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Wetterzauber

Wetterzauber, Gemachte Wetter und Hexenglaube, war bis ins 17. Jahrhundert die häufigste Erklärung für Unwetter wie beispielsweise Hagel. Dementsprechend suchte man in der Bevölkerung nach Hexen und Zauberern. Fand man sie, wurde sie meist hingerichtet.

Geschichte

Aus den Unterlagen über einen Hexenprozess aus dem Jahr 1575 geht folgende Geschichte hervor: Ein Hirte bezeugte darin, dass er am Schmiedingerkees[1] Wettermacherinnen beobachtet hätte. Diese seien auf Besenstiele über die Berggrate geflogen und hätten dabei riesige Eisblöcke aus dem Gletscher gehackt, zerkleinert und mit dem Granulat (Hagel) die Felder und Wiesen verwüstet. Es gab ja keine naturwissenschaftliche Erklärung für Hagel. So ersetzte man fehlendes Wissen mit Fantasie und Aberglaube. Die Chronik von Bramberg am Wildkogel berichtet, dass 1575 der Bramberger Pfarrer Rupert Ramsauer und seiner Köchin Eva Neidegger wegen Wetterzauber hingerichtet wurden.

Wenn auch der Vorgang des Wettermachens durch Zauberei nur der Einbildungskraft des Volkes entsprang, so lebt der Glaube an das Wettermachen doch fort. Wie weit dies in früherer Zeiten zurückreicht, zeigt ein Zeugnis des Erzbischofs Argobard von Lyon, ein Zeitgenosse Karls des Großen. Er schreibt in einem Bericht:

„In diesen Gegenden glauben fast alle Leute, daß Hagel und Donnerwetter durch den Willen von Menschen hervorgerufen werden könnten. Sobald sie den Blitz sehen und den Donner hören, sagen sie: Das ist Aura levatitia. Wenn man sie aber fragt, was Aura levatitia ist, so versichern sie, die einen scheu, da sie doch ihr Gewissen ein wenig beißt, die andern zuversichtlich, wie es unwissende Leute zu tun pflegen, die Gewitterluft sei durch Beschwörungen von Leuten, die man Wettermacher (tempestarii) nennt, heraufgeholt worden“.

Vor dem Ruf, ein Wettermacher zu sein, schützte auch das geistliche Gewand nicht. Der Pfarrer Michael Mättensperger von St. Margarethen im Lungau wurde 1671 wegen Versäumung der Wetterandachten verklagt, auch dass er Zauberei treibe „in 3, 4 Hüttlein seiner Ötz von Gestalt eines Raumb- oder Reiserhaufens“. Der Visitator untersuchte die Sache sehr ernstlich, verhörte viele Gemeindemitglieder und den Pfarrer, der die Zauberei in Abrede stellte. Ein Urteil aber liegt nicht vor.

In der altnordischen Wetterzauberei ist es eine Zauberin, die den verfolgten Helden durch Nebel und Unwetter bedroht. Es ist die alte Hagazusa, die einsam im Walde als Dienerin der Götter lebt und schließlich als Hexe von allen gemieden wird. Der Glaube an den unheilvollen Einfluss dieser Wesen war noch bis vor wenigen Generationen bei uns noch immer vorhanden und es zeigte sich, dass manche Gewitter, meist waren es Schauerwetter, als „Gemachte Wetter“ den Hexen zugeschrieben werden.

Davon weiß man vieles zu erzählen.

Auf dem Gern, einem Berg bei Piesendorf (wohl in der Ortschaft Walchen, wo es heute noch einen Gernblickweg gibt), trieb die Gernerhexe ihr Unwesen. Sie war eine alte Frau in grellrotem Gewand, ihre Augen blickten boshaft, die grauen Haare hingen ihr wirr in das Gesicht. Sie verhexte das Vieh auf den Almen und ließ fürchterliche Hagelwetter darüber fahren. In Krimml ging einmal ein Bauer aus dem Achental heraus. Da sah er bei einem furchtbaren Wetter eine Schar von Hexen in das Tal ziehen, und wohin sie zogen, folgte ihnen das Wetter. Ebenso begegneten dem Veitenbauer in Krimml sieben Hexen, von denen jede einen Milchseiher auf dem Kopf trug. Gleich darauf begann es zu regnen, wochenlang fort. Daran waren die Hexen schuld, die den Regen durch den Seiher ließen.

Die Wettersteinhexe und die Hexe von St. Margarethen im Lungau waren gefürchtete Wettermacherinnen. Diese verursachte einmal ein schreckliches Unwetter, sodass die Hagelkörner spannhoch im Tal lagen. Die Lantschfeldhexen brauten in großen Kesseln das Wetter zusammen, das dann aus dem Lantschfeldwinkel herauszog. Ein Wettermacher war auch der verrufene Schörgentoni, der Gerichtsscherge im Schloss Moosham, der schleuderte Blitze ins Tal.

Die Hexen hielten in der Gewitterzeit auf Bergen ihre Zusammenkünfte und führten dort ihre Tänze auf. Solche Hexentanzplätze gibt es einige in Salzburg. Auf dem Buchberg in Mattsee wird ein Platz der Hexenplatz genannt. Der bedeckt sich bei einem nahenden Gewitter zuerst mit Nebelschleiern, darunter brauen die Hexen das Gewitter zusammen.

Auf der Hochkammer im Kapruner Tal war ein Hexentanzplatz, auf dem die Hexen von den Gletschern Eisstöcke loshacken, sie auf die Höhe tragen und in Hagel verwandeln.

Ein anderer Tummelplatz der Hexen wart die Zeferethalm unterhalb des Kitzsteinhorns im Pinzgau. Sie hielten dort ihre Tänze ab und fuhren dann wettermachend in die Luft.

Im Lungau ist der Hexenplatz auf der Grafenwiese am Überling, einem Bergrücken südlich des Prebers. Ein kreisförmiger, ganz zerstampfter Platz war der Hexenplatz. Alle Unwetter nahmen dort ihren Ausgang. Besonders die Felder des Lippenbauers wurden heimgesucht, bis sie dieser durch das Vergraben geweihter Sachen vertrieb.

Beim Wetterschießen wurden im Lungau auch manchmal goldene Haarnadeln heruntergeschossen, die von Hexen herrührten, ebenso die Haare, die sich in den Schloßen befanden. Deshalb soll man Haare, die beim Zöpfen ausgehen, dreimal anspucken und dann erst wegwerfen. Nicht angespiene Haare werden von den Hexen zum Füllen der Hagelkörner gebraucht.

Am wirksamsten galt das Wetterläuten gegen „Gemachte Wetter“. Manche Glocken waren besonders kräftig, sie hießen „hochgeweihte“ und sie vermochten das unheilvolle Wirken der Hexen aufzuheben.

Quellen

Fußnote

  1. Gletscher nördlich unterhalb des Kitzsteinhornes im Pinzgau in den Hohen Tauern