Orgelmacher

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Zinngießen fürs Orgelpfeifenmachen in der Werkstatt eines Orgelbauers.[1]

Orgeln waren in Salzburg früh in Verwendung, denn schon 1310 wurden bei einer Salzburger Synode alle Musikinstrumente, mit Ausnahme der (bestehenden) Orgeln, verboten.[2] Welche Orgelmacher in Salzburg vor 1400 tätig waren, ist nicht bekannt, erst ab Anfang des 15. Jahrhunderts sind einige Namen überliefert.

Orgelmacher vor 1597

Namentlich bekannt und mit Arbeiten in Salzburg vertreten sind

  • Hanns Vetlär um 1400
  • Magister Jacobus 1430
  • Hanns von Mansee um 1430 (= Hans von Mondsee)
  • Heinrich Traxdorf aus Mainz 1444 (auch Trassdorfer)
  • Meister Andre ca. 1450–1470
  • Hanns Reicher 1470
  • Wolfgang Ruerdorf 1475
  • Hanns Vetlär um 1499
  • Meister Leonhart um 1500
  • Matthäus Schwicker ca. 1500–1515
  • Christian Taler aus Wasserburg am Inn 1505
  • Ruprecht Glanner 1529
  • Josua Pock 1529–1596
  • Caspar Pockh ca. 1580–1604
  • Christoph Schreiber aus Erfurt 1588
  • Fabian Wagner ca. 1596–1600
  • Matthäus Grundtman 1604
  • Hipolit Erle aus Traunstein 1605.[3]

Hoforgelmacher

Orgelmacherhaus 1753 - 1788

1587 kam in Salzburg ein Regent an die Macht, der die Stadt Salzburg umgestaltete und das Fürsterzbistum neu organisierte: Wolf Dietrich von Raitenau, bis 1612 Fürsterzbischof von Salzburg. Er beschloss auch die Neuordnung der Dommusik, die am 1. März 1597 in Kraft trat.[4]

Gemäß dieser führte die fürsterzbischöfliche Verwaltung in Salzburg das Amt des Hoforgelmachers ein.

Im Laufe der Zeit übten acht Hoforgelbauer, ab 1700 auch Landorgelmacher genannt, dieses Amt aus:

Hoforgelmacher gehörten zu den besonders etablierten Orgelbauern, die die Instrumente bei Hof für eine monatliche Entlohnung gestimmt und gewartet halten mussten. Außerdem konnten sie bevorzugt mit Aufträgen zur Errichtung, Vergrößerung oder Reparatur von Orgeln im Stiftsgebiet rechnen.

Orgelbauer nach 1804

Im Gefolge des Ersten Napoleonischen Kriegs und des Friedensvertrags von Lunéville kam es 1803 zur Säkularisation des Erzstiftes Salzburg. Der damit einhergehende Umbruch in der Verwaltung führte zu einer neuen Gewerbeordnung. Diese betraf auch das Handwerk der Orgelbauer, für die das Gewerbe des Bürgerlichen Orgelmachers geschaffen wurde, das Amt des Hoforgelmachers war mit dem Tode Johann Ev. Schmidts 1804 erloschen. Joseph Konradt (* um 1773 in Würzburg; † 9. September 1838 in Salzburg) war der erste bürgerliche Orgelmacher in Salzburg.[5]

Neben „auswärtigen“ Orgelbauern, die in Stadt und Land Salzburg Aufträge erhielten, hatte eine ganze Reihe, zumindest zeitweise, eine Orgelbau-Werkstätte in Salzburg. Im Gewerbeschematismus von 1866 sind in Salzburg sechs Orgelbauer eingetragen, nämlich Georg Barfuß (im Fünfhaus), Johann Dummel (Badergäßchen 340), Heinrich Katholnigg, Johann Mauracher (Lehen 2), Mathias Mauracher (Stein 42) und Ludwig Moser (Froschheim 12 = Villa Haimerle).[6] Eine der bekanntesten Orgelbau-Dynastien sind die Maurachers, eine Zillertaler Orgelbauerfamilie, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts durch viele Generationen in allen Ländern Österreichs wirkte. 1861 verlegten zwei Maurachers ihre Werkstätten nach Salzburg, nämlich Johann Nepomuk und Mattäus I..
Nach 1804 sind folgende Werkstätten in Salzburg vertreten:

Viele andere Orgelbauer aus der Familie der Mauracher sind mit Arbeiten in Salzburg nachweisbar: Mathias Mauracher, Andreas Mauracher, Karl Mauracher, Ludwig Mauracher und Josef Mauracher

Ablieferung zinnerner Pfeifen für die Rüstungsindustrie 1917/18

Im Ersten Weltkrieg wurden Halbedelmetalle knapp und mussten requiriert werden.[8] So büßten u.a. Kirchtürme ihre Glocken aus Bronze ein, Orgeln ihre Prospektpfeifen aus Zinn. Im Laufe des Jahres 1917 waren Salzburgs Orgeln im Vorhinein schon mit sog. Orgelausweisen registriert worden.[9] Am 14. November 1917 erging dann in Salzburg ein Schreiben mit der Kopfzeile: An sämtliche Kirchenvorstehungen der Erzdiözese. Denn das k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht hatte die Inanspruchnahme der Orgel Prospektpfeifen verkündet. Von Seite des Fürsterzbischöflichen Konsistoriums, nämlich Präses Dr. Alfred Prey[10] und Kanzler Joseph Gruber, wurde mitgeteilt, dass der Orgelbesitzer auch für die unfrankierte Aufgabe des Pfeifenmaterials an den Lagerplatz des Kriegsministeriums, Wien-Matzleinsdorf vorzusorgen und hiebei das Bruttogewicht der Sendung bahnamtlich feststellen zu lassen habe. Im Weiteren ist zu lesen: Bei dieser Gelegenheit wird ausdrücklich bemerkt, dass die geistl. Stelle sich im gegenwärtigen Zeitpunkte gegen geplante Orgelreparaturen prinzipiell ablehnend verhalten muss. Auf die Vorlage der Kostenvoranschläge für Ersatzpfeifen wird eigens noch einmal aufmerksam gemacht.[11]
Anton Bäumer,[12] der Pfarrer von Faistenau z. B., war der Entwicklung zuvorgekommen und hatte wohlweislich bereits Ersatzpfeifen durch Adam Grünsfelder einbauen lassen. Er konnte daher, offenbar etwas schnoddrig im Ton, folgendes in den Orgelausweis eintragen:
Name des Orgelbauers: Albert Mauracher […] Grünsfelder
Sämtliche Zinnpfeifen wurden bei der Orgel Renovierung mit Erlaubnis des Hochw. f. e. Konsistoriums l. Kostenvoranschlag gleichzeitig unentgeltlich bereits gegen neue Zinkpfeifen ausgetauscht die sich sehr gut ausnehmen u. tadellos klingen: 7 Register: Orgelbauer A. Grünsfelder Salzburg.
Es gibt also nichts mehr zum abgeben hier
.
Gehäuse: Holzwerk gestrichen teilweise vergoldet
14. Oktober 1917 Anton Bäumer, Pfarrer[13]

Bis Kriegsende wurden in Salzburg von 158 Orgeln die Prospektpfeifen entnommen und eingeschmolzen; 194 Orgeln waren erfasst worden, von diesen durften 36 Orgel ihre Prospektpfeifen offiziell behalten.[14]

Orgeln ohne Zinnpfeifen nach 1918

Anstatt der silberfarbenen Zinnpfeifen auf der Schauseite der Orgel, dem Prospekt, klaffte nach der Entferung derselben eine dunkle Öffnung; diese Orgeln wirkten entstellt. Viele Orgeln erhielten deswegen anstelle der Pfeifen ein rotes Tuch eingespannt, ähnlich einem Vorhang, um dem Orgelkasten optisch zu schließen. Denn in den meisten Fällen konnte man erst in den 1920er-Jahren die fehlenden Zinnpfeifen, meist lediglich durch Blechpfeifen aus Zink, ersetzen. Diese billig hergestellten Zinkpfeifen versah man mit einem silberfarbenen Film, ähnlich dem sog. Ofensilber, um den (verlorenen) Glanz des Zinns zu imitieren. Seit den 1970-er Jahren werden bei Restaurierungen historischer Orgeln die Zink-Ersatzpfeifen wieder durch Zinnpfeifen ersetzt. Daher „verschwinden“ Zinkpfeifen peu à peu aus der Salzburger Orgellandschaft, ihr Anblick ist seltener geworden.

Literatur

  • Hintermaier, Ernst: »Es gehe confuse in verrichtung des Gottesdienstes zue, vnnd wolle demnach denn Chorum in ein bessere und richtigere Ordnung bringen.« Liturgie-Reform, Kirchenmusik und höfisches Musikleben unter den Erzbischöfen Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612) und Markus Sittikus von Hohenems (1612–1619). In: Salzburger Musikgeschichte. Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, hrsg. von Jürg Stenzl / Ernst Hintermaier / Gerhard Walterskirchen, Salzburg 2005, S. 121–138.
  • Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, ISBN 978-3-86553-446-0 (zugleich Dissertation: Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg, Universität Mozarteum 2012).
  • Schubert-Soldern, Fortunat: XVIII. Metallbeschlagnahmung in Österreich. In: Clemen, Paul (Hg.): Kunstschutz im Kriege. Berichte über den Zustand der Kunstdenkmäler auf verschiedenen Kriegsschauplätzen, 2 Bände, Leipzig 1919 (Band 2), S. 215–221.
  • Spies, Hermann: Beiträge zur Geschichte der Kirchenmusik in Salzburg im Spätmittelalter und zu Anfang der Renaissance. In: MGSLK 91 (1951) S. 132–152.
  • Walterskirchen, Gerhard: „… er ist der Stolz der Stadt für ewige Zeiten“. Aufstieg und Fall des Orgelbauers Ludwig Mooser. Festschrift Alfred Reichling zum 70. Geburtstag, hg. von Roland Behrens und Christoph Grohmann, Gesellschaft der Orgelfreunde 2005.
  • Walterskirchen, Gerhard: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Universität Salzburg 1982.

Weblinks

Quelle

  • Salzburgwiki-Artikel

Fußnoten

  1. Entnommen dem Buch Die Kunst des Orgelbauers (»L’Art du facteur d'orgues«) von Dom Bédos, einem Benediktiner in Toulouse, später Bordeaux, der es 1766 – 1778 verfasste.
  2. Spies, Hermann: Beiträge zur Geschichte der Kirchenmusik in Salzburg im Spätmittelalter und zu Anfang der Renaissance. In: MGSLK 91 (1951) S. 142.
  3. Walterskirchen, Gerhard: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 15.
  4. Hintermaier, Ernst: »Es gehe confuse in verrichtung des Gottesdienstes zue, vnnd wolle demnach denn Chorum in ein bessere und richtigere Ordnung bringen.« Liturgie-Reform, Kirchenmusik und höfisches Musikleben unter den Erzbischöfen Wolf Dietrich von Raitenau (1587–1612) und Markus Sittikus von Hohenems (1612 – 1619). In: Salzburger Musikgeschichte. Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert, hrsg. von Jürg Stenzl, Ernst Hintermaier, Gerhard Walterskirchen, Salzburg 2005, S. 125
  5. Walterskirchen, Gerhard: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg, Dissertation Universität Salzburg 1982, S. 14.
  6. Handels- und Gewerbe-Schematismus für das Herzogthum Salzburg, Salzburg: Verlag Ludwig Taube 1866, S. 23.
  7. Er wurde im Sebastiansfriedhof beigesetzt, sein aufgelassenes Grab ist gelistet als: Katholnigg H.; Conrad Dorn: Namen von eingeebneten Erdgräbern und aufgelassenen Grüften. In: Conrad Dorn: Der Friedhof zum hl. Sebastian in Salzburg, hg. vom Kulturamt der Stadt Salzburg, Salzburg 1969, S. 129–137, hier: S. 132.
  8. Vergleiche Wikipedia: Metallspende des deutschen Volkes im 1. Weltkrieg [1].
  9. AES: Rn1c (12/8), Orgelausweise der Pfarren Salzburg 1917.
  10. RES, Alfred Prey: [2], aufgerufen am 30. Jänner 2015.
  11. AES: Pfarrarchiv Embach, Karton Nr. 3, Orgel-Sachen 19. und 20. Jahrhundert. Zitiert nach: Roman Schmeißner: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen, Duisburg & Köln: WiKu-Verlag 2015, S. 72.
  12. RES, Anton P. Bäumer: [3], aufgerufen am 6. Jänner 2016.
  13. AES: Rn1c (12/8), Orgelausweise der Pfarren Salzburg 1917.
  14. Fortunat Schubert-Soldern: XVIII. Metallbeschlagnahmung in Österreich. In: Clemen, Paul (Hg.): Kunstschutz im Kriege, Leipzig 1919, S. 220.