Christian Thielemann

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Christian Thielemann (* 1. April 1959 in West-Berlin) ist ein deutscher Dirigent und gastiert als solcher mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden zu den Osterfestspielen in der Stadt Salzburg.

Thielemann und Salzburg

Christian Thielemann ist ehemaliger Assistent von Herbert von Karajan. Heute selbst ein Maestro von Weltruf, führt er Karajans Werk in Salzburg fort. 2013 wurde Christian Thielemann Künstlerischer Leiter der Osterfestspiele. 2017 leitete er die Rekreation der 1967er-Produktion der „Walküre“ musikalisch.

Bei den Salzburger Festspielen dirigierte er 2002 und 2005 Christian Thielemann-Konzerte, 2011 Die Frau ohne Schatten und die Wiener Philharmoniker sowie 2013 nochmals die Wiener Philharmoniker.

Nikolaus Bachler wird die Osterfestspiele Salzburg ab 2022 als Intendant leiten. Bei dessen Ernennung 2019 kam es zu einem Eklat. Drei Salzburger Osterfestspiele sind noch mit der Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann fixiert – mit "Don Carlo" 2020, "Turandot" 2021 und "Lohengrin" 2022. Danach, so wurde im Herbst 2019 entschieden, werde das Engagement mit der Staatskapelle Dresden und Christian Thielemann nicht mehr verlängert.

Der Konflikt um die Leitung der Osterfestspiele Salzburg zwischen dem Dirigenten Christian Thielemann und dem künftigen Intendanten Nikolaus Bachler ist am 17. September 2019 damit kumuliert, dass Thielemanns Vertrag sowie jener der Staatskapelle Dresden mit 2022 nach zehn Jahren beendet wird. Wie sieht das Christian Thielemann?

Christian Thielemann: "Damit war die Zündschnur gelegt"

In einem Interview in den Salzburger Nachrichten mit Hedwig Kainberger am 2. Oktober 2019 erläuterte Thielemann den Konflikt um die Osterfestspiele Salzburg:

SN: Einige Leser der "Salzburger Nachrichten" zeigen sich entrüstet, dass Ihr Vertrag und jener der Staatskapelle Dresden auslaufen wird. In Leserbriefen wird dies als "herber Verlust", "kultureller Rückschlag für Salzburg" und "letztklassige Vorgangsweise" bezeichnet. Teilen Sie dieses Bedauern?

Christian Thielemann: Die Staatskapelle und ich hätten gern unsere erfolgreiche Arbeit in Salzburg fortgesetzt. Ob die Entscheidung der Gesellschafter der Osterfestspiele, die Zusammenarbeit mit uns nicht fortzusetzen, "einen Rückschlag für Salzburg" darstellt, müssen die beurteilen, die sie getroffen haben. Letztlich entscheidet dies das Publikum der Osterfestspiele.

SN: Was hat Ihnen an den Osterfestspielen Salzburg so viel Freude gemacht, dass Sie gern – über 2022 hinaus – weitergemacht hätten?

Seit der Gründung der Osterfestspiele durch Herbert von Karajan haben sich die Osterfestspiele durch zwei kontinuierliche Konstanten ausgezeichnet: erstrangiges Orchester mit einem hochgeschätzten Dirigenten über viele Jahre hinweg. Unter den Berliner Philharmonikern: Herbert von Karajan, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle. Dann: die Dresdner Kapelle mit ihrem Chefdirigenten bis 2022 – weitere zehn Jahre Kontinuität!
Diese Aufgabe und ihre Erfüllung waren ein Glück für die Kapelle und auch für mich. Wir haben das durch den Erfolg bestätigte Gefühl: Wir sind am richtigen Ort, und unsere Arbeit wird akzeptiert.

SN: Was sind aus Ihrer Sicht die Ursachen, dass Ihr Vertrag mit den Osterfestspielen Salzburg nicht fortgesetzt wird?

Mit der Ernennung des Herrn Bachler zum Intendanten der Osterfestspiele wurde ihm die "künstlerische Gesamtverantwortung" übertragen, obwohl mir in meinem Vertrag die Aufgabe des "Künstlerischen Leiters" der Festspiele anvertraut ist. Zwei Künstlerische Leiter: Damit war die Zündschnur gelegt, die zum Ende der Zusammenarbeit führen musste und wohl auch sollte.

SN: Halten Sie die jetzige Struktur der Osterfestspiele – zwei Abozyklen mit je einer Oper und drei Konzerten, also das "Karajan-Modell" – für weiterhin tauglich? Oder ist eine Reform erforderlich? Wenn ja, in welche künstlerische Richtung?

Die Staatskapelle und ich hätten uns Reformüberlegungen nicht verschlossen. Dass "eine neue künstlerische Richtung" den Osterfestspielen gut getan hätte, wage ich zu bezweifeln.

SN: Wie haben Sie Ihre Gespräche mit Landeshauptmann Haslauer erlebt? Ist er "engagiert und bemüht" – wie Herr Bachler ihn beschreibt? Hat er sich, aus Ihrer Sicht, genug gekümmert, einen Konflikt zu vermeiden oder zu lösen?

Landeshauptmann Haslauer war stets freundlich im Gespräch und in der Tat engagiert. Aber er hat – gemeinsam mit den übrigen Gesellschaftern – die Entscheidung getroffen, meine künstlerische Verantwortung einem Dritten zu übertragen. Dies belegt, dass ihm an der Fortsetzung meiner Arbeit und damit auch jener der Staatskapelle nicht gelegen war.

SN: Wie sehr hat Sie die Kündigung Ihres Vertrags überrascht?

Nach der Übertragung der künstlerischen Verantwortung auf Herrn Bachler, nach dem von Herrn Bachler verhängten, von mir nicht akzeptierten "Lohengrin"-Verbot, war die Nichtverlängerung meines und des Vertrags der Staatskapelle keine wirkliche Überraschung.

SN: Herr Bachler wirft Ihnen "Totalverweigerung" vor. Können Sie das verstehen?

Es ist richtig, dass ich von Anfang an erklärt habe – und davon niemals abgerückt bin –, dass ich mit Herrn Bachler die künstlerische Verantwortung nicht teilen will und nicht teilen kann. Es dürfte ein einmaliger Vorgang sein, dass einem Chefdirigenten oder Generalmusikdirektor ein Intendant oktroyiert wird, ohne zuvor dessen Einverständnis mit der beabsichtigten Entscheidung einzuholen.

SN: Herr Bachler versichert, dass die persönlichen Gespräche mit Ihnen immer gut, konstruktiv und erfreulich gewesen seien. Sehen Sie das auch so?

Die Sicht von Herrn Bachler kann ich nicht teilen. Wir haben in der Causa Salzburg nicht ein einziges Mal konstruktiv zusammengearbeitet. Das Gespräch in Bayreuth war aus meiner Sicht nicht schon deshalb konstruktiv, weil man sich darauf geeinigt hat, für die nächsten Jahre über verschiedene Produktionen nachzudenken.

SN: Was schätzen Sie an Herrn Bachler?

Ich schätze die Kompetenz, mit der er zunächst als Chef des Burgtheaters in Wien und dann als Intendant an der Bayerischen Staatsoper tätig gewesen ist.

SN: Warum haben Sie Herrn Bachler so dezidiert als Intendant für die Osterfestspiele Salzburg – also Nachfolger von Peter Ruzicka – abgelehnt. Warum möchten Sie nicht mit ihm zusammenarbeiten?

Wir haben zu unterschiedliche künstlerische Vorstellungen. Die Tatsache, dass – bevor wir überhaupt in Kontakt kamen – Herr Bachler an anderen Häusern angefragt hat, ob diese statt der Dresdner Staatskapelle nach Salzburg kommen wollten. Das hat meine Hoffnung auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit endgültig zerstört.

SN: Warum war es in den letzten vier Monaten nicht möglich, das von Landeshauptmann Haslauer vorgeschlagene Sechsaugengespräch (Sie, Bachler, Haslauer) zu führen?

Mein Anwalt Peter Raue hat in einem Gespräch während der Sommerfestspiele mit Landeshauptmann Haslauer erklärt, ich sei zu einem Sechsaugengespräch bereit, wenn feststehe, dass ich den von mir aus vielen künstlerischen Gründen favorisierten "Lohengrin" 2022 machen kann. Über diese weitgehend vorbereitete, mit Sängern und Sängerinnen abgesprochene Produktion wollte und musste ich nicht verhandeln. Diese Vorbedingung für ein Gespräch wollte der Landeshauptmann nicht akzeptieren.

SN: Inwiefern fürchten Sie, dass Ihre Kompetenzen als Künstlerischer Leiter mit Herrn Bachler nicht gewahrt werden?

Meine künstlerische, vertraglich garantierte Kompetenz ist ohne mein Zutun auf Herrn Bachler übertragen worden. Es wird Sie nicht wundern, dass ich für eine von mir vorgesehene Sängerbesetzung keinen Rat des Herrn Bachler brauche. Hier sollte er meinem und hier muss ich nicht seinem Urteil trauen.

SN: Herr Bachler beteuert in einem Interview: "Jeder Künstler entscheidet sich für das, was er will. Das ist auch gut so. (…) Ich habe immer mit Künstlern gemeinsam etwas erfunden." Hat er Ihnen diese Haltung vermittelt?

Diese Haltung kann ich nur begrüßen. Ich war auch bereit, mit ihm über die Musikproduktionen nach 2022 zu sprechen, nur nicht über "Lohengrin" 2022, für den ich mich – mit ausdrücklicher Zustimmung der Staatskapelle und meines Intendanten Professor Ruzicka – entschieden hatte.

SN: Was nährt Ihre Vermutung, dass Herr Bachler nicht umsetzen würde, was Sie dirigieren möchten?

Für 2022 hatte ich die Entscheidung "Lohengrin" getroffen, für 2023 "Elektra" ins Auge gefasst. Dazu schreibt mir Herr Bachler: ",Lohengrin' und ,Elektra' mit mir nicht." Kompromisslos! Herr Bachler wollte nicht umsetzen, was ich gern dirigiere, sondern entscheiden, was ich dirigieren darf. Dazu stelle ich fest: "Mit mir nicht."

SN: Gibt es schon einen Regisseur oder eine Regisseurin für "Lohengrin"? Wenn ja, wer?

Hier sind wir im Gespräch, auch mit dem Koproduzenten, der Staatsoper Dresden.

Anmerkung: Zugleich mit der Bekanntgabe der Kündigung Christian Thielemanns und der Staatskapelle Dresden nach den Osterfestspielen 2022 hat Nikolaus Bachler angekündigt, dass in Christian Thielemanns letzten Osterfestspielen 2022 "Lohengrin" angesetzt werde.

Quellen