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Graugans

Graugänse
Graugans mit Nachwuchs im Wildpark Grünau im Almtal
Grauganspaar und Stockentenerpel am Leopoldskroner Weiher
Grauganspaar am Leopoldskroner Weiher

Die Graugans (Anser anser) ist ein Brutvogel Nord- und Osteuropas und Asiens und wurde hierzulande vor allem durch Konrad Lorenz bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Graugänse bewohnen in Österreich aber nicht nur das oberösterreichische Almtal, wo sie von Konrad Lorenz und seinem Team im Rahmen seines Forschungsprojektes gezielt angesiedelt wurden, sie finden sich z. B. auch in Salzburg am Leopoldskroner Weiher, wo auch die Mandarinente beobachtet werden kann.

Graugänse haben wie oben erwähnt ihre Bekanntheit und Popularität dem Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz zu verdanken, der es verstanden hat, seine Forschungsergebnisse in verständlicher und flüssiger Weise zu verschriftlichen und damit einem über die Fachwelt hinausgehenden Leserkreis bekannt zu machen. Die von ihm aufgestellten Theorien über Graugänse und Grauganspopulationen, vor allem seine Aggressionstheorie im Vergleich mit Menschen und menschlichem Verhalten, zusammengefasst in seinem Buch „Hier bin ich – wo bist du“ (Ethologie der Graugans. München/Zürich: Piper, 1988), waren allerdings von jeher umstritten. Die diesbezügliche Kritik an Konrad Lorenz fand vor allem durch die Autoren Gunter Pilz und Hugo Moesch in ihrer Publikation „Der Mensch und die Graugans“ ihren Niederschlag.

Allgemeines

Die Graugans ist eine Art der Gattung Feldgänse (Anser) innnerhalb der Familie der Entenvögel. Sie zählt zu den häufigsten Wasservögeln und ist die zweitgrößte Gänseart Europas. Graugänse sind wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse. Dabei gilt Mitteleuropa als jene Region, in der diese Gans domestiziert wurde.

Aussehen und Verbreitung

Die Graugans ist ein Brutvogel Nord- und Osteuropas sowie Asiens.

Das Gefieder der Graugans weist ein helles Grau auf. Der Hals wirkt stämmig und durch die Anordnung der Federn erscheint er leicht längsgestreift. Die Vorderflügel sind auffallend hell und der Bauch weist mehr oder minder stark ausgeprägte schwarze Flecken auf. Der Schnabel ist relativ groß und klobig. Die Graugans erreicht eine Länge von 75 bis 90 cm, eine Flügelspannweite von 147 bis 180 cm und ein Gewicht von 2,5 bis 4 kg. Ganter sind schwerer als Weibchen und wiegen meist zwischen drei und vier Kilogramm, die leichteren Weibchen erreichen zwei bis 3,5 Kilogramm Körpergewicht. Küken und Jungvögel unterscheiden sich in Farbe und Zeichnung von den Altvögeln. Graugänse können bis zu 17 Jahre alt werden.

Die sehr rufaktive Graugans verfügt über mehr als ein Dutzend verschiedener Lautäußerungen, wobei es individuelle Unterschiede gibt. „Einige Graugänse rufen immer in einer sehr hohen Kopfstimme, während andere eher geräuschhaft knarrende Laute von sich geben. Sie haben jedoch auch laut trompetende Rufe in ihrem Repertoire. Gelegentlich kommt es zu einem duettartigen Rufen zwischen zwei Individuen, wobei die Gänse jeweils im Wechsel rufen.“

„Während des Zuges ist die Graugans in ganz Europa anzutreffen. Sie brütet in Großbritannien, ganz Fennoskandinavien außer den weit von der Küste entfernten Gebieten sowie in ganz Kontinentaleuropa nordöstlich einer Linie von Dünkirchen bis Patras in Griechenland mit Schwerpunkt in den Niederlanden, Norddeutschland, der Südküste der Ostsee sowie in einem Gebiet zwischen Österreich, Ungarn und Tschechien. Die Überwinterungsgebiete der Graugans liegen an der Westküste der iberischen Halbinsel, an den Nordküsten von Algerien und Tunesien und an den Küsten der Adria. Große Populationen mit mehreren zehntausend Gänsen rasten regelmäßig im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel auf den brachliegenden Wiesen.“

Ernährung, Lebensweise und Fortpflanzung

Bevorzugter Brutplatz der Graugänse sind Seen und Teiche mit breiten Schilfgürteln und angrenzenden Wiesen. Äsungsplätze können sich jedoch auch weit vom Brutplatz entfernt befinden. Brütende Graugänse lassen sich auch in Mooren, auf bewaldeten Inseln und in Flussauen nieder.

Vom Zugvogel zum Standvogel

Die Graugans ist an sich ein Zugvogel, der üblicherweise im Winter nach Süden zieht. In den letzten Jahrzehnten neigen Graugänse immer häufiger dazu, auch weiter im Norden zu überwintern, besonders in den Niederlanden oder überhaupt in den nicht zu weit nördlich gelegenen Brutgebieten, und werden dadurch zu Standvögeln. Auslöser dieses Trends sind eine intensive Landwirtschaft, die auch im Winterhalbjahr genügend Nahrung bietet, der im Norden geringere Jagddruck sowie möglicherweise auch der Klimawandel. „Bis vor wenigen Jahrzehnten überwinterten noch fast alle Graugänse in den Marismas des Guadalquivirs und in Tunesien um den Ischkeul-See sowie in Westalgerien. Wenn sie auf ihrem Zug sind, bilden sie eine charakteristische V-Formation. Die Wanderungsrouten der Graugans sind nicht genetisch fixiert, sondern werden in den verschiedenen Teilpopulationen tradiert. Neben dem Zug in die Überwinterungsquartiere gibt es einen sogenannten Mauserzug, der nicht brütende Tiere zu bestimmten Mauserplätzen führt. Seit den sechziger Jahren hat sich das Oostvaardersplassen zum wichtigsten Mauserplatz Europas entwickelt.“

Außerhalb von Paarungs- und Brutzeit leben Graugänse im Kollektiv und formieren sich in großen Schwärmen. Graugänse bilden bereits im Herbst des zweiten Kalenderjahres Paare, brüten aber selten vor dem Erreichen des vierten Kalenderjahres. Graugänse zeichnen sich durch Paartreue aus, nach Verlust des Partners gehen sie jedoch eine neue Partnerschaft ein. Sie brüten in einem sehr lockeren Kolonienverband, bei dem zwischen den einzelnen Brutnestern ein größerer Abstand besteht.

Das Nest befindet sich in einer flachen Nestmulde, die mit einer dünnen Schicht Daunen ausgelegt wird, wobei in sehr feuchten Brutgebieten auch eine Anhäufung von Sumpfpflanzen als Nest dienen kann. Die Brut beginnt je nach Standort Mitte März bis Ende April, wobei die Graugänse in nördlicheren Regionen erst im späten April mit der Eiablage anfangen. Wird das Gelege zerstört, legen Graugänse kein zweites Gelege an.

Wilde Graugänse legen gewöhnlich vier bis sechs Eier. Nur das Weibchen brütet, das Männchen hält sich während der Brutzeit in der Nähe des Nestes auf. Nach etwa 27 bis 29 Tagen schlüpfen die Jungen, deren Aufzucht etwa 50 bis 60 Tage dauert. Die Jungtiere bleiben bis zur nächsten Brut für gewöhnlich mit den Elterntieren zusammen und sind auch später oft in deren Nähe anzutreffen. Graugänse erkennen einander hauptsächlich an ihren individuellen Rufen. Das oft die ganze Nacht hörbare „Gänsegeschnatter“ dient dem Wiederfinden der Familienmitglieder. Unter männlichen Graugänsen kann es auch zu homosexuellen Beziehungen kommen, wobei ein Weibchen in eine solche gleichgeschlechtliche Partnerschaft mit einbezogen werden kann. In solchen Fällen begatten beide Männchen das Weibchen, ein Männchen bleibt jedoch stets dominant. „Während der Aufzucht der Jungen bleibt das Trio zusammen. Danach trennt sich das Weibchen von der Gruppe, während das männliche Paar zusammen bleibt.“

Für die Ernährung der Graugänse sind niedrig bewachsene Flächen erforderlich, einerseits wegen der von ihnen benötigten kurzen Gräser und Kräuter und andererseits auch für ihr Sicherheitsbedürfnis. Natürliche Weidesysteme mit großen Pflanzenfressern wie Rinder oder Pferde sind daher ideal. Sie fressen aber auch Wasserpflanzen und in geringem Ausmaß auch Stauden und Wurzeln. Auch herbstliche Felder nach Maiskulturen, oder Raps- und Wintergetreidekulturen sind bei Graugänsen beliebte Äsungsgebiete.

Bestandsentwicklung

Anfang der 1970er-Jahre war der Bestand der Graugänse an einem Tiefpunkt angelangt, die europäische Gesamtpopulation umfasste damals nur mehr etwa 20.000 Tiere. Bis zum Jahr 2003 erholte sich der Bestand wieder, der gesamteuropäische Bestand wurde damals wieder auf etwa 250.000 Tiere geschätzt. Diese besiedeln dabei nicht nur ihre früheren Brutgebiete, sondern weiteten auch ihr Brutvogelareal vor allem in Deutschland, Österreich und den Niederlanden aus.

 
Beringte Graugans im Wildpark Grünau im Almtal

Ringmeldung

Es macht Sinn, beim Beobachten von Vögeln oder bei der Auffindung von toten Vögeln auch einen Blick auf eine eventuelle Beringung zu werfen. Ringfunde können jederzeit nach Radolfzell[1] gemeldet werden und sind ein aktiver Beitrag zur wissenschaftlichen Erfassung und zum Schutz der Vögel Europas. Wer einen Ringfund meldet, erhält nachfolgend einen Lebenslauf des betreffenden Vogels, was sehr interessant sein kann.

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Graugans"
  • Lorenz, Konrad: „Das Jahr der Graugans“, Deutscher Taschenbuch Verlag, 4. Auflage, München 1986
  • Pilz, Gunther / Hugo Moesch: „Der Mensch und die Graugans, Eine Kritik an Konrad Lorenz“, Umschau Verlag Frankfurt/Main, 1975

Einzelnachweis