Edmund Entacher

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Edmund Entacher

Mag. Edmund Entacher (* 30. September 1949 in Großarl, Pongau) war bis zu seiner Pensionierung am 22. März 2013 mit Unterbrechungen als Generalstabschef ranghöchster Soldat des Österreichischen Bundesheeres.

Leben

Jugend

Entacher besuchte das Borromäum in Salzburg, maturierte aber in St. Johann im Pongau und rückte 1970 in die Rainerkaserne ein.

Militärlaufbahn

Nach dem Grundwehrdienst absolvierte Entacher die Einjährig-Freiwilligen Ausbildung und ließ sich an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt zum Berufsoffizier ausbilden. 1974 verließ er die Offiziersschule als Leutnant. Von 1979 bis 1982 absolvierte er den Generalstabs-Lehrgang, war dann von 1982 bis 1985 Hauptlehroffizier für den Bereich Taktik an der Militärakademie. Danach folgten Funktionen als Chef des Stabes und Leiter des Instituts für Berufsoffiziersausbildung. Von 1989 bis 1990 war er Kommandant des Jagdpanzerbataillons. 1992 übernahm er die dritte Panzergrenadierbrigade mit mehr als 4000 Mann.

Danach diente Entacher als Kommandant der "Multinational Brigade" für Aserbaidschan und arbeitete schließlich im Verteidigungsministerium, bevor er am 3. Oktober 2002 von Verteidigungsminister Herbert Scheibner (FPÖ) im Zuge einer Heeresreform zum Chef des neu installierten Kommandos Landstreitkräfte in Salzburg ernannt wurde.

Mit der nächsten Strukturreform des österreichischen Bundesheeres wurde das Kommando mit 1. September 2006 in das Streitkräfteführungskommando mit Kommandositz in Graz verlegt. Entacher wechselte in den Generalstab, wurde dort Milizbeauftragter des Heeres.

Generalstabschef

Am 1. Februar 2008 ernannte ihn Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) für geplante fünf Jahre zum Generalstabschef und damit zum ranghöchsten Soldaten des Österreichischen Bundesheeres.

Entmachtung

Am 24. Jänner 2011 berief Norbert Darabos Entacher von seinem Posten ab. Anlass war ein Zeitungsinterview, in dem sich der General kritisch zu der von Darabos geplanten Abschaffung der Wehrpflicht und einer Umstellung auf ein Berufsheer geäußert hatte. Bis Oktober 2010 hatte Entacher an der Seite seines Ministers für die Wehrpflicht gekämpft. In Dutzenden Interviews und Hintergrundgesprächen hatte der gebürtige Salzburger vor den Gefahren eines Berufsheers und vor allem den damit verbundenen Rekrutierungsproblemen gewarnt. Ein Berufsheer, das das gleiche könne wie die heutige Wehrpflichtigenarmee, sei nur um die doppelten Kosten zu haben, lautete Entachers Credo. Diese Einschätzung wurde damals auch von Darabos vollinhaltlich geteilt.

Erst als die Wiener SPÖ im Landtagswahlkampf im Oktober 2010 auf den Zug der Kronen Zeitung aufsprang und einen Volksentscheid zur Abschaffung der Wehrpflicht verlangte, schwenkte auch Darabos um. Was er bis dahin von seinem Generalstabschef verlangt hatte – das Eintreten für die "in Stein gemeißelte" Wehrpflicht, machte er ihm im Jänner 2011 zum Vorwurf. Darabos forderte daraufhin den General dazu auf, freiwillig in den Ruhestand zu treten. Das lehnte Entacher ab. So sprach der Minister unter Berufung auf das Beamtendienstrecht eine "Verwendungsänderung" aus.

General Edmund Entacher wurde wegen eines Interviews gefeuert, in dem er genau das sagte, was bis kurz davor auch Verteidigungsminister Norbert Darabos gesagt hatte. Das zeigt die Gegenüberstellung des Entacher-Interviews im "profil" vom 24. Jänner 2011 mit einem Gastkommentar von Darabos im "Standard" vom 3. September 2010:

Edmund Entacher Norbert Darabos
Niederlande oder Belgien haben mit der Berufsarmee schlechte Erfahrungen gemacht. Es melden sich viel zu wenige Freiwillige. Hohe schwedische Offiziere haben mir berichtet, dass es enorme Probleme bei der Anwerbung von Freiwilligen gibt. Viele Berufsarmeen in Europa haben enorme Aufbringungsprobleme. In Schweden rechnen Experten mit massiven Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung.
Warum soll ich ein neues System einführen, das voller Risken steckt und bei dem es kein Zurück mehr gibt? Wieso sollten wir von einem Kurs abgehen, der sich für Österreich jahrzehntelang außerordentlich gut bewährt hat?
Wir haben ein Mischsystem aus Berufsheer, Wehrpflichtigen und Milizsoldaten, mit dem wir bisher alle Aufgaben gut bewältigen konnten. Das Mischsystem aus Berufssoldaten, Miliz und Grundwehrdienern funktioniert. Das Bundesheer bewältigt alle Einsätze zu 100 Prozent.
Nur wenn man die Anforderungen drastisch reduziert, stimmt die Berechnung, dass ein Berufsheer nicht mehr kostet. Ein Berufsheer mit gleichem Leistungsspektrum wäre um einiges teurer. Das bisherige Budget müsste verdoppelt werden.

Wiedereinsetzung

Mit Wirkung vom 7. November 2011 wurde der Versetzungsbescheid des Verteidigungsministeriums von der Berufungskommission beim Bundeskanzleramt ersatzlos aufgehoben. General Entacher trat am 8. November 2011 wieder seinen Dienst als Generalstabschef an. Das Thema Berufsheer, das Entacher und Darabos entzweit hatte, wurde am 20. Jänner 2013 in einer Volksbefragung geklärt, wobei sich knapp 60% der Befragten für die Beibehaltung der Wehrpflicht aussprachen.

Am 22. März 2013 wurde Edmund Entacher mit einem militärischen Festakt im Verteidigungsministerium, einem offiziellen Mittagessen in der Präsidentschaftskanzlei und einer Feierstunde im Inneren Burghof in Wien in den Ruhestand verabschiedet. Zu diesem Anlass verlieh im Bundespräsident Heinz Fischer das Große Silberne Ehrenzeichen mit dem Stern, den höchsten Orden, den ein Nicht-Politiker in Österreich erhalten kann.

Vorgestellt

37 Jahre und vier Monate nachdem Edmund Entacher erstmals als Wehrmann in der Rainerkaserne in Glasenbach angetreten ist, wurde er am 1. Februar 2008 als Generalstabschef ranghöchster Soldat des Österreichischen Bundesheeres.

Von Insidern wurde der Salzburger Offizier schon lange als Topfavorit für diesen Job gehandelt – definitiv erfahren hat Entacher von seiner Bestellung aber erst eine Stunde vor der offiziellen Bekanntgabe am 31. Jänner 2008 um 10.30 Uhr im Verteidigungsministerium in der Wiener Roßauer Kaserne.

Wie läuft so etwas ab? "Der Minister hat gesagt: Du wirst Generalstabschef", schildert Entacher. "Natürlich gab es vorher Andeutungen, aber das zählt nicht. Man bewirbt sich, weil man diesen Job möchte. Die Luft ist dort oben aber schon sehr dünn. Wenn einem dann der Wunsch erfüllt wird, wenn man durch Täler, Schluchten und über Höhen marschiert ist, dann ist das der Gipfelsieg. Das Gefühl bei der Ernennung war super."

Als der aus Großarl stammende Entacher den Entschluss fasst, Berufsoffizier zu werden, revoltieren in Frankreich und in Deutschland die Studenten gegen das System. Als er maturiert, gibt es in Österreich ein Volksbegehren für die Abschaffung des Bundesheeres. Was bringt einen 68er trotzdem zum Militär?

"Ich war natürlich ein Kind meiner Zeit. Aber bei uns in der Familie war das Thema Militär immer positiv besetzt. Mein Vater Karl Entacher war Unteroffizier, er ist 1932 beim Bundesheer eingerückt. Bei mir war es so: Wenn es mir nicht gefallen hätte, dann hätte ich Wirtschafts- und Planungsmathematik studiert", schildert der Pongauer. Entacher hat es dann doch gefallen.

Er ist zunächst Kommandant der berühmt-berüchtigten Mondscheinkompanie in Kufstein und zündet mit der absolvierten Generalstabsausbildung den Karriereturbo: 1992 hat Entacher als Kommandant einer Panzergrenadierbrigade den Befehl über rund 4.000 Mann.

Dann allerdings "steht" der als SPÖ-nahe geltende Offizier – aus parteipolitischen Gründen. Erst FPÖ-Minister Herbert Scheibner ernennt Entacher 2002 nach zehn Jahren als Brigadekommandant zum Chef der Landstreitkräfte und befördert ihn zum Generalleutnant. "Das war eine ungewöhnlich lange Stehzeit. Aber aus heutiger Sicht bin ich über diesen Umstand froh. Als Kommandant einer Brigade erlebt man alles unmittelbar und kann sehr viel umsetzen. Diese Führungserfahrung ist im Frieden, bei Übungen und im Einsatz unschlagbar."

Das ist offensichtlich. Während bei anderen Generalstabsoffizieren Besuche bei der Mannschaft oft in Peinlichkeiten ausarten, ist der leidenschaftliche Virginia-Raucher Entacher beim Kontakt zu den Soldaten in seinem Element. Es scheint schwer zu sein, dem Pongauer Dialekt und dem herzhaften Lachen des Generals zu widerstehen. Rund um Entacher sieht man nie einen Soldaten, der nicht grinst.

O-Ton

  • Bereut habe ich meine Berufswahl nie. Aber sind schon Zeiten der Unsicherheit aufgetreten, wo man die Dinge kritisch hinterfragt hat. Wo durch intensiven Dienst private Belastungen aufgetreten sind und ich mich gefragt habe, ob das wirklich dafür steht.
  • Mein Motto als Generalstabschef wird sein: Schneller zur Sache, mehr für die Truppe. Ich möchte die Entscheidungsabläufe verkürzen. Da kann man sicher viel optimieren. Und ich werde weiter viel bei der Truppe sein.

Quelle