Standseilbahn Radhausberg

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Plan der Bergstation Aufzugsmaschine auf den Radhausberg von Oberwerkmeister Joseph Gainschnigg
Ehemalige Bergstation der Standseilbahn Radhausberg

Die Standseilbahn Radhausberg am Radhausberg in den Hohen Tauern, südwestlich des Gasteinertals, wurde 1804 erbaut und war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen, wahrscheinlich im gesamten Alpenraum. Die Reste der Bergstation zählen zu den denkmalgeschützten Objekten in Bad Gastein.

Geschichte

Diese Standseilbahn wurde für den Transport der Gold- und Silbererze erbaut. Sie führte von der Schusterasten zum Zettachboden am Radhausberg und wurde als Aufzugsmaschine bezeichnet. Der Konstrukteur war Oberwerkmeister Joseph Gainschnigg, der sich im Gasteiner Goldbergbau vom Förderjungen zum Kunstmeister empor gearbeitet hatte.

Im Herbst 1803 lief bereits der Probebetrieb, ab Sommer 1804 der reguläre Betrieb. Prominenter Besucher der Anlage war am 10. August 1804 Kurfürst Ferdinand III. von Toskana, der damalige Salzburger Landesherr (1803 - 1805) höchstpersönlich. Diese "Aufzugsmaschine" war die erste alpine Seilbahn in den Ostalpen, wahrscheinlich im gesamten Alpenraum. Das massiv geflochtene und geteerte Hanfseil riss zweimal, doch kam in den 64 Jahren nie jemand zu Schaden. Im Jahre 1831 ließ Gainschnigg wesentliche Teile der Bahn mit neuem Lärchenholzmaterial ersetzen und baute 1832 ein Pendant zur Radhausberger Aufzugsmaschine in Rauris, von Kolm-Saigurn auf den Kälberriedel nächst dem Touristenheim "Neubau".

Die Aufzugsmaschine blieb bis 1868 in Betrieb. Bedauerlicherweise konnte auch diese technische Innovation die Einstellung des Goldbergbaus nicht verhindern.

Konstruktion

Es handelte sich um eine auf Holzgeleisen laufende Standseilbahn, mit einem wasserradgetriebenen Antriebsmotor hoch oben am Radhausberg nächst dem damaligen Hieronymushaus auf ca. 1 950 m Seehöhe, damit 700 Höhenmeter oberhalb der Talstation, die sich am alten Nassfeldweg knapp oberhalb der heutigen Astenalm befand. Diese Maschine konnte Lasten bis zu 4 000 kg befördern und auch den Touristen war das Mitfahren erlaubt, wenn sie sich trauten. Immerhin lief die Bahn an der steilsten Stelle fast senkrecht und Mitfahrer mussten sich vor dieser Stelle auf den Boden legen und dann, wenn es so weit war, mit den Füßen am vorderen Seitenrahmen des truhenartigen Fahrwagens abstützen.

Das hölzerne, zum Antrieb der Bahn eingesetzte Wasserrad, hatte einen Durchmesser von 17 und das Seil eine Länge von 1 400 Metern. Dieses Wasserrad war das größte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Das Seil wurde aus reinem Hanf gedreht und wies einen Durchmesser von 40 bis 60 cm auf. Das Original ist im Montanmuseum Altböckstein ausgestellt, wo auch nähere Informationen und zahlreiche weitere Exponate die Möglichkeit bieten, das Wissen um Geschichte und Technik des Goldbergbaus zu vertiefen. An einigen Stellen der Trasse war der Steigungswinkel der Bahn annähernd senkrecht. Mit dieser Standseilbahn konnten Lasten von bis zu 30 Zentnern befördert werden.

Bildergalerie

Quellen

  • Salzburgwiki-Artikel Radhausberg
  • Sebastian Hinterseer, Bad Hofgastein und die Geschichte Gasteins, Selbstverlag, 1957
  • Informationstafel bei der Ruine der ehemaligen Bergstation der Standseilbahn
  • Dr. Fritz Gruber via E-Mail an Peter Krackowizer
aus Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung. Bergbau - Badewesen - Bauwerke - Ortsnamen - Biografien - Chronologie