Raphael Hospiz Salzburg

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Das Raphael Hospiz Salzburg, ursprünglich „Helga Treichl Hospiz“, ist eine Betreuungseinrichtung für Patienten im fortgeschrittenen Stadium unheilbarer Erkrankungen und die einzige stationäre Betreuungseinrichtung dieser Art im Land Salzburg.

Leitgedanken

Dem Sterben Würde geben

Auch Menschlichkeit ist eine Medizin. Sie erhöht die Lebensqualität, wenn die moderne Medizin am Ende ihrer Mittel angelangt ist. Schwerkranke haben andere Bedürfnisse als Menschen, die auf Heilung hoffen. Hospize und Palliativstationen[1] sind Zentren, in denen man lernen und erfahren kann, dass Sterben in Würde möglich ist.

Für den Gründer des Hospizes, das Österreichische Rote Kreuz), spielt der Hospizgedanke eine zentrale Rolle. Neben der mobilen Betreuung von Hospizpatienten gab es seit März 2002 in der Stadt Salzburg die erste Rotkreuz-Hospizstation für Patienten, die sich im weit fortgeschrittenen und fortschreitenden Stadium einer unheilbaren Erkrankung befinden: das Helga Treichl Hospiz.

Unter dem Motto "Lindern, wo Heilung nicht mehr möglich ist" werden Patienten, die unheilbar krank sind, ganzheitlich betreut und begleitet. Das Angebot des multiprofessionellen Teams reicht von Schmerzbehandlung und Symptomlinderung bis hin zu psychosozialer Betreuung und Trauerbegleitung der Angehörigen.

Der Hospizgedanke

Damit will das Hospiz an die Idee der Engländerin Cicely Saunders anknüpfen. Die Gründerin der Hospizbewegung sagte: "Es macht schutzbedürftige Menschen so verletzlich, dass sie glauben, sie wären eine Last für die anderen. Die Antwort ist eine bessere Betreuung der Sterbenden, um sie zu überzeugen, dass sie immer noch ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind."

Trägerschaft

Seit 2014 wird das Hospiz durch den Konvent der Barmherzigen Brüder Salzburg geführt, deren Krankenhaus auf die Behandlung onkologische Erkrankungen spezialisiert ist. Namenspatron ist der gleichnamige Erzengel, der auch der barmherzige Samariter und Begleiter der Kranken genannt wird.

Die Lage im Jubiläumsjahr 2022

Inanspruchnahme und Bedarf

„Wir haben pro Jahr rund 100 bis 120 Patienten, die versorgt werden“, schildert Ellen Üblagger, seit 2005 ärztliche Leiterin. Viele sind Krebspatienten, doch in den vergangenen Jahren seien die Nicht-Tumor-Patienten mehr geworden. Im Schnitt sind die Patienten drei Wochen im Hospiz.[2]

Neun zu belegende Betten gibt es im Raphael-Hospiz in Salzburg, doch der Bedarf wäre vielfach größer. Die Warteliste beträgt manchmal drei, manchmal an die 20 Personen. „Es gäbe viele Patienten, die eigentlich in ein Hospiz gehören würden. Wahrscheinlich würde man ein zweites Haus betreiben können“, kommentiert Arno Buchmacher, Gesamtleiter der Salzburger Barmherzigen Brüder.[2]

Finanzierung

Menschenwürdiges Sterben hat seinen Preis. Ein kostendeckender Betrieb des Hospizes ist nicht möglich. Über den SAGES-Fonds der öffentlichen Hand erhält das Raphael-Hospiz derzeit 400 000 Euro. Einen Tagsatz von 61 Euro trägt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) bei. Der Patienten-Selbstbehalt beträgt 165 Euro pro Tag. Den verbleibenden Abgang von 200 000 bis 250 000 tragen die Barmherzigen Brüder. Unterstützung erhält man vom Verein der Freunde des Raphael-Hospizes, der im Jahr 2006 gegründet wurde, um Patientenwünsche zu erfüllen und Anschaffungen zu tätigen, die vom Träger nicht geleistet werden können.[2]

Thema „Sterbehilfe“

Nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs ist das Thema „Sterbehilfe“, die „Beihilfe zum Suizid“, seit Anfang 2022 gesetzlich neu geregelt. Nun gibt es die Möglichkeit, eine Sterbeverfügung zu errichten. Den Sterbewunsch Todkranker, die nicht mehr länger leiden und warten wollen, das kennt man natürlich im Hospiz. „Wir werden immer wieder danach gefragt. Aber mit dem Angebot, das wir haben, sind wir bislang immer zurechtgekommen, sodass dieser Wunsch dann wieder verschwunden ist“, sagt die ärztliche Leiterin. Vom Orden der Barmherzigen Brüder gebe es eine klare Haltung: „Dass der assistierte Suizid nicht durchgeführt wird. So etwas wird es im Raphael-Hospiz Salzburg nicht geben. Es passt auch nicht zu unserer Philosophie.“

Geschichte

Gründung (2002)

Mit 8. Jänner 2002 wurde die erste Patientin stationär im Helga-Treichl-Hospiz aufgenommen. Am 15. März 2002 wurde das Haus mit acht Betten offiziell eröffnet.[2]

Krise und Übernahme (2013/14)

Das Rote Kreuz sah im Frühjahr 2013 keine Möglichkeit mehr, die bisher für den laufenden Betrieb des Hospizes eingesetzten hohen Summen weiterhin aus seinem Budget zu leisten, und forderte die öffentliche Hand zum Handeln auf.

Es handelte sich um rund 500 000 Euro, die jährlich aus anderen Quellen benötigt würden. Anderenfalls müsse das Hospiz mit Jahresende 2013 geschlossen werden. Im Juni 2013 hatte sich die ehemalige Landesrätin Doraja Eberle zu einer Beitrags-Leistung von 100 000 Euro aus der ERSTE-Stiftung verpflichtet. Diesem Beispiel folgte ihr Vater, der ehemalige Landesrat Friedrich Mayr-Melnhof, mit einem Spende von 50 000 Euro. Auch die Salzburger Ärzteschaft überlegte eine konzertierte finanzielle Hilfe für den Erhalt der Hospizeinrichtung. Dennoch blieb noch Bedarf für sozial-finanzielles Engagement, das nicht nur punktuell Lücken füllen, sondern das Hospiz langfristig sichern sollte.

Mit 1. Jänner 2014 wurde das Hospiz durch den Konvent der Barmherzigen Brüder Salzburg übernommen. Auch der neue Betreiber hatte mit Finanzsorgen zu kämpfen. Die vom Land Salzburg gewährten Förderungen deckten nur ein Drittel der Kosten. Den Rest zahlten die Patienten, die ein Tag im Hospiz 170 Euro kostete, aber auch der Konvent hatte durch das Hospiz Abgänge zu verzeichnen.

2018

2018 kümmerten sich 22 Mitarbeiter, Ärzte, Pfleger, Seelsorger und Therapeuten um die Patienten und deren Angehörige.[3]

Im August 2018 stellte der Neumarkter Künstler Johann Weyringer die restlichen 25 Lithografien seines 2009 gemalten Bildes Aphrodite und Ares im Schutz des Hephaistos für jene Menschen zur Verfügung, die sich für das Raphael Hospiz Salzburg einsetzen. 2009 hatte Weyringer dieses Bild für das Projekt Sonneninsel der Salzburger Kinderkrebshilfe in Seekirchen am Wallersee gemalt. Die Botschaft des Gemäldes, so Weyringer: "Man kann die Welt verändern." Von dem Bild wurden von Weyringer persönlich 50 Lithografien angefertigt. 25 wurden 2009 als Dankeschön an Spender für das Projekt Sonneninsel gegeben.

2022 – Jubläumsjahr

Im Jahr 2022 blickt das Haus auf 20 Jahre seines Bestehens zurück. Rund 2000 schwer kranke und sterbende Menschen wurden in diesem Zeitraum begleitet.

Kontakt

Raphael Hospiz Salzburg
Dr.-Sylvester-Straße 1
5020 Salzburg
Telefon: (06 62) 82 60 77 - 0
Telefax: (06 62) 82 60 77 - 4

Weblink

Quellen

Einzelnachweise

  1. Erklärung siehe Wikipedia
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Salzburger Nachrichten, 15. Jänner 2022, S. 10: Wie der Tod den Schrecken verliert (Heidi Huber)
  3. Salzburger Nachrichten vom 30. August 2018