Bruderschaften

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Die Bruderschaften, Brüderschaften oder Fraternitäten sind organisierte religiös geprägte Gemeinschaften oder Körperschaft von Männern, die sich untereinander „Brüder" nennen und gemeinsame religiöse, aber auch wohltätige Interessen verfolgen. Einige Bruderschaften standen auch für Frauen offen, sie nannten sich Schwesternschaft, wurden aber auch als Frauenbund bzw. Liebesbund bezeichnet . In diesem Artikel wird auf Bruderschaften in Salzburg näher eingegangen. Zu unterscheiden sind grundsätzlich Zunftbruderschaften, kirchliche Laiengemeinschaften und Priestergemeinschaften. In Salzburg besteht die Priesterbruderschaft St. Petrus erst seit 1988. Sie gestaltet die Gottesdienste von St. Sebastian und St. Loreto.


Bruderschaften als religiöse Zunft- und Handwerksbünde

Bruderschaften sind oft an bestimmte Handwerksberufe gebunden, aber anderseits auch eine freie Organisationsform katholischer Religiosität, die in der Barockzeit eine besondere Blüte erlebte. Vielfach nannten sich aber auch Handwerkszechen, (also Innungen, bzw. Handwerksgruppen) ebenfalls Bruderschaft. So gab es noch 1790 in der Stadt Salzbutrg die "Bruderschaft des Ehrsamen Handwerks der Goldschmid", die ihre verbrieften Gottesdienst-Verpflichtungen ebenso wie die Maurer und Steinmetze, die Leinweber und Huterer aber ebenso bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gewissenhaft einhielten.

  1. Die Bruderschaft der Zech- und Bierbrauer "allhier zu Salzburg" war "der Hochlobigen Unserer Lieben Frauen und deß heiligen unsers erküsten Marterers St. Florian" geweiht.
  2. Die Frauen- und Florianibruderschaft der Brauerzeche
  3. Die Lustgärtner waren in der "Maria Magdalena Bruderschaft" zusammengeschlossen.
  4. Die Bruderschaft der Lieferinger Fischer (unter Anrufung der Apostel Petrus und Paulus) hatten in der Franziskanerkirche ihren Bruderschaftaltar
  5. Die Schusterbruderschaft zu Ehren der Heiligen Martyrer Crispini und Crispiniani besaß "ihren" Altar seit 1683 in St. Blasius.
  6. Die Schopper und Schiffleute nannten sich "Maria Sieben Schmerzen Bruderschaft" und hatten ihren Alter ebenfalls in der Franziskanerkirche.
  7. Die Bruderschaft der Bäcker und Bäckerknechte von 1508 waren ebenfalls in der Franziskanerkirche beheimatet, "ihr" Altar war der Hochaltar.
  8. Die Musiker schlossen sich um 1700 in der Kreuzbruderschaft von St. Blasius (sub titulo et invocatione Sta. Crucis) zusammen (siehe Bruderschaft vom Heiligen Kreuz.

Bruderschaften als religiöse Laien-Vereinigungen

Religiöse Bruderschaften gab es in Stadt und Land Salzburg. Beispiele für die Stadt Salzburg wären die Bruderschaften St. Josef im Dom, zu St. Sebastian, vom Heiligen Kreuz oder die Corporis-Christi-Bruderschaft, für das Land beispielsweise die Bruderschaft St. Oswald in Anif oder die St.-Leonhards-Bruderschaft in der Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg.

Es gab eigene Trachten, aus deren Färbung sich dann etwa die volkstümliche Benennung als „Rote Bruderschaft“ oder „Schwarze Bruderschaft“ ergeben konnte.

Die Bruderschaften waren jeweils mit bestimmten Kirchen verbunden; so gab es z. B. die „Schwarze Bruderschaft“ in der Schwarzbruderschaftskirche in der Salzburger Kaigasse 10, die Corporis-Christi-Bruderschaftskirche (St. Salvator-Kirche) in der Kaigasse 4 oder die Heiducken-Bruderschaft in der Johanneskirche.

Bruderschaften sorgten auch für den Betrieb von Bruderhäusern wie dem Bruderhaus St. Sebastian oder dem Bruderhaus Hallein.

Exkurs: Die Bruderschaften anlässlich der Domweihe im Jahr 1628

Exkurs - siehe Fußnote[1]. Anlässlich der Weihe des neuen Salzburger Doms fand im Jahr 1628 eine große Prozession statt. In dem Prozessionszug hatten auch die Bruderschaften ihren Platz. Es nahmen teil mit ihren absonderlichen Fahnen, Creutzen, Laternen, Engeln, Bildern, Tryumph-Wägen, Figuren und Singern die Bruderschaften

  1. SS. Sebastiani und Rochi in purpurfarbenen "Säcken" (schlichten ärmellosen sackartigen Kleidern), 66 Personen;
  2. St. Annæ in violetten "Säcken", 99 Personen;
  3. der Universität unter dem Titel „B. V. Mariæ Assumptæ“ (Mariae Himmelfahrt) in himmelblauen Kutten, 167 Personen;
  4. Aller Christgläubigen Seelen in schwarzen Säcken, 111 Personen;
  5. S. Monicæ, weiß gekleidet, 159 Personen; und
  6. Corporis Christi in roter Farbe, 103 Personen.[2]

Exkurs: Die große Domprozession 1682

Christof Lederwasch, Die große Domprozession, Radierung.

Am 18. Oktober 1682 bei der große Domprozession zur 1100 Jahrfeier des Erzstifts Salzburg waren folgende Bruderschaften vertreten:

  1. Confrateritas SS. Francisci et Antonii
  2. Confrateritas SS. Sebastiani et Rochi (als Hilfe gegen die Pest)
  3. Confrateritas S. Annae
  4. Confrateritas S. Josephi
  5. Sodalitas Beatae Mariae Virginis Absumptae
  6. Congretatio Fidelium Animarum
  7. Congretatio S. Monicae (Monikabruderschft zu Mülln)
  8. Congretatio SS. Corporis Cristi (Rote Bruderschaft)

Sie alle beteiligten sich an den Stadtprozessionen und hatten ihre eigenen Festtage.

Weitere wichtige Bruderschaften waren

  1. Die Bruderschaft St. Antonii de Padua
  2. Die Franz-Anton Bruderschaften
  3. die Büßer- und Flagellanten-Bruderschaft in Mülln
  4. die Augustinische Erzbruderschaft Maria von Trost und hl. Mutter Monika
  5. Die Skapulier- oder Karmeliter-Bruderschaft von St. Peter und ihr Jungfrauenbund. - lange die erfolgreichste Bruderschaft Salzburgs mit zahlreichen Filialorten
  6. Die dominikanische Rosenkranz- und Stundbuch-Bruderschaft an der Universität

Jüngere religiöse Bruderschaften im Fürsterzbistum

Zu den jüngeren religiösen Bruderschaften zählte im 18. und 19. Jahrhundert auch

  1. die Josefs-Bruderschaft (begründet durch Fürsterzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg) am Salzburger Dom. Ihr Altar war dort der Schneeherrn-Altar. Sie gehörte zu den "reichsten" Bruderschaften der Stadt. Zu dieser Bruderschaft und zu
  2. der Bruderschaft der allerheiligsten Dreifaltigkeit gehörten auch viele namhafte Vertreter des Hochadels und der ausgewählten Geistlichkeit an.

Weitere jüngere Bruderschaften waren

  1. die Bruderschaft des Thomas von Aquin der Universität,
  2. die Ursulinenbruderschaft der Ursulinengesellschaft,
  3. die Michaelsbruderschaft der von St. Peter betreuten Michaelskirche,
  4. die St. Georgs-Bruderschaft auf der Festung Hohensalzburg und
  5. die Barbara-Bruderschaft im St. Johanns-Spital.

Hierher gehört aber auch der

  1. der Liebesbund der Hofheiduken (auch Bruderschaft der Heiligen Josef, Johannes des Täufers und Johannes des Evangelisten). und
  2. die Hausknecht- oder Floriani Bruderschaft,
  3. der Liebesbund der Hoflakeien (auch Todesangst Christi Bruderschaft), sowie
  4. der Liebesbund der Domkapitularischen Bedienten zu Ehren der Hl. Greorgius und Unserer Lieben Frau in der Armenseelenkirche. (Anm: Der hl. Gregorius ist Papst Gregor der Große)
  5. die Anna-Bruderschaft frommer Frauen

Auf die neu gegründeten Bruderschaften des späten 19. Jahrhunderts wird in diesem Beitrag derzeit nicht näher eingegangen.

Literatur

  • Klieber, Rupert, Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient. Ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburg (1600–1950). Habilitationsschrift an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Wien 1997.
  • derselbe, Wallfahrt – Orden – Bruderschaften, in: Katalog zur Ausstellung „Salzburg zur Zeit der Mozart“, hg. vom Salzburger Museum Carolino-Augusteum gemeinsam mit dem Dommuseum Salzburg, Salzburg 1991, S. 355–357.
  • derselbe, Musikalische Implikationen einer Institution. Salzburgs Bruderschaften im Ausgang des 17. Jahrhunderts am Beispiel St. Josef und Hl. Kreuz, in: Heinrich Franz Biber. Musik und Kultur im hochbarocken Salzburg, herausgegeben von Petrus Eder und Ernst Hintermaier, Salzburg 1994, S. 141–153.
  • derselbe, Versunkene Region einer Sakrallandschaft. Bruderschaften in Salzburg am Beispiel St. Josef im Dom, in: Festschrift Jakob Mayr, hg. v. Johann Paarhammer, Innsbruck 1996, S. 91–123.
  • derselbe, „Anifer Hilfe im Fegefeuer“. Die Bruderschaften zu St. Oswald in Anif, in: Kirche Anif – Vertrautes in neuem Glanz. Festschrift zur Renovierung 1996-1999, hg. v. Adolf Hahnl, Salzburg 1999, S. 79–87.
  • derselbe, Neuzeitliche Bruderschaften und Liebesbünde. Entwicklungsphasen eines versunkenen religiösen Dienstleistungssektors am Beispiel Salzburg 1600–1950, in: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, Band 108, Heft 3–4 (2000), S. 319–350.
  • derselbe, „Versicherungen fürs Fegefeuer“ – Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient am Beispiel Salzburg (1600–1950), in: Revue d'Histoire Ecclésiastique, Band 96 (2001), No 1–2, S. 34-70.
  • derselbe, Bruderschaften – Instrument der Religionspolitik Paris Lodrons?, in: Erzbischof Paris Lodron (1619–1653). Staatsmann zwischen Krieg und Frieden, Ausstellungskatalog des Dommuseums zu Salzburg, Salzburg 2003, S. 68–78.
  • derselbe, in: Salzburger Mozart Lexikon, Hg. Land Salzburg und Internationale Salzburg Association, Redaktion Gerhard Ammerer und Rudolph Angermüller, Bad Honnef 2005
    • Beitrag Bruderschaftswesen, aaO S. 60–63.
    • Beitrag Corporis-Christi-Bruderschaftskirche, aaO S. 79–80.
    • Beitrag St. Sebastian (Bruderhaus St. Sebastian, Spital, Friedhof, Kirche, Bruderschaft), aaO S. 419–420.

Quelle

Einzelnachweise und Fußnote

  1. Ein Exkurs ist eine in den Text von wissenschaftlichen Abhandlungen eingefügte oder als Anhang beigefügte, selbständige und in sich geschlossene Abschweifung bzw. Digression, Quelle Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Exkurs"
  2. Dückher, Franz: Saltzburgische Chronica. Salzburg, Johann Baptist Mayr, 1666. S. 318.