Hans Lepperdinger

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Oberst Hans Lepperdinger (* 29. Juni 1905 in München, Bayern; † 30. März 1984 in Traunstein, Bayern) ist es zu verdanken, dass die Stadt Salzburg zu Kriegsende des Zweiten Weltkriegs nicht zerstört wurde.

Militärische Laufbahn

Nach dem Abitur (Matura) ging er zur Reichswehr und war mit der Deutschen Wehrmacht bei den Feldzügen in Polen, Frankreich, am Balkan und in Griechenland dabei. In Finnland wurde er Bataillonskommandant. Von dort führten ihn seine militärischen Verpflichtungen nach Albanien, Jugoslawien und nach Russland, wo er zum Oberst befördert wurde.

Gegen Kriegsende wurde er zur „Führerreserve“ nach Salzburg versetzt und zwischen 8. und 20. April 1945 von Oberst Gümbel, dem Kommandanten des Sicherungsbereiches Salzburg-Berchtesgaden-Reichenhall (mit Sitz in Berchtesgaden), zum Kampfkommandanten von Salzburg ernannt. Das Kampfkommando übernahm er erst am 3. Mai 1945, beim unmittelbar bevorstehenden Beginn eines Bodenkrieges auf Salzburg.

Sein Verdienst zu Kriegsende

Oberst Lepperdinger wies gegen Kriegsende den Befehl zurück, die Stadt Salzburg − in der sich zahlreiche Flüchtlinge aufhielten und deren Krankenhäuser und Lazarette mit Verwundeten überbelegt waren − in sinnloser Weise noch in letzter Minute gegen die anrückenden Amerikaner zu verteidigen.

In der Nacht zum 4. Mai 1945 hielt Lepperdinger im Befehlsstollen eine eingehende Stabsbesprechung mit allen anwesenden Offizieren ab, gab ihnen seinen Entschluss, die Stadt Salzburg nicht zu verteidigen, sondern kampflos zu übergeben, bekannt und erlangte ihr Einverständnis zu dieser befehlswidrigen Vorgangsweise. Weiters wurde ein Aufruf Lepperdingers an die Bevölkerung von Salzburg verfasst, der im Laufe des 4. Mai 1945 wiederholt im Radio durchgegeben wurde:

"Vor Wochen habe ich das Amt des Kampfkommandanten in Salzburg übernommen. Ich habe schon damals gewusst, dass ich einer schicksalhaften Stunde entgegengehe und dass es in meiner Hand liegen wird, namenloses Leid für die Bevölkerung unserer Stadt verhüten zu können. Mein ganzes Streben ging dahin, alle zuständigen Stellen von der Sinnlosigkeit einer Verteidigung der Stadt zu überzeugen. Noch gestern Nachmittag hatte ich die volle Zustimmung von General Ringel und des Gauleiters Scheel, die Stadt unter allen Umständen von Feindeinwirkungen zu schützen. Gestern Abend dann übernahm General von Bork den Befehl über meinen Abschnitt mit und befahl mir, die Stadt Salzburg zu verteidigen, obwohl er weder die militärische Lage in Salzburg und Umgebung, noch die innere Lage der Stadt, in der sich 80.000 Menschen und etwa 7.000 Verwundete befinden, beurteilen kann. Dieser Befehl stellt einen Wahnsinn dar, wie ihn nur militärische Unfähigkeit und völlige menschliche Verantwortungslosigkeit gebären kann. Ich habe mich daher entschlossen, diesen Befehl, an den mich seit dem Tode des Führers kein Eid mehr bindet, nicht auszuführen. Ich erkläre die letzte freie deutsche Stadt zur offenen Stadt und biete den Amerikanern die Übergabe an. Wie schwer mir dieser Entschluss wurde, kann nur ein Soldat begreifen. Salzburger, ich tue es für euch, steht bedingungslos zu mir, so wie es alle meine Offiziere und die gesamte Polizei tun. Ich bin überzeugt, dass alle anständigen deutschen Offiziere und auch der amerikanische Oberbefehlshaber meine Ehre als Offizier und auch als Mensch nicht anzweifeln werden."

An demselben Tag, dem 4. Mai 1945, ließ er durch einige Offiziere den an der Saalach bei Freilassing stehenden amerikanischen Truppen das Angebot einer kampflosen Übernahme der Stadt überbringen und verhinderte damit letzte Kriegshandlungen und eine weitere Zerstörung von Salzburg.

Lepperdinger und die übrigen Beteiligten – zu seinem Stab gehörten auch noch Major Satorius, die Hauptleute Norbert Nürnberger und Eberhard Moser (beide Salzburger) sowie weitere Ordonnanzoffiziere – setzten sich damit der Gefahr aus, zum Tode verurteilt zu werden. Vor dem Zugriff der SS schützte sich Lepperdinger durch ihm loyale Kräfte der Gebirgsjäger[1].

Weiteres Leben

Die letzten Kriegsmonate hatte die Familie Lepperdinger in Admont, Steiermark, verbracht, wo Hans Lepperdinger als Gebirgsjäger-Oberst stationiert war. Als sich der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschland abzeichnete, hatte Lepperdinger seine Familie nach Salzburg geholt. Nach dem Krieg lebte die Familie Lepperdinger noch für vier Jahre in Salzburg-Parsch, Sohn Hans-Jörg Lepperdinger besuchte die Volksschule und dann noch zwei Jahre die Realschule am Ferdinand-Hanusch-Platz.

Hans Lepperdinger arbeitete nach dem Krieg als Kaufmann. Er wurde 1966 Ehrenbürger der Stadt Salzburg. Lepperdinger starb 1984 und wurde im Ehrengrab Nr. 35 auf dem Salzburger Kommunalfriedhof bestattet.

Ehrungen

In der Gemeinde Wals-Siezenheim gibt es eine "Oberst-Lepperdinger-Straße", diese verläuft parallel zur Westautobahn von der Autobahnausfahrt Kleßheim, am Fußballstadion vorbei, bis zur Autobahnauffahrt Siezenheim.

Ehrenbürgerschaften

Weblink

Quellen

  • Lackerbauer, Ilse: Das Kriegsende in der Stadt Salzburg im Mai 1945. Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 35. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1977.
  • Moser, Eberhard: Vortragsmanuskript zur kampflosen Übergabe der Stadt Salzburg 1945 (um 1980)

Fußnoten

  1. So berichtete sein Sohn Dr. Hans-Jörg Lepperdinger am 12. Mai 2005 anlässlich der 60-jährigen Wiederkehr des Tages des Kriegsendes bei einem Treffen mit dem Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden