Hauptmenü öffnen

Salzburgwiki β

Johann Biringer

HR Mag. Johann (Hans) Biringer (* 2. März 1920 in in Maria Schmolln, Innviertel, Oberösterreich; † 15. Mai 2007) war Polizeidirektor von Salzburg.

Leben

Biringer, Sohn eines Gendarmeriebeamten, besuchte von 1932 an das humanistische Stiftsgymnasium Wilhering nahe Linz. Nachdem dieses im Jahr 1938 von den neuen nationalsozialistischen Machthabern geschlossen worden war, wechselte er an das Staatsgymnasium Freistadt und legte dort im Herbst 1939 die Reifeprüfung ab.

Schon vor dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, und erst recht danach, zeigte sich der junge Mann als eifriger Nationalsozialist. Bereits am 1. März 1938 hatte der knapp Achtzehnjährige die Position eines SA-Scharführers inne, seine Formation führte er im selben Jahr auf dem Reichsparteitag der NSDAP an. Kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete er sich zur SS-Verfügungstruppe, der späteren Waffen-SS. Er wurde zum Feld-Regiment „Der Führer“ der SS-Division „Das Reich“ eingeteilt und nahm mit dieser Einheit an den Feldzügen gegen die Niederlande, Belgien, Frankreich, Jugoslawien und die Sowjetunion teil, zuletzt als Truppenführer der schweren Granatwerfer. Im Juni 1941 war seine Einheit in der Region Minsk an „Säuberungsaktionen“ vor allem gegen Juden und Partisanen beteiligt. Seine an der russischen Front erbrachten Leistungen wurden im Oktober 1941 mit seiner Beförderung zum SS-Rottenführer, dann mit der Verleihung des Eisernen Kreuzes II. Klasse und des Infanterie-Sturmabzeichens gewürdigt.

Im September 1941 wurde er an die SS-Junkerschule Braunschweig abkommandiert, die er allerdings nach kurzer Zeit aufgrund einer Kropferkrankung verlassen musste. Die gewonnene Zeit nutzte er, um an den Universitäten Graz und Prag Rechtswissenschaften zu studieren.

1945 gelangte Biringer in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Als SS-Angehöriger wurde er im Lager Nürnberg-Langwasser interniert, dann aber in russische Kriegsgefangenschaft überstellt. Nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft absolvierte er 1946/47 die Gerichtspraxis und nahm eine Beschäftigung als Konzipient bei einem Rechtsanwalt auf.

1951 trat Biringer in den Polizeidienst ein, ebenso in die SPÖ-Landesorganisation Salzburg und (1953) in die Vereinigung der Sozialistischen Juristen Österreichs, eine Teilorganisation des Bundes Sozialistischer Akademiker. Der solcherart politisch vernetzte Polizeijurist stieg von der Kriminalabteilung bis in das Amt des Direktors der Polizeidirektion Salzburg auf, das er von 1972 bis 1985 bekleidete. Mit 1. Jänner 1986 trat er den Ruhestand.

Als Salzburger Polizeichef fiel Biringer durch eine harte Linie etwa gegen linke Demonstranten auf. Viel Aufmerksamkeit erregte auch der Fall des Schriftstellers Peter Handke, der im Februar 1985 von einer Polizeistreife festgenommen und wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt wurde; als Biringer seine Beamten gegen öffentliche Kritik verteidigte, nannte ihn Handke einen „alpenländischen Folterknecht” und handelte sich damit eine Ehrenbeleidigungsklage Biringers ein.

Keine Scheu hegte Biringer gegenüber der SS-Traditionspflege. Er war Mitglied der Kameradschaft IV, eines als rechtsextrem eingestuften SS-Veteranenvereins, und nahm an der alljährlichen Kranzniederlegung zu Ehren der gefallenen SS-Angehörigen auf dem Salzburger Kommunalfriedhof sogar in seiner Uniform als Polizeidirektor teil.

Quellen