die Stadt am rechten Salzachufer, Froschheim, Schallmoos und Äußeren Stein. Weil die Kirche sehr baufällig war, wurde sie von der Behörde gesperrt und die gottesdienstlichen Verrichtungen in die St. Sebastians-Kirche verlegt.

Da die Kirche dem zunehmenden Verkehr im Wege stand wurde das Gotteshaus 1861, den Einsprüchen der Bürger zum Trotz, im Auftrag des Magistrats abgetragen, wobei die im westlichen Bereich der Kirche gestandenen Außenmauern in den Bau des heutigen Denkstein-Hauses einbezogen wurden. Am 25. Oktober 1861 verkaufte das Konsistorium der Erzdiözese Salzburg, für die Verwaltung der Stiftung als deren Eigentümerin zuständig, den Platz mit Einverständnis des Magistrats der Stadt Salzburg an den Kaufmann Franz Zeller um 13.000 Gulden.

Die Portale und den Kreuzaltar der alten Kirche des heiligen Andreas mit den Statuen des Moses (Stab mit Schlange) und des Aaron verkaufte man an die Pfarre St. Georgen im Attergau, die dieselben beim Bau der Kalvarienbergkirche wiederverwendeten.[4] Die Grabsteine wurden zwischengelagert und später in den Friedhof von St. Peter an die Margarethenkapelle (außen und innen) versetzt. Die Statue des heiligen Andreas aus Marmor befindet sich im Garten des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern in Mülln.

Die neue Kirche des heiligen Andreas, die im Jahre 1898 fertiggestellt wurde, ist die heutige Stadtpfarrkirche St. Andrä.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Die Grabplatte ist an der Fassade der Margarethenkapelle erhalten. Vergl.: St. Andrä - Salzburg, hg. von Herbert Berndl, Salzburg 2006 (Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 459), S. 2f.
  2. books.google.at Lorenz Hübner, 1792, I. Band, Seite 332
  3. books.google.at Lorenz Hübner, 1794, I. Band, Seite 110
  4. Siehe AtterWiki Kalvarienbergkirche.